5 Minutes with... Moritz Bleibtreu, Schauspieler

Moritz Bleibtreu, 44, spielt die Hauptrolle im Film «Die dunkle Seite des Mondes» nach dem Bestseller von Martin Suter. Wir trafen ihn vor der Premiere in Zürich und sprachen mit ihm über seine Erfahrungen mit psychoaktiven Pilzen, die Bibel und das Böse im Menschen.
Moritz Bleibtreu
© Filmcoopi

Moritz Bleibtreu als erfolgreicher Wirtschaftsanwalt Urs Blank in der Verfilmung von Martin Suters Roman «Die dunkle Seite des Mondes».

Der deutsche Schauspieler Moritz Bleibtreu zeigt im Film «Die dunkle Seite des Mondes» eine starke Leistung als Anwalt Urs Blank, der nach dem Selbstmord eines Geschäftspartners sein Leben zu hinterfragen beginnt. Er lässt sich auf die hübsche Hippie-Frau Lucille ein und probiert halluzinogene Pilze. Nach seinem Horrortrip verändert sich seine Persönlichkeit und er verliert mehr und mehr die Kontrolle über sich selbst.

SI Style: Was wollten Sie als kleiner Junge werden?
Moritz Bleibtreu: Schauspieler. Ich kann mich an nichts anderes erinnern, ich hatte nie eine Feuerwehrmann- oder Polizistenphase.

Ein Buch, das Ihr Leben beeinflusst hat? 
Die Bibel.

Wurde sie Ihnen schon als Kind vorgelesen? 
Nein, ich begann erst mit sechzehn, siebzehn darin zu lesen. Das hat auch nichts mit meinem Glauben zu tun, aber die Lektüre bewirkte eine Weitsicht auf die Dinge und ist allen schwer zu empfehlen. Man nennt die Bibel nicht umsonst das Buch aller Bücher. 

Sie bezeichnen sich aber nicht als speziell religiös?
Nein, im Gegenteil. Ich bin ein gottesfürchtiger Atheist.

Ihre Filmfigur Blank lässt sich auf halluzinogene Pilze ein. Würde Sie das reizen oder haben Sie Erfahrungen damit?
Ich habe das mal in meiner Jugend ausprobiert, aber so gering dosiert, dass nicht viel passiert ist. Heute reizt es mich nicht mehr, denn Kontrollverlust ist überhaupt nicht meins, davor habe ich Angst. Meine Fantasie ist sowieso schon sehr lebendig und ich möchte nicht, dass mir mein Kopf irgendwelche chemischen Streiche spielt.

Durch die Pilze kommen bei Blank seine dunklen, aggressiven Seiten zum Vorschein. Was glauben Sie, stecken diese «bösen» Seiten in allen Menschen?
Ja, absolut, das ist rein dem Überlebensinstinkt geschuldet. Jeder Mensch muss fähig sein, sein eigenes Leben oder das seiner Liebsten zu verteidigen. Und es gibt das Prinzip der Relativität: Wo Weiss ist, gibt es auch Schwarz. Da liegt es rein an unseren sozialen Abmachungen, dass wir möglichst gesund mit diesen dunklen Seiten umgehen.

Also eine gesellschaftliche, beziehungsweise moralisch-ethische Frage?
Genau. Dafür ist der Film ja auch eine Metapher. Unser Zusammenleben beruht auf Verabredungen, die wir untereinander getroffen haben und Dinge beinhalten wie Höflichkeit, Diplomatie. Wenn man diese Regeln, diese zarten Bande, ausser Kraft setzt, dann wird es ganz schnell ganz scheisse. Daher ist es so wichtig, dass wir uns an diese Abmachungen, die wir zum Glück im Verlaufe der Zeit getroffen haben, halten. 

Was war die grösste Herausforderung bei dieser Rolle?
Das Gesamte. Es gab wenig Geld für den Film insgesamt, deshalb auch lange Drehtage, oft war es kalt. Am Ende des Drehs war ich ganz schön müde. Dieser Film gehört auf jeden Fall zu den anstrengenderen, die ich in meinem Leben gemacht habe.

Sind Sie ein Morgen- oder Nachtmensch?
Ein Morgenmensch.

Woran arbeiten Sie gerade?
Jetzt habe ich gerade noch ein bisschen Pause. Im Frühjahr ist ein Film geplant von Sam Garbarski, «Willkommen in Deutschland», eine Nachkriegsgeschichte. Dann stehen weitere Folgen von «Schuld» an, das ist die Krimireihe von Ferdinand von Schirach, und, wenn Gott will, die Fortsetzung der Komödie «Lammbock» im Spätsommer.

Wovon träumen Sie?
Erstens darf man das nicht erzählen, sonst geht es nicht in Erfüllung. Zweitens habe ich keine hochambitionierten Träume. Über meinen Beruf habe ich so viel mehr vom Leben geschenkt bekommen, als ich je gedacht hätte, da erübrigen sich grosse Träume.

Ihr wertvollster Besitz?
Besitz? Schwer zu sagen. Meine Familie und meine Gesundheit sind das wertvollste in meinem Leben, aber das ist ja kein Besitz.

Ihre beste Tugend?
Ich glaube, ich bin ein relativ zuträglicher Mensch. Ich kann gut Menschen zusammenbringen, motivieren.

Was ist das Wichtigste, das Sie Ihrem Sohn beibringen möchten?
Beibringen ist schwer, man lebt vielmehr vor. Wichtig ist mir, dass er seine Empathie nie verliert und ein grosses Herz behält.

Das letzte Lied, das Sie auf Ihrem iPhone gehört haben?
Gerade vorhin «Tom Ford» von Jay Z.

Die letzte SMS, die Sie jemandem geschickt haben?
Das werde ich Ihnen doch nicht erzählen. War aber auch nichts Aufregendes, an meine Familie. 

Wo und wann waren Sie am glücklichsten?
Glück ist nichts, was man an einer bestimmten Zeit festmachen kann. Im Nachhinein verklärt man die Vergangenheit meistens. Aber ich muss sagen, ich bin generell ein ziemlich rundum glücklicher Mensch, es darf gerne so weitergehen.

Ihre letzte Reise führte Sie wohin?
Der Arbeit halber nach Mexiko, urlaubsmässig ganz klassisch im Sommer nach Mallorca.

Was liegt auf Ihrem Nachttisch? 
Hier in Zürich ein Buch, dessen Titel mir gerade nicht einfällt, weil ich in zu vielen Städten für zu kurze Zeit unterwegs war und gar nie dazukam, darin zu lesen, ein Aufladegerät für mein iPhone und eine Flasche Wasser.

Welcher Duft erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Nina Ricci, L’Air du Temps – das Parfüm meiner Mutter.

Der Film von Stephan Rick ist aktuell in den Schweizer Kinos zu sehen.

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