5 Minutes with … Linda Solanki, Autorin

Die Autorin, 26, kehrte kürzlich von zwei Jahren in New York und Paris nach Zürich zurück. Im Gepäck, ihr zweiter Roman «Verdammter Paul».
Linda Solanki
© Linda Solanki

Was wollten Sie als Mädchen werden?
Detektivin. Ich habe sogar mit meinem Bruder und ein paar Freunden eine «Agentur» gegründet, mit der wir «Fälle» lösten. Zum Beispiel landete einmal ein Brief, der an jemand anderen adressiert war, bei uns im Briefkasten. Wir gingen der Sache nach und fanden den Mann, dem er tatsächlich zukommen sollte.

Wie sind Sie die geworden, die Sie heute sind?
Ich bin die Summe aller Begegnungen und Erlebnisse, die ich gehabt habe. Ich ging durch verschiedene Phasen: Ich war ein sehr schüchternes Kind, ein lauter, aufmüpfiger Teenager, als Frau wurde ich wieder ruhiger. Meine Entwicklung hängt sicherlich damit zusammen, mit wem ich mich umgeben habe.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 16-jährigen Ich geben?
Damals ging ich für ein Austauschjahr an die High School in North Dakota. Ich würde mir raten, mach das! Aber geh mit weniger Erwartungen. Meine Vorstellung entsprang dem Idealbild aus den amerikanischen TV-Serien. Das traf natürlich nicht zu und ich war am Anfang enttäuscht. Mein genereller Rat an die junge Linda: Sei netter zum Mami.

Sind Sie ein Morgen- oder Abendmensch?
Ein Abendmensch. Vor dem Mittag bin ich nie ganz aufnahmefähig, egal um welche Zeit ich aufstehe. Früher habe ich viel in der Nacht geschrieben, das war aber schlecht für mein Sozialleben. Darum habe ich mir angewöhnt, am Nachmittag zu schreiben, meist in einem Café auf dem Laptop.

Welches Buch hat Sie beeinflusst?
«The Great Gatsby» von F. Scott Fitzgerald sowie Bücher von Markus Werner, Judith Hermann.

Was lesen Sie als nächstes?
Gerade lese ich die letzten Seiten von «Why I left Goldman Sachs». Mein Freund arbeitet im Finanzwesen und ich möchte mich darin besser auskennen. Als nächstes ist «Social Studies» von Fran Lebowitz dran.

In Ihrem zweiten Buch wird ein Mann von «Hey Jude» von Paul McCartney geplagt. Der obdachlose Sebastian wird den Ohrwurm nicht mehr los. Welcher Song begleitet Sie schon lange?
Vieles von den Beatles und von den Stones. Mein Vater fand beide Bands super, darum bin ich mit ihnen aufgewachsen. Fürs Schreiben habe ich spezielle Playlists auf Spotify zusammengestellt, die ich je nach Stimmung höre.

Ihr wertvollstes Gut?
Meine Familie.

Wovon träumen Sie?
Meine Träume sind mega surreal, das würde keinen Sinn machen, die hier auszubreiten. In der Realität habe ich immer Fernweh und träume von neuen Destinationen.

Wo haben Sie Ihre letzten Ferien verbracht?
In der Bretagne. Die Familie meines Freundes hat dort ein Haus.

Wo wird Ihre nächste hinführen?
Japan steht schon lange auf der Liste, aber vermutlich wird meine nächste Reise spontan entschieden.

Was ist Ihre Superpower?
Geschwindigkeit. Ich bin eine, die sofort macht.

Ihr persönlicher Stil?
Beim Schreiben, jung, schnell, direkt.

Wofür geben Sie zu viel Geld aus?
Kaffee, weil ich in Cafés schreibe. Und für Bücher. Ich kaufe sie gedruckt, lese nicht digital.

An wen ging Ihre letzte SMS und was stand drin?
An Sie, dass ich mich leider zehn Minuten verspäte, weil das Tram ewig nicht gekommen ist.

Welche Ziele möchten Sie noch erreichen?
Ein Buch von mir verfilmt zu sehen, wäre grossartig.

Was möchten Sie noch lernen?
Tennisspielen.

Was liegt auf Ihrem Nachttisch?
Den habe ich vorgestern entsorgt.

Welcher Duft erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Der nach Foccaccia mit Rosmarin. Meine Mutter hat das sehr oft gemacht.

Kochen Sie?
Ja, das entspannt mich. Ich pobiere gern neue Rezepte aus. Als Vegetarierin bereite ich viel Gemüse und Pasta zu, ein fleischloses Stroganoff mit Pilzen, Cannelloni mit Ricotta und Spinat...

Wo und wann sind Sie am glücklichsten?
Wenn die Sonne scheint. Wo spielt keine grosse Rolle. Ich habe sicher jeden Tag einen Moment, an dem ich glücklich bin.

Was inspiriert Sie zum Schreiben?
Es sind immer Begegnungen mit Menschen. Bei «Verdammter Paul» war es die mit einem jungen Obdachlosen in Zürich. Er sprach mich an und bat mich um ein wenig Geld. Ich bin mit ihm gegangen, um ihm etwas zu essen zu kaufen. In den fünfzehn Minuten hat er mir aus seinem Leben erzählt. Ich war in Eile und habe ihm gar nicht richtig zugehört. Erst als ich danach im Zug sass, wurde mir bewusst, wie interessant seine Schilderungen waren. Ich habe versucht, ihn wieder zu finden, leider vergeblich. 

«Verdammter Paul»
© Linda Solanki

«Verdammter Paul» von Linda Solanki ist bei Zytglogge erschienen.

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