Kinotipps: «Frantz» und «Snowden» So ticken Helden

In welchen Zwiespalt – und welche Gefahr – ein loyaler Mann geraten kann, davon erzählen Oliver Stones «Snowden» und François Ozons «Frantz». Die zwei Regie-Grossmeister toppen mit ihren neuesten Würfen sich selber. Zwei Must-Sees zum Mitreden!
In Trauer vereint: Adrien (Pierre Niney) und Anne (Paula Beer).

In Trauer vereint um Frantz: Adrien (Pierre Niney) und Anna (Paula Beer).

«Frantz»

Ein Film mit allem drin, was wir im Kino wollen: Eine (Liebes-)Geschichte, die ans Herz geht, fantastische Bilder, stimmige Atmosphäre, tiefe Gefühle und zwei Hauptdarsteller, in die wir uns gleich mit verlieben und mit denen wir leiden. Die Geschichte spielt nach dem ersten Weltkrieg, der titelgebende Frantz hat ihn nicht überlebt, daheim in einem deutschen Kaff trauert Anna um ihren gefallenen Verlobten. Bei ihren täglichen Besuchen auf dem Friedhof bemerkt sie einen jungen Mann, der ebenfalls Blumen aufs Frantz’ Grab legt. Wer ist dieser mysteriöse Unbekannte, dieser Franzose, der sich kurz nach Kriegsende nach Deutschland wagt? 

Ziemlich beste Freunde: der Franzose Adrien (Pierre Niney) und Anna (Paula Beer).
© filmcoopi

Ziemlich beste Freunde: der Franzose Adrien (Pierre Niney) und Anna (Paula Beer).

François Ozon beweist nach «Swimming Pool», «Jeune & Jolie», «Potiche» und «Une nouvelle amie» einmal mehr sein immenses Talent für grosse, zwiespältige Gefühle ohne viel Worte. Er war schon zehnmal für einen César, Frankreichs Pendant zum Oscar, und zweimal für eine goldene Palme aus Cannes nominiert, Kritiker und Publikum lieben ihn gleichermassen. Mit Pierre Niney, der schon als junger Yves Saint Laurent glänzte, und der Newcomerin Paula Beer bringt Ozon zwei Hauptdarsteller auf die Leinwand, die mit soviel Talent und Schönheit gesegnet sind, dass uns vor Staunen die Augen überlaufen. «Frantz» ist das Filmereignis der Saison!

Paula Beer wurde am Filmfestival Venedig als beste Nachwuchsdarsterllerin ausgezeichnet.
© filmcoopi

Paula Beer wurde am Filmfestival Venedig als beste Nachwuchsdarsterllerin ausgezeichnet. 

 

«Snowden»

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) beim Lügendetektor-Test der CIA.
© Pathé Films

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) beim Lügendetektor-Test der CIA.

Ist Edward Snowden, der Whistleblower, der die flächendeckende Überwachung des US-Geheimdienstes NSA aufdeckte, ein Held oder ein Verräter? Die Meinungen dazu sind seit 2013, als der Skandal aufflog, gemacht. Und über Oliver Stones Film hat man dank des Zurich Film Festival, wo der Spezialist für US-Polit-Stoffe zu Gast war, schon so viel gehört und gelesen, dass man meint, sich diesen schenken zu können. Das wäre ein Fehler! «Snowden» ist trotz bekannter Story jede Minute spannend, nicht zuletzt dank Stones Verve als Regisseur, einem thrillermässigen Drehbuch und der subtilen Darstellung des Computer-Nerds und Patrioten Snowden durch Joseph Gordon-Levitt.

Video-Konferenz mit dem Boss (Rhys Ifans).
© Pathé Films

Video-Konferenz mit dem Boss (Rhys Ifans).

Und wer meint, die Überwachung durch US-Geheimdienste könne doch jedem, der nichts Illegales tut, eigentlich egal sein, wird sich nach «Snowden» solch unbedarften Unsinn nochmals durch den Kopf gehen lassen.