«Ich möchte auch ausserhalb der digitalen Welt existieren» Kristina Bazan über die neue Nummer 1 in ihrem Leben

Beim Pinko-Store-Opening in Zürich haben wir eine der einflussreichsten Schweizer Frauen getroffen: Kristina Bazan. Diese Gelegenheit haben wir genutzt, um mit der Powerfrau über ihren Karrierewechsel und die Geheimnisse ihres einzigartigen Stilgefühls zu sprechen.
Kristina Bazan
© Pinko Zürich

Kristina Bazan, 24, im neuen Pinko Store in Zürich.

In einem leichten, roten Seidenkleid, das schwarze Haar offen, die Haut vornehm blass, kam Kristina Bazan durch die Tür des neuen Pinko Stores in Zürich geschwebt. Bis ihr die Augen sämtlicher Gäste im Raum sicher waren, dauerte es nur Sekunden. Bei einem Glas Wasser sprachen wir mit der offenen und herzlichen 24-Jährigen über ihren radikalen Imagewandel und die Leidenschaft zur Musik.

Style: Vor Kurzem hast Du alle Instagram-Fotos gelöscht und anschliessend auf deinem Blog «Kayture» offiziell mit dem Influencer-Dasein Schluss gemacht. Woher kam der plötzliche Sinneswandel?
Kristina Bazan: Über diesen Schritt habe ich ziemlich lange Zeit nachgedacht. Für mich war der Blog immer eine Art Tagebuch, in dem ich über die Sachen berichten konnte, die mich inspirieren. Über die Jahre bekam ich das Gefühl, dass meine Beiträge an Magie verloren haben, da sie nur noch von meiner Arbeit als Influencerin handelten. Es gab so viel mehr, dem ich Platz geben wollte, vor allem der Musik, die mich seit meiner Kindheit stets inspiriert hat. Für die Erfahrungen, die ich während der letzten Jahre sammeln konnte, bin ich trotzdem unheimlich dankbar. Und keine Sorge, mein Blog bleibt weiterhin bestehen! Statt Modelabels steht jetzt aber meine Musik im Fokus.

Was geniesst Du am meisten an der instagramfreien Zeit?
Ich geniesse es unheimlich, mich voll und ganz meinem Musikprojekt widmen zu können. Bald wird mein erstes Album erscheinen.

Dürfen Deine Follower denn auf ein Instagram-Comeback hoffen?
Für mich war es wichtig, einen radikalen Schnitt zu machen. Ich wollte verdeutlichen, wie ernst es mir mit meiner Musik ist. Meinen Feed komplett zu löschen, habe ich mich allerdings nicht getraut. Ich habe alle Fotos archiviert und werde sie – sobald mein Album erschienen ist – wieder online stellen.

Wie würdest Du deine Musikrichtung beschreiben?
Viele finden meine Musik sehr düster. Dieser Meinung bin ich ganz und gar nicht. Es kommt sehr auf die Perspektive und Gefühlslage des Hörers an. Mein Ziel war es, etwas Nostalgisches mit etwas Neuem zu verbinden. Wenn meine Fans meine Songs hören, sollen sie sich sexy und sinnlich fühlen. Mich inspiriert der Vintage-Sound von Künstlerinnen wie Banks oder Lana Del Rey. 

Bist Du denn neben all der Musik weiterhin an Mode interessiert?
Machst Du Witze? Natürlich, schau mich an! Ausserdem gibt es in der Musikbranche keinen einzigen Künstler, der sich aus Kleidung nichts macht. Ähnlich wie Lady Gaga, Madonna oder Cher würde ich gern Mode und Musik miteinander verknüpfen.

Kristina Bazan
© Pinko Zürich

Trotz Karrierewechsel interessiert sich die gebürtige Weissrussin noch immer für Mode.

Wen würdest Du als dein Vorbild bezeichnen?
Ich habe unzählige Idole, aber im Modebereich bewunderte ich vor allem Alexander McQueen. Ausserhalb der Fashionbranche bin ich ein riesiger Fan von David Lynch und seiner grossartigen Arbeit als Regisseur. Mit ihm würde ich gerne mal einen Kaffee trinken gehen. Man muss mich beim Thema Lynch immer bremsen, ich könnte stundenlang über ihn reden.

Über die Jahre hat sich Dein Look ziemlich verändert. Hat das einen bestimmten Grund?
Mir ist bewusst, dass ich mich optisch sehr verändert habe. Allerdings ist das für mich eine ganz normale Entwicklung. Niemand sieht mit 24 noch so aus wie mit 16. Als ich meinen Blog startete, war ich ein süsses blondes Mädchen, das zum Teil sicher noch in mir steckt. Aber irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich mich so zeigen wollte, wie ich wirklich bin. Ich bin immer noch ein glücklicher Mensch, aber auch ich lache nicht rund um die Uhr. Das macht niemand.

Für die Aufnahme deines Albums bist Du nach Paris gezogen. Vermisst Du die Schweiz? 
Ich weiss, Du würdest es lieben, wenn ich jetzt «ja» sagen würde! Leider muss ich zugeben, dass mir mein Heimatort immer viel zu langweilig war. In einer grösseren Stadt wie Zürich wäre das vielleicht anders gewesen. Ich verspüre immer diesen Drang, irgendetwas unternehmen zu wollen. In Paris fühle ich mich derzeit so wohl, dass ich wohl noch eine ganze Weile dort bleiben werde.

Verrätst Du uns deine Lieblingsorte in Paris?
Der Jardin du Luxembourg ist zu jeder Jahreszeit ein magischer Ort. Dort vertreibe ich mir meine Zeit mit lesen oder joggen. Dort habe ich sogar einige meiner Songs geschrieben! Zudem gibt es in Paris die wohl schönsten Restaurants der Welt. Ins Derrière gehe ich am liebsten. Dort gibt es eine wunderschöne Terrasse, auf der man sogar Ping-Pong spielen kann. Im ersten Stock ist eine versteckte Bar, die man nur durch einen Kleiderschrank erreicht – wie im Film «Narnia». Ausserdem liebe ich den Shop der Beautybrand Buly 1803, der mit seinem Vintage-Flair bezaubert.

Apropos Beauty: Du siehst immer makellos aus. Wir lange brauchst Du am Morgen?
Wenn keine Fotos von mir gemacht werden, geniesse ich es, kein Make-up zu tragen. Trotzdem bin ich ein Mädchen, das sich sehr gerne schminkt. Die Pariserinnen sind im Vergleich zu mir viel natürlicher, aber was soll ich sagen, ich liebe es! Mein morgendliches Make-up ist so routiniert, dass ich für Concealer, Mascara und Bronzer nicht mehr als fünf Minuten brauche. Für einen aufwendigeren Abend-Look mit Smokey Eyes brauche ich dagegen etwa 20 Minuten.

Hast Du ein Lieblingskleidungsstück, auf das Du nicht mehr verzichten könntest?
Das ist eine schwierige Frage, aber ich hatte schon immer eine Schwäche für klassische schwarze Blazer. Vor Jahren habe ich in ein Modell von Yves Saint Laurent investiert, das ich immer noch genauso gern trage, wie am ersten Tag.

Wie hältst Du dich fit?
Ich kann jedem die «Pariser Diät» ans Herz legen (lacht)! Seitdem ich dort lebe, esse ich jeden Tag Baguette und Käse, trinke dazu einen guten Rotwein und rauche Zigaretten. Ich weiss nicht genau warum, aber scheinbar hält mich das tatsächlich schlank. Seitdem ich aus L.A. weggezogen bin, treibe ich nicht mehr regelmässig Sport. Ab und zu gehe ich zum Yoga oder mache Pilates. Dafür gehe ich jeden Tag sehr viel zu Fuss und nehme nie die Rolltreppe oder den Lift – das ist mein Geheimtipp!

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