Karriere-Interview Daniel Bruno Grandl, «theurbanspotter.com»

Der Münchner Daniel Bruno Grandl studierte Management in Schottland. Vor zwei Jahren schiesst er ein Bild von einer Frau, die irgendwie cool aussah. Heute ist er unter dem Namen The Urban Spotter hauptberuflich als Street-Style-Fotograf und Blogger tätig und in London zu Hause. Dort haben wir ihn während der Fashion Week getroffen und mehr über einen Beruf erfahren, den es vor einigen Jahren gar nicht gab. 
Daniel Bruno Grandl Theurbanspotter.com
© Daniel Bruno Grandl / theurbanspotter.com

Daniel Bruno Grandl, theurbanspotter.com

SI Style: Se haben während der Fashion Week schon einige Interviews gegeben. Welche Frage können Sie nicht mehr hören?
Daniel Bruno Grandl: Ich mag die Frage nicht mehr hören, welches Kameraequipment ich benutze.

Wie sah Ihr Tag heute aus?
Ich bin um 7:00 Uhr aufgestanden, habe schnell gefrühstückt, ein paar Posts für den Tag vorbereitet und dann gings schon los an die erste Show. Die war heute um 9:00 Uhr, da musste ich eine halbe Stunde früher vor Ort sein. Ich unterteile die Shows in Entrance und Exit. Exit ist immer besser. Da herrscht Chaos. Ich kann fotografieren, ohne dass es die Leute bemerken. Dabei entstehen die besten Bilder. Zusätzlich kommen auch alle Models raus. Es ist sehr stressig. Ich muss viel rennen, um die richtigen Momente zu erwischen. 

Der Begriff Fashionmarathon ist bei Ihnen also wörtlich zu nehmen?
Ja, sozusagen. So circa sechs Wochen vor der Saison beginne ich regelmässig zu joggen, damit ich körperlich fit bin für die Shows. Weil ich kein Zoomobjektiv benutze, muss ich das Zoomen mit Beinarbeit wett machen.

Sie haben Management studiert, Street-Style-Fotograf zu werden war wahrscheinlich nicht Ihr Plan.
Nein, das war nicht geplant. Ich bin da reingerutscht. Nach ein paar Shows wurde ich süchtig. Ich sehe es als Spiel, indem ich Punkte sammeln muss. Irgendwie sammelt man Follower und auf einmal will man an mehr Fashion Shows gehen und mehr gute Bilder hinbekommen. Mittlerweile mache ich nicht nur New York, London, Mailand und Paris, sondern auch die Skandinavischen Fashion Weeks, Haute Couture in Paris und alle Männer Fashion Weeks in Europa. 

Stichwort Follower. Beziehen Sie Sich auf Instagram?
Ja. Seit einem Jahr liegt die Aufmerksamkeit in der Szene hauptsächlich auf Instagram.

Wie treiben Sie Ihre Followerzahl in die Höhe?
Ich weiss, dass meine Posts qualitativ gut sind. Je mehr ich poste, umso schneller steigt die Followerzahl an. Insbesondere während den Fashion Weeks, weil da jeder neugierig ist, was für Bilder aus London oder New York reinkommen. Ich lade schon am selben Tag die Bilder hoch. 

Was machen Sie in der Zeit zwischen den Saisons? 
Ich arbeite an unterschiedlichen Projekten. Ich fotografiere Blogger und in Zukunft will ich mehr Editorials schiessen.

Können Sie sich an Ihr erste Street-Style-Bild erinnern?
Das war vor zwei Jahren in London, vor dem Christian Louboutin Geschäft in Knightsbridge. Da stand eine Asiatin und die sah irgendwie cool aus. Ich habe sie gefragt, ob ich ein Bild von ihr machen kann. 

Was war die merkwürdigste Antwort auf die Frage «Kann ich ein Bild von Ihnen machen»?
«Would you pay me?»

Hat Sie Mode schon immer interessiert?
Ja, aber nicht so sehr wie heute. Ich habe schon immer schöne Dinge gemocht, auch Kleider. Durch meine Mutter, die eine Vintage Boutique in München führt, war Mode in meinem Leben schon früh allgegenwärtig.

Geben Sie Ihrer Freundin Styling-Tipps?
Ja, indirekt schon. Sie fragt mich manchmal, ob mir ihr Outfit gefällt. Natürlich habe ich eine Meinung dazu und sage ihr auch wenns mir nicht gefällt. Mein Interesse und Wissen an Marken steigt stetig. Ich konnte ihr auch schon neue, unbekannte Labels zeigen.

Hat sich Ihr persönlicher Stil verändert, seit Sie Mode fotografieren
Früher wäre mein heutiger Kleidergeschmack wohl nicht so mein Fall gewesen. Sagen wirs so: Ich wurde mutiger. 

 
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