Grober Fauxpas von Olivier Rousteing Wieso die Mode an Balmains Couture-Comeback nur zweitrangig war

Nach 16 Jahren Haute-Couture-Pause brachte Olivier Rousteing Balmain zurück an die Luxus-Schauen in Paris. Im Internet wird heiss diskutiert. Doch seine Entwürfe spielen dabei nur die zweite Geige.

Seit 2011 treibt Olivier Rousteing die Zahlen bei Balmain in schwarze Höhen. Er rekrutierte eine ganze Armee an follower-starken Anhängerinnen, kooperierte mit H&M und Victoria’s Secret. Seine Ziele für 2019: Das Modehaus um Accessoires, Düfte und Kosmetik bereichern und – nach über 16 Jahren – wieder zurück in die Welt der Haute Couture führen. Letzteres kann der 33-jährige Designer bereits von seiner To-Do-Liste streichen. Am 23. Januar schickte er 36 Looks über den Laufsteg in der Pariser Rue Saint-Honoré. 

Kanpp daneben ist auch vorbei

Perlen, am liebsten überdimensioniert, muschelig anmutende Rüschen, Netze und korallenartige Strukturen – die übergeordnete Vison der aquarellfarbenen Kollektion war schnell durchschaut. Und angesichts eines anderen Aspekts der Show kaum der Rede wert. Rousteing, der versteht sein Handwerk. Couture kann er, vielleicht nur noch nicht jetzt. Ein okayes Debüt, ganz hübsch, aber noch viel Luft nach oben. So war man sich im WWW schnell einig. Und stürzte sich sofort auf den politisch inkorrekten Skandal, der wie ein blinkender Elefant zwischen den Unterwasser-Models im Raum schwamm: angemalte Haut.

Lieber Olivier, warum?

Nun schreiben wir das Jahr 2019. Alles, ja wirklich alles, was wir tun, wird von jedem, der Wörter in die Tastatur hacken kann, auf die Goldwaage gelegt. Das Bewusstsein für die Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zwischen verschiedenen Kulturen und Geschlechtern war noch nie so ausgeprägt, die Linie zwischen falsch und richtig noch nie so fein. Wer einen Werbespot zum Thema neue Männlichkeit veröffentlicht, muss einen digitalen Shitstorm auf sich niederprasseln lassen, wer befederten Kopfschmuck trägt, kriegt aufs Dach. Die Oscars (und eigentlich alle anderen Preisverleihungen) gelten als zu weiss, Fernsehmoderatoren werden gefeuert, wenn sie live auf Sendung bekunden, es wäre doch ok, wenn sich Weisse zum Feiertagsspass das Gesicht schwarz bepinseln. Von «Whitewashing» und «Blackfacing» spricht der empörte Volksmund da, beides absolute No-Gos. Das weiss jeder, der in den letzten drei Jahren mal eine Zeitung geöffnet oder eine Newssite angeklickt hat. 

Und trotzdem schickt einer, der in der Popkultur ganz vorne mitspielt, im Januar 2019 angemalte Models über seinen so wichtigen Laufsteg. Ein kalkulierter Fall von «Jede Publicity ist gute Publicity»? Oder doch nur unglaublich naive künstlerische Freiheit? Val Garland, die verantwortliche Make-up-Artistin von Balmain, verhashtagged auf ihrem Insta-Account alle Bilder der Show ganz fleissig mit #Statuesque. Mhm, ok. Man darf ja nicht übersehen, auch die weissen Protagonistinnen sind eingefärbt, bis ins Haar. Wie Statuen eben. Und Cindy Bruna und Ysaunny Brito? Tja, die (und andere) wurden nun dummerweise geblackfaced. Der gemeine Zuschauer fragt sich: Warum? Warum nicht Models engagieren, die tatsächlich den gewünschten Hautton haben? Ein Schelm, wer jetzt «Gleichberechtigung» ruft. 

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