#metoo in der Modebranche Junge Frauen zeigen Topshop-Besitzer ihre Macht

Harvey Weinsteins Vergehen zündeten den Startschuss für #metoo. Jetzt lodert das Feuer wegen Topshop-Chef Sir Philipp Green wieder auf. Ihm wird Rassismus, sexuelle Belästigung und Mobbing vorgeworfen.  
Philip Green Topshop-Boykott wegen schweren Vorwürfen
© Getty Images

Sir Philip Green hat gerade seine eigene #metoo-Bewegung in England losgetreten. Mehrere Frauen haben schwere Vorwürfe gegen den Topshop-Chef erhoben. Green bestreitet alle Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Topshop kleidete ganze Generationen von Mädchen und Frauen ein. Und die ziehen jetzt gerade eine scharfe Linie und rufen zum Boykott des britischen Kleidergiganten auf. Wieso? Sir Philip Green, der Topmanager der Modekette, soll laut Recherchen des britischen Telegraphs kein besonders angenehmer Chef sein. Die Vorwürfe diverser Frauen reichen von Rassismus, über sexuelle Belästigung bis zu Mobbing. Was das Fass zum Überlaufen bringt: Er soll rund 650’000 Franken dafür ausgegeben haben, dem Telegraph zu verbieten, im Rahmen der harten (und noch nicht bewiesenen) Vorwürfe seinen Namen zu nennen. Mit Erfolg. Jetzt ist auch noch die freie Presse wütend. Denn der Abgeordnete Lord Peter Hain entschied an einer Parlamentsversammlung, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, zu wissen, wer der Mann sei, der inzwischen als «Weinstein» von England betitelt wird. Er lüftete an einer Parlamentssitzung das Geheimnis – und outete Sir Philip Green als den «führenden Geschäftsmann», über den der Telegraph nicht schreiben durfte.  

Protest-Hashtag fordert Boykott von Topshop

Jetzt ist Feuer im Dach. Junge Frauen, Feministinnen und andere Kritiker rufen unter #pinknotgreen zum Boykott der Topshop-Läden auf. Wieso pink? Nun, auch das ist etwas kompliziert. Topshop hat unter Philip Greens Leitung schon vor einigen Wochen viele Leute wütend gemacht. Scarlett Curtis, die Autorin von «Feminists Don’t Wear Pink and Other Lies» etablierte den Protest-Hashtag, als Topshop last minute eine Buchpräsentation im Store cancelte. Sie tweetete: 

Nach den aktuellen Entwicklungen im Nachgang des Telegraph-Artikels belebte sie den Hashtag mit folgendem Tweet wieder:  

Zahlreiche Kundinnen schliessen sich (zumindest als Lippenbekenntnis, Zahlen gibt es ja noch keine) dem Boykott an. Die Zeit wird zeigen, welches Gefühl langfristig stärker ist: Kleidung für einigermassen günstig (soooo wenig kosten die Topshop-Klamotten ja auch nicht) zu kaufen, oder Teil einer Bewegung gegen mutmassliche #metoo-Sünder zu sein. Was schon jetzt feststeht: Das neueste #metoo-Kapitel setzt da an, wo die «Basis» sitzt. Immerhin hat sich Topshop schon vor vielen Jahren als Kleiderschrank der Highstreet-Kundinnen etabliert. Umso spannender wird es sein zu sehen, ob genau diese Topshop-Girls, denen der Store seinen Erfolg verdankt, nun auch zu seinem Untergang werden.  

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