«Mein Stil» mit Valerija Sestic Erste Klasse

Die Fashion-Szene fliegt auf das Berner Meitschi. Für das Model läuft es himmlisch. 
Valerija Sestic
© Zoe Tempest

Valerija trägt Tupfenbluse und Latzhose von Topshop, Tasche von Chanel. «Diese Tasche war das Teuerste, was ich mir bisher geleistet habe. Ich habe sie mir dieses Jahr standesgemäss in Paris gekauft.»

Statt wie die meisten Schweizer Nachwuchstalente die Karriere schön langsam in der Heimat zu starten, sprang Valerija Sestic ins kalte Wasser. Nachdem die 1,78 Meter grosse Bernerin am Strand von Kroatien entdeckt worden war, ging sie mit fünfzehn nach New York und wurde von Women Management unter Vertrag genommen, jener renommierten Agentur, die auch Bran­chenstars wie Isabeli Fontana, Jourdan Dunn oder Natasha Poly ­vertritt. Der Mut des Teenagers wurde belohnt. Heute hat die Siebzehnjährige bereits für die ganz Grossen gearbeitet: Marc Jacobs, Oscar de la Renta, Hervé Léger, Armani, Dolce & Gabbana, Versace, Mary Katrantzou, Louis Vuitton. Die Designer schätzen neben ihren perfekten Massen (81–58–89 cm) die reife und selbstständige Art des jungen Models. Die fällt auch beim Interviewtermin im «Lorenzini», Valerijas Berner Lieblings­lokal, auf. Die Fragen beantwortet sie überlegt und souverän; vom Vorhaben, den Cappuccino selbst zu bezahlen, bringt man sie nur mit Nachdruck ab. Sie sind eingeladen, Frau Sestic!

SI Style: Sie waren gerade fünf Wochen in New York. Haben Sie nie Heimweh?
Valerija Sestic: Eigentlich nicht. Ich habe ein sehr enges Verhältnis mit meiner Agentur dort und unternehme viel mit ­meinen Bookern. Sie sind wie meine zweite Familie. Wenn ich doch mal Heimweh habe, spreche ich via Face Time mit meinen Liebsten zu Hause. Dann geht es wieder.

Ihre Karriere begann mit einem Skandal. Sie haben sich älter geschummelt. Was haben Sie sich dabei gedacht?
Mir selbst war nicht bewusst, dass man sechzehn sein muss, um an der New Yorker Fashion-Week laufen zu dürfen. Meine Agentur verkaufte mich den Kunden als alt genug – es fehlten ja ohnehin nur wenige Wochen – und übernahm die volle Verantwortung. Mich hat nie jemand nach meinem Alter gefragt. Ich wirkte halt nicht wie ein fünf­­zehnjähriger Teenager. Geschadet hat dieser Skandal meiner Kar­riere nicht, im Gegenteil.

Ist man mit fünfzehn nicht zu jung fürs Business? 
Das kommt auf die Person an, manche sind mit zwanzig noch nicht so weit. Ich konnte es im Grossen und Ganzen gut meistern, auch wegen der Unterstützung meiner Mutter, die mich vorwiegend zu Beginn meiner Karriere begleitet hat.

Valerija Sestic

Reisetasche von Maison Mollerus, Computerhülle für das MacBook Air von Apple Kate Spade, Setkarten, Kamera Instax Mini 7S Fujifilm.

Sind Sie durch Ihren Job schneller erwachsen geworden?
Auf jeden Fall! Aber auch meine Eltern haben mich früh gelehrt, Dinge selbstständig zu erledigen.

Ihr aufregendster Auftrag bis anhin? 
Meine erste Werbekampagne für D & G. Am Set in Portofino feierte ich meinen sechzehnten Geburtstag. Domenico Dolce und Stefano Gabbana waren mit vor Ort und blödelten mit uns rum. Ein besseres Geschenk hätte ich mir nicht wünschen ­können. Toll war auch die Louis-Vuitton-Schau, für die ich ­letzte Saison in Paris exklusiv gebucht wurde. Die Atmosphäre backstage mit prominenten Topmodels wie Kate Moss war ­einzigartig.

Und wie ist es, sich neben Kate Moss umzuziehen? 
Sie hatte als Einzige eine Privatgarderobe. Mit allen andern konnte man aber problemlos plaudern. 

Als Model schlüpfen Sie in die unterschiedlichsten Rollen. Wie ist Valerija privat?
Unkompliziert. Ich lache sehr viel, schlechte Laune hab ich ­selten. Ich imitiere gern Leute. Mit mir ist es immer lustig. 

Designer sagen, Sie seien gut erzogen. Welche Werte haben Ihnen Ihre Eltern mit auf den Weg gegeben?
Nie den Glauben an sich selbst verlieren, immer hart an sich arbeiten, sich für nichts und niemanden ändern. Viele denken, das Modebusiness sei abgehoben, aber meine Erfahrung zeigt, dass man überall am besten fährt, wenn man einfach ein guter Mensch ist. Die Ära der zickigen Supermodels ist vorbei.

Sie drücken noch die Schulbank. Das heisst, nach einer Marc-Jacobs-Show müssen Sie Hausaufgaben machen? 
Ja, das gehört dazu. Es ist ein perfekter Ausgleich. Bildung hat einen grossen Wert für mich. Modeln kann man nicht ewig. Ich möchte auf jeden Fall studieren. Was, weiss ich noch nicht. 

Sie sind oft im Flugzeug. Ihr Tipp für lange Reisen?
Ich habe stets einen Kaschmirpulli, warme Socken, ein gutes Buch und Musik dabei. Ich reise ungeschminkt, verwende aber eine Feuchtigkeitscreme und Lip-Balm gegen das Austrocknen. Wenn der Trip vom Kunden bezahlt wird, kann ich meistens Businessclass fliegen. Das ist gäbig!

Ihre Konkurrenz ist riesig. Was macht Sie einzigartig?
Ich höre oft, dass man mich auch wegen meiner Persönlichkeit bucht. Mein Auftreten und mein ausdrucksvoller Gang kommen gut an. Selbstsicherheit auszustrahlen, ist extrem wichtig.

Was mögen Sie an sich?
Ich bin stolz auf meinen Körper – und arbeite auch dafür. 

Wie bleiben Sie in Form?
Bei meiner Familie liegt es zum Glück in den Genen, gross und schlank zu sein. Aber klar, ich mache Übungen, um meinen Körper zu definieren.

Was gefällt Ihnen weniger? 
Manchmal nervt mich mein Profil. Ich habe diese Stupsnase. So wups! (Macht mit dem Finger einen Schwung nach oben.) 

Valerija Sestic
© Zoe Tempest

Beanie von Topshop, Pulli von Saint James, Minijupe von Marc by Marc Jacobs, Tasche von Longchamp by Jeremy Scott, Overkneestrümpfe von H&M, Booties von Topshop.

Sie sind sehr stylisch gekleidet. Kam Ihr Interesse für Mode mit dem Job?
Ich war schon vorher modeinteressiert. Durch das Modeln hat sich mein Stil entwickelt. Was ich auf dem Laufsteg präsentiere, hängt erst in einem Jahr in den Läden. Da weiss man, was Trend wird. Ich mag es bequem, mixe Günstiges mit Teurem. 

Bekommen Sie haufenweise Designerkleider geschenkt?
An den Fashion-Weeks wird man oft mit Kleidern bezahlt. Ich versuche jeweils, mit leerem Koffer anzureisen. Man kann sich zum Beispiel bei Phillip Lim zehn Teile aussuchen. Die Designer haben ein grosses Interesse daran, dass man ihre Sachen trägt. 

Sie sind aktuell das Gesicht der Schweizer Lederwarenmarke Maison Mollerus. Wie viele Taschen besitzen Sie?
So acht, neun. Ich liebe exklusive Taschen! In New York kaufe ich mir demnächst eine kleine PS11 von Proenza Schouler. Ich investiere gern in Zeitloses. So reuen mich Investitionen nie.

Was bedeutet Ihnen Erfolg?
Er ist das Resultat von Mühe und Arbeit. Erfolg steht nur im Wörterbuch vor Mühe. Harte Arbeit zahlt sich aus.

Interview: Laura Catrina
Fotos: Zoe Tempest
Realisation: Richard Widmer
Hair & Make-up: Rachel Bredy / Style Council

Die ganze Story gibts in der aktuellen Oktober-Ausgabe der SI Style!

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