«Mein Stil» mit Elias Ambühl Grosser Sprung

Der junge Bündner hebt als einer der Besten Freeskier Ab. Privat ist er bodenständig geblieben.
Elias Ambühl
© Zoe Tempest

Elias Ambühl

Coole Tricks und gute Laune: Mit fünf kurzen Wörtern ist schon viel gesagt über Elias Ambühl. Aber es lohnt sich, den Bündner genauer anzuschauen – und selbst zu Wort kommen zu lassen. Als er drei Jahre alt war, begann er mit Skifahren. Mit zwölf brachte ihm einer seiner Brüder Freeski näher, den Extremsport, bei dem sich Waghalsige in Funparks darin messen, wer den spektakulärsten Trick draufhat. Kurze Twintip-Ski erlauben Dre­hungen, Rückwärtsfahren, kühne Sprünge. Der Zwanzigjährige gehört zur Weltspitze, gewann vergangenen Januar ­Bronze an den X Games im amerikanischen Aspen. Der Wettkampf ist der Event im Kalender der Profis. Aus der Ruhe bringen lässt sich der 182-Zentimeter-Mann trotz Gefallen am Adrenalinrausch nicht so schnell. Auch nicht durch seine Vorbildfunktion, die ihn rasch erwachsen werden liess, wie er sagt. Um Kindern und Jugendli­chen weitergeben zu können, was er gelernt und was sein Leben bereichert hat, gründete er 2012 in Arosa ein Freeski-Camp, das er selbst leitet, wenn er nicht mit Contests, Materialtests oder Video-Aufnahmen beschäftigt ist

SI Style: Wann wussten Sie, dass Sie mit Freeski Ihr Leben bestreiten wollen?
Elias Ambühl: Mit vierzehn. Ich war gerade das erste Mal zu ­einem Wettbewerb in die Vereinigten Staaten gereist. Obwohl ausserhalb der Szene noch nicht viele Leute die Sportart kannten, traf ich dort auf Athleten, die vom Freeski leben konnten. Da wusste ich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen will.

Traf dieser Entscheid Ihre Familie überraschend?
Nein. Ich komme aus einer Skifahrer-Familie. Mein Vater ist Weltcup gefahren. Mein Bruder Andri war derjenige, der mich zum Freeski geführt hat. Er gehörte bereits zur Weltspitze, als ich angefangen habe, und übt den Sport bis heute aus. Auf die Unterstützung meiner Familie konnte ich also zählen.

Auch finanziell?
Ich durfte weiterhin daheim wohnen, aber das Geld für den Sport musste ich selbst verdienen. Mit sechzehn habe ich ­deswegen auf dem Bau gearbeitet. In den Sommermonaten war ich als Maurer tätig. So konnte ich genug Geld für den Winter sparen und mich aufs Skifahren konzentrieren. Dann habe ich immer mehr Contests gewonnen, sodass das Preisgeld bald zum Leben reichte.

Wie viel verdienen Sie?
Das ist schwierig zu sagen, weil es bei uns, den Weltbesten, eine Spanne von bis zu 100 000 Franken geben kann. Wenn eine Saison nicht so gut läuft, verdient man ihm Jahr vielleicht 10 000 Franken. In einem guten Jahr kann es aber auch das Zehnfache oder mehr sein.

Seit Jahren sind Sie viel unterwegs und wohnen in Hotels. Wie gefällt Ihnen das Leben aus dem Koffer?
Ganz gut. Ich bin etwa drei Wochen im Monat auf Tour, und dieses Leben ist somit zu meinem Alltag geworden. Mittlerweile weiss ich so genau, was ich auf Reisen benötige, dass ich meinen Koffer in wenigen Minuten gepackt habe.

Wie laufen Wettkämpfe typischerweise ab?
Um 7 Uhr stehe ich auf und bin an den Tagen vor dem Contest etwa von 9 bis 14 Uhr auf der Piste am Trainieren. Danach gehe ich ins Hotel, absolviere im Zimmer oder im Gym noch ein Work-out, bestelle mir dann eine Pizza und schaue einen Film. Ich mag schlaue Actionfilme wie «Bourne Identity». Meistens gehe ich schon um 21 Uhr schlafen.

Elias Ambühl
© Zoe Tempest

Bronzemedaille von den X Games Big Air in Aspen 2013

Keine Partys?
Im Winter selten. Ich geniesse die Ruhe nach einem anstrengenden Tag, da ich meist fix und fertig bin. Das Feiern spare ich mir für den Sommer auf.

Was machen Sie im Sommer?
Ich bin zu Hause in Graubünden. Mit meinem Trainer gehe ich raus in die Natur, das finde ich super. Wir packen ein paar Gewichte ein und gehen in Thusis oder Lenzerheide in den Wald, wo wir alles Weitere finden, was wir für ein Krafttraining brauchen.

Was machen Sie als Ausgleich zu Ihrem Job?
Ich finde, der beste Ausgleich zum Sport ist Sport. Ich spiele Tennis, Fussball, Beachvolleyball und golfe, surfe oder klettere. Die Liste ist lang. Ich bin gern und andauernd in Bewegung. Aber diese Sachen mache ich einfach, wenn ich Lust darauf habe, da gibt es kein vorgegebenes Programm. Und ich treffe mich dazu mit meinen Freunden.

Sie sind seit zwei Jahren mit Ihrer Freundin Sarah zusammen. Was hält sie von Ihrem «bewegten» Leben?
Wir kennen uns schon sehr lange, sie kennt mich nur so. ­Ausserdem ist auch sie sehr sportlich.

Wenn Sie zu Hause sind, können Sie gut vom Trubel des Freeski-Zirkus abschalten?
Nicht voll und ganz, denn auch hier muss ich ja trainieren. Dazu kommt das Drehen von Videos für meine Website. Das mache ich aber alles gern. Schliesslich finde ich es ziemlich cool, wenn ich sehe, dass sich immer mehr Leute für das interessieren, was auch meine Leidenschaft ist. Ich gehe daheim ab und zu mit meinen Freunden in den Ausgang. Zudem reisen wir im Sommer gemeinsam.

Wohin?
Meist machen wir Roadtrips nach Italien oder Spanien. Wir ­waren schon in Kalifornien und Mexiko. An den Wettkampf­orten sehe ich meist nur das Hotelzimmer und die Piste. Aber diese Plätze, wie etwa Colorado, sind für mich abseits der Piste meist ohnehin nicht spannend.

Empfinden Sie Ihre Sprünge selbst noch als waghalsig, oder sind Salti und Co. für Sie praktisch normal?
Für mich sind Skiabfahrer, Skateboarder oder Motorradfahrer, die einen krassen Sprung wagen, viel eindrücklicher. Aber schlussendlich wissen wir alle genau, was wir tun, und ­deswegen erscheint es uns nicht mehr sehr wagemutig. Es ist in allen Disziplinen dasselbe.

Aber Sie setzen sich bewusst einer besonderen Risiko­situation aus …
Das stimmt schon. Ich muss zugeben, dass wir Profis dieses ­Risiko auch irgendwie brauchen. Viele von uns Freeskiern ­machen zum Beispiel noch Basejumping.

Sie ebenfalls?
Noch nicht, aber ich habe es vor.

Sie fahren gern schnelle Autos.
Ja, aber bei uns auf den Strassen darf man natürlich nicht zu viel Gas geben. Deswegen gehe ich mit meinen Flitzern auf eine Rennstrecke. Gerade fahre ich einen Audi R8, etwa alle sechs Monate wechsle ich das Modell. Ein Motorrad habe ich auch, damit zu fahren, kitzelt die Nerven noch mehr.

Was fasziniert Sie daran?
Die hohe Konzentration, die beim Fahren auf zwei Rädern
nötig ist, um keinen Unfall zu bauen.

Sorgen sich Ihre Lieben wegen Ihrer draufgängerischen Art?
Meine Familie denkt, ich spinne. Aber das nehme ich als Kompliment. Meine Eltern wissen, dass ich keine Angst habe bei dem, was ich tue. Das ist ausschlaggebend.

Sind Sie ein Showman?
Mein Vater sagt immer, mein Sport bestehe zu siebzig Prozent aus sportlicher Leistung, zu dreissig Prozent seien wir Künstler. Dieser Meinung bin ich ebenfalls. Ich mag den Aspekt des Trainierens und der Leistung. Ich mag es aber genauso, dass wir Leute mit unseren Sprüngen begeistern und unterhalten können.

Elias Ambühl
© Zoe Tempest

Fesch für den Ausgang: Am Eingang seiner Lieblingslocation Cinema Music Club im Hotel Kurhaus in Lenzerheide. Blazer und Hemd Paul Kehl, Hose H&M.

Was spielt das Publikum für eine Rolle?
Eine sehr wichtige. Ich mag es gern, wenn ich etwa beim Anlass Freestyle.ch in Zürich das Publikum quasi hautnah erlebe. Ich werde durchaus nervös, sehe ich unten 30 000 Leute stehen. Sie puschen mich.

Wie wichtig ist das richtige Styling, ist die Kleidung im Freeski?
Mir persönlich ist der Kleidungsstil nicht wichtig. Meine ­Klamotten müssen bequem sein, passen, und ich muss mich darin bewegen können.

Sie sind zwar erst zwanzig Jahre alt. Denken Sie schon ­darüber nach, wie lange Sie Ihren Beruf werden ausüben können?
Er hat eine ziemlich kurze Halbwertszeit, ähnlich der von Models. Ja, öfter. Ich glaube, oder hoffe, dass ich ihn sicher weitere sieben, acht Jahre ausüben werde. Jetzt komme ich tatsächlich ins ­Alter, in dem ich darüber nachdenke, was ich mit meinem verdienten Geld mache, dass ich es doch schlau anlegen sollte. Schliesslich will ich meine Karriere nicht mit fünfzig Franken auf dem Konto beenden.

Was werden Sie einmal tun, wenn Sie Ihre grossen Sprünge nicht mehr darbieten können?
Vielleicht führe ich wie meine Eltern ein Restaurant, vielleicht fördere ich den Nachwuchs oder gründe ein eigenes Sport-mode­label. Ich habe viele Ideen.

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