«Privé» mit Marco Fritsche Beim Kuppler in Appenzell

Marco Fritsche, der sympathische Moderator, wird dereinst vielleicht Lamas züchten. Das Bauernhandwerk lernte er von klein auf. Sein uraltes Haus ist eine ordentliche Männerwirtschaft. 
Marco Fritsche
© Peter Hauser

Moderator Marco Fritsche im Freizeitlook: Sweater von Julian Zigerli, Chinos von Ben Sherman, Uhr von Omega, Siegelring von Les Millionaires.

Die Schindeln des Hauses sind pastellgrün gestrichen, die Fensterläden leuchten blau, und die Tür ist pink. Wir befinden uns im Dorfkern von Appenzell, und dies ist das Zuhause von Moderator Marco Fritsche. Hier lebt er mit seinem Mann Martin Arnold, einem Architekten. Das Haus stammt aus dem Jahr 1689, und der bunte Farbanstrich war nicht etwa eine Laune des verliebten Paares, sondern ist möglichst dem Originalzustand nachempfunden. Alles ist schön aufgeräumt und geputzt. Marco Fritsche gesteht eine gewisse Pedanterie: Der WC-Deckel muss immer unten sein, die Glasscheiben nach dem Duschen trocken gerieben werden. Selbst im Restaurant wischt er die Wasserflecken im Lavabo weg. Der 38-jährige Vollblut-Appenzeller ist demnächst wieder auf 3+ zu sehen, wo er durch die Jubiläumssendung von «Bauer, ledig, sucht» führt.

SI Style: Die 10. Staffel von «Bauer, ledig, sucht» wird gerade gedreht. Langweilt Sie die Sendung noch nicht?
Marco Fritsche: Nein, der Ablauf ist zwar stets derselbe, die Konstellationen aber sind anders. Immer, wenn man denkt, man hätte den kauzigsten Bauern schon gehabt, kommt noch einer, der ihn toppt. Ausserdem ist es schön, zu sehen, was aus früheren Paaren geworden ist. Ich bin kürzlich einer Bäuerin begegnet, bei der gerade ein Baby unterwegs ist.

Man bekommt manchmal den Eindruck, die Bauern werden vorgeführt.
Es ist ein Tanz auf dem Vulkan, darüber diskutieren wir auch heftig. Klar, wir wollen unterhalten, aber ich setze mich sehr dafür ein, dass die Kandidaten nicht für dumm verkauft werden, nicht zuletzt aus Selbstschutz, denn ich halte mein Gesicht ebenfalls hin. Ausserdem: Soll man nur schöne, schlanke, erfolgreiche Leute im Fernsehen zeigen? Diese Sendung hat ihre Berechtigung.

Können Sie melken? 
Selbstverständlich, ich kenne alle Handgriffe aus dem Effeff. Meine Mutter hat zwölf Geschwister, und ich bin quasi auf dem Hof ihres jüngsten Bruders aufgewachsen. Ich half beim Heuen, Misten, Düngen, Kälbertränken, Kaninchenfüttern … Und ich habe zugeschaut, wie sie die Grossmutter dann schlachtete.

Marco Fritsche als Bauer?
Im verfrühten Rentnerdasein werde ich vielleicht als Hobby Lamas oder Esel züchten. Wir haben ja noch einen Hof auf dem Hügel, den wir verpachten. Ich weiss aber aus Erfahrung, wie viel Arbeit dieser Beruf wirklich bedeutet.

Sie haben an Silvester geheiratet. Wie kamen Sie auf dieses spezielle Datum?
An Silvester stellt sich jedes Jahr die Frage, wo feiern: bei meinen Freunden oder bei seinen in Innsbruck? Diesmal brachten wir so alle zusammen. Nachdem Martin die Ziegelhütte in Appenzell gesehen hatte, war der Ort klar. Die standesamtliche Eintragung machten wir einen Tag zuvor, am 30. Dezember, danach gab es ein Raclette-Essen.

Das klingt richtig urchig. 
Sie hätten unser Hochzeitsmenü sehen sollen: Siedwürste aus Appenzell mit Käsemakkaronen. Seit ich Kind war, wusste ich, dass es an meiner Hochzeit zum Dessert eine Vacherin-Torte geben sollte. Wir hatten eine mit Mandarinenglace und zwei Schwänen obendrauf. 

Was hatten Sie an?
Natürlich beide einen massgeschneiderten Smoking, von Sayn. Er mit Krawatte, ich mit Fliege.

Was bedeutet die Ehe für Sie?
Hoffentlich ewige Liebe. Treue – Martin ist halb Chilene. Bei einem Latino darfst du nicht denken, dass du «under em Haag dure frässe» kannst. 

Wie steht es um Ihre Spanischkenntnisse? 
Schlecht. Ich habe schon lange die Adresse einer Spanischlehrerin griffbereit, aber bisher das Projekt nicht in Angriff genommen. 

Was würden Sie einem Touristen von der Schweiz unbedingt zeigen?
Das fragen Sie im Ernst, nachdem Sie mit dem Zug hierhergefahren sind?! Natürlich Appenzell, die Kirche von Schlatt, weil dort auch meine Wurzeln sind. Dann würde ich zum Seealpsee wandern, das Liner-Museum und die Bierbrauerei besuchen. Als Kontrast dazu noch ein Abstecher nach Zürich. 

Trinken Sie gern Appenzeller?
Ja. Eine angeheiratete Tante ist sogar eine der Erbinnen der Kräuterschnapsbrennerei. Mittlerweile sehr dosiert, zwei bis vier Zentiliter auf Eis reichen. Lieber trinke ich Appenzeller Bier.

Wie wichtig sind Ihnen Traditionen?
Wichtig, ich bin damit aufgewachsen. Als Männerpaar zu heiraten, gilt zwar eher als modern, aber wir führen ein ruhiges Leben, pflegen Freundschaften und Familie. Im Grunde sind wir bünzlig.

Die Adoption von Kindern ist gleichgeschlechtlichen Paaren noch immer verwehrt, ist das für Sie ein Problem? 
Ich möchte unbedingt, dass sich das bald ändert. Es ist absurd, dass die Partnerin einer Lesbe deren Kind im Falle eines Todes nicht adoptieren dürfte. Für uns direkt spielt es keine Rolle, weil Martin sowieso keine Kinder will. Vielleicht kommt das ja mit steigendem Alter noch. 

Als «Bauer, ledig, sucht» das erste Mal homosexuelle Kandidaten einlud, gab es teils empörte Zuschauerreak-tionen. Was löste das in Ihnen aus? 
Ich fühle mich schon auch selber angegriffen. Ebenso, wenn einer der Bauern einen schwulenfeindlichen Spruch bringt. Da kann ich auch mal laut werden.

Sind Sie eifersüchtig?
Sicher viel weniger als mein Mann. Das liegt wohl an meinem übersteigerten Selbstbewusstsein: Ich denke, er weiss, was er an mir hat. Wenn dich jemand betrügen will, bist du sowieso machtlos. 

Sie leben in einem Haus von 1689. Spüren Sie seine alte Geschichte?
Trotz sanierter Böden höre ich meine Nachbarin unten. Aber es gibt keine Geister – gut, wir haben vorher auch alles ausgeräuchert, das ist Brauch hier.

Sind Sie abergläubisch?
Nein, aber ich unterwerfe mich Ritualen und Zwangshandlungen (lacht). Ich hatte eine Weile eine Glücksunterhose, trage einen Glücksschreiber bei mir, und wehe, das Mikrofon ist auf der falschen Seite.

Sie sind der bunte Hund im Dorf. Wird über Sie getratscht?
Nicht mehr, als wenn ich hier ein Lädeli hätte. Ich habe eher den Eindruck, dass mir die Leute positiv gesinnt sind. Ausserdem bin ich selber immer der Letzte, der den neusten Klatsch mitbekommt.

Dafür wissen Sie bestens Bescheid über Frauen, wie Sie einst beeindruckend in einer «Glanz und Gloria»-Sendung unter Beweis stellten. Wieso?
Meine wichtigsten Bezugspersonen waren meine Mutter und meine ältere Schwester. Sie war mein grösstes Vorbild. Der Austausch mit meinem Vater war dagegen minimal. Bis zu seinem Tod vor sieben Jahren haben wir uns nur die Hand geschüttelt, Umarmungen hätte es zwischen uns nie gegeben. 

Silberlöffel, Buch Alan Bennet
© Peter Hauser

Die Silberlöffel mit Gravur waren ein Geschenk zur Hochzeit.

Ihre Arme sind fast komplett tätowiert. Kommt mehr dazu? 
Als ich die Arme machen liess, war der Rücken auch Teil des Plans. Mein Tätowierer zog dann jedoch nach London. Langsam fürchte ich mich etwas davor, denn ich glaube, mit dem Alter wird man immer wehleidiger. 

Wie eitel sind Sie auf einer Skala von 1 bis 10? 
Sagen wir 8, das ist meine Glückszahl. Mit zwanzig bin ich wohl auf 10 gewesen. Heute bin ich entspannter.

Was würden Sie nie anziehen?
Einen Männerrock. 

Wo würden Sie eher mitmachen, bei «Let’s Dance» oder im «Dschungelcamp»? 
Ich würde wahnsinnig gern das Dschungelcamp moderieren und schaue es mir gern an. Aber als Kandidat? Nein danke! Tanzen kann ich übrigens gut, das habe ich von meiner Mutter gelernt. Heute klappt es mit ihr nicht mehr, weil sie mich immer noch führen will.

Wofür geben Sie viel Geld aus? 
Für Schweizer Design, zum Beispiel 2500 Franken für eine Lederjacke von Willi Spiess. Mein Mercedes-Cabriolet war auch nicht unbedingt nötig, passt aber einfach perfekt vor das Haus. 

Das ist schon etwas angeberisch. Wie viel Draufgänger steckt in Ihnen? 
Wenig. Das Cabrio hat nichts Angeberisches, es ist eher sympathisch und herzig. Es heisst übrigens Franz. Freude habe ich an der zweistelligen Autonummer, die hat mir mein Nachbar vererbt.

Worauf sind Sie stolz? 
Schwierig zu sagen. Oft hat man doch nur Glück gehabt und wäre gescheiter demütig und dankbar dafür. Nationalstolz geht mir ab. Ich bin stolz darauf, verstanden zu haben, dass meine Entwicklung zum guten Menschen noch nicht abgeschlossen, sondern ein ewiger Marathon ist.

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