Getragene Mode richtig verkaufen 2 Profis geben Tipps für den besten Deal im Secondhandshop

Was wird aus ehemaligen Lieblingsteilen, die nicht mehr passen, oder wichtigen Platz im Schrank rauben? Vielleicht ein echter Glücksgriff für den nächsten Vintage-Shopper! So werdet ihr eure Kleider schnell und fair im Secondhandladen los.
Carrie Bradshaw auf den Stufen vor ihrem Haus
© Getty Images

Carrie Bradshaw hätte wohl ein Vermögen aus ihrem Kleiderschrank machen können.

Es ist mal wieder höchste Zeit für einen Radikalschlag im Kleiderschrank, aber bitte mit Profit? Dann ist der Secondhandshop die beste Adresse. Was man beim Abgeben der aussortierten Kleider beachten sollte, welche Teile lieber gleich in die Textilsammlung wandern und wie man sicher geht, beim Verkauf nicht über den Tisch gezogen zu werden? Wir haben zwei Frauen gefragt, die es wissen müssen:
Kimberley Wichmann kauft und verkauft in der CHEMISERIE+ in Basel selektierte Kleider, Schuhe und Accessoires für Frauen und Männer.
Michèle Roten kuratiert in Zürich im The New New handverlesene Zweite-Hand-Ware für Frauen, Männer und Kinder.

Style: Müssen die Sachen, die wir abgeben möchten, gewaschen und gebügelt sein?
Michèle: Gewaschen ja, gebügelt nicht – wir dämpfen sowieso jedes Teil noch gründlich auf.

Wie saison-spezifisch sollten wir sortieren? Werden wir auch im Herbst/Winter ein ausrangiertes Sommerkleid los?
Kim: Bei uns prinzipiell nach aktueller Saison. Dies betrifft vor allem die Damen. Sollte jedoch ein einzigartig gutes Stück aussersaisonal dabei sein, würden wir es trotzdem nehmen.
Michèle: Sehr saison-spezifisch, wir nehmen nur Kleider an, die wir sofort in den Laden hängen können. 

Welche Teile geben wir besser direkt in die Textilsammlung, weil ihr sie eh nicht im Laden haben wollt?
Kim: Sachen mit ganz offensichtlichen Gebrauchsspuren. Zum Beispiel aus der Form geratene T-Shirts, zu heiss gewaschene Wollpullover, defekte Reissverschlüsse, abgelatschte Schuhe, durchgesessene Hosen … Und Sachen von schlechter und billiger Verarbeitung.

Welche Teile werden dagegen eurer Erfahrung nach besonders gerne secondhand geshoppt?
Michèle: Wertige, zeitlos-coole Teile wie Kaschmirpullover. Dr. Martens, weil die schon eingelaufen sind und Stücke, die man sich sonst nie leisten könnte oder würde. Aber natürlich auch sonst alles, was einem gerade entgegenspringt und Freude macht.
Kim: Bei uns Chucks, Dr. Martens, neuwertige Turnschuhe und hochwertige Textilien mit hohem Naturfasergehalt.

Hand aufs Herz: Was ist das lukrativere Modell für uns als Verkäufer – Kommission oder gleich bar auf die Hand?
Kim: Da ich persönlich wenig Erfahrung habe mit dem Kommissionsmodell, kann ich das schwer beurteilen. Bei einer 50/50-Erlösaufteilung wäre das Kommissionsmodell lukrativer, wobei man meist mehr Zeit aufwenden muss, um die Ware zu bringen und bei Verkauf den Anteil abzuholen. Wir bieten 50% des Warenwertes als Gutschrift im Laden oder 33% Bar direkt auf die Hand  ob wir die Sachen verkaufen oder nicht ist unser Risiko.
Michèle: Bei den meisten Secondhandläden, die auf Kommission arbeiten, ist der Deal inzwischen auch 40% für die Kundin und 60% für den Shop, von daher sind wir mit unseren 33% zu 67% recht in der Nähe. Was wirklich einen Unterschied macht, ist den Zwischenhändler auszulassen und die Sachen online zu verkaufen. Das kann sich gerade bei einzelnen Stücken echt lohnen.

Woran merken wir, dass uns die Shopbesitzer über den Tisch ziehen und wir einen schlechten Deal machen?
Michèle: Schlechte Deals gibt es nicht, weder bei Kommission noch bei Barankauf  bei voller Transparenz ist der Preis, den die Verkäuferin kriegt, für sie okay. That’s it. Wenn sie den Preis zu niedrig findet, kann sie das Stück ja wieder mitnehmen. Selbst wenn der Shop das Teil letztlich für das Zehnfache verkauft  was natürlich nicht passieren sollte  gilt grundsätzlich die Maxime: Das, was du dafür kriegst, muss für dich in Ordnung sein.

Seht ihr einen entscheidenden Unterschied zwischen Secondhandshops in der Schweiz und anderswo?
Kim: Generell würde ich behaupten, dass es ein grösseres Angebot gibt, als Ein- und Verkäufer, was sich bestimmt auf das Preisniveau auswirkt – auf beide Seiten …
Michèle: Lange Zeit gab es in der Schweiz nur Secondhandshops, die entweder das Programm «Retro» oder «High-End-Marken» hatten. Auf Reisen haben wir gerade in den USA dann entdeckt, wie grossartig es ist, wenn es auch Läden mit dem «Dazwischen» gibt. Inzwischen ist die Schweiz recht gut aufgestellt – was auch ein bisschen Pflicht ist, schliesslich haben wir mehr als genug von allem. 

Ist es erlaubt, beim Kauf im Secondhandshop noch zu handeln?
Michèle: Wenn man es auf nette Art macht, klar!

Danke ♡

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