Da ist noch Luft nach oben SNTM: «Wow» geht anders

Zum ersten Mal bekommt die Schweiz ihren eigenen Abklatsch von Heidi Klums Modelsuche-Hitshow. So war die erste Folge «Switzerland's Next Topmodel». 
SNTM 2018
© ProSieben Schweiz

Die Jury: Carl Jakob Haupt und David Kurt Roth von Dandy Diary, Manuela Frey und Papis Loveday. 

 

Vorab eine Sache: Manuela Frey ist als Chefmodel von «Switzerland's Next Topmodel» erfrischend nett. Irgendwie kann man der 22-Jährigen diese Sendung nicht übel nehmen.

Immerhin ist das Konzept beim deutschen Muttersender schon 13 Mal aufgegangen: Berühmtes Model (Heidi Klum) sucht «Määääääädchen», die ebenfalls ein berühmtes Model werden wollen – und bereit sind, dafür alles, im Minimum aber «1000%», zu geben (hier ein wirklich lieb gemeinter Hinweis: 100% sind das Maximum. Immer. Ein Rechenbeispiel folgt schon vor der ersten Werbepause von einer Kandidatin: «50 Prozent sind ja schon nicht so eine grosse Chance. Es ist die Hälfte.»)

«Wow, wow, wow»

Juror Papis Loveday hat übrigens Erfahrung als Model, deshalb weiss er, was ein Model braucht, sagt Manuela Frey. Wie sollen wir da noch gegen argumentieren. Bei der Klum’schen Heidi war der 41-Jährige ja auch schon dabei. Zu ihm gesellen sich die Jungs von Dandy Diary. Die werden als besonders extravagant eingeführt. Sie haben, wie sie im Interview sagen, auch eine Meinung. Das hilft bei der Modelsuche. Schon nach der Jury-Vorstellung ist klar: «Wow» ist das Wort der Sendung. Dann sagt sie ES, die Manuela: «Nur eine/r kann Switzerland’s Next Topmodel werden». Die Logik ist auch hier (genauso wie bei «GNTM») bestechend. In der Regel gibt es bei Wettkämpfen tatsächlich nur eine Person, die siegt.

Sieger wird in der Schweiz übrigens entweder eine Dame oder ein Herr (! Ja, Herren, die Schweiz macht das, was sich Deutschland noch nicht getraut hat, sie holt Jungs ins Boot. Tyra Banks hat das schon 2014 eingeführt. Die Erfinderin der Modelsause schreibt in einer «Tyra Mail» auf Instagram, dass die Geschichte der tv-inszenierten Modelsuche inzwischen aber auserzählt ist. «ANTM» wurde gerade nach 24 Staffeln abgesetzt).

Man sieht den Körper, wie er ist

Weshalb «der erste Walk ever» zwingend in Bademode von statten gehen musste, erschliesst sich im «Friends and Family»-Kontext nicht ganz auf Anhieb. Glücklicherweise klären die Jungs von Dandy Diary auf: «Man sieht den Körper, wie er ist.» Das ist natürlich richtig. Ein Feuerwerk der Analyse entlädt sich sogleich. «Gefällt mir sehr gut», «etwas unsicher», «zu sportlich», «tolle Beine» oder «wow» stecken die Skala auf dem «SNTM»-Model-Barometer zielgenau ab. Die Models selbst kommentieren locker: «Immerhin hats mich nicht auf die Fresse gehauen.» Backen wir am Anfang nicht alle kleine Brötchen?

Manuela fährt trotzdem gleich die grossen Geschütze auf: Kandidatin Jérômie muss sofort zum Umstyling. Beruhigende Worte begleiten sie: «Du wirst nicht aussehen wie ein Clown» (Manuela) oder «Wir machen dich nicht hässlich» (Dandy Dudes). High-Fashion ist die Jérômie danach. Dann steht das erste Auswahlverfahren an. 

«SNTM», bitte sei doch bald mutig!

Hier fassen wir uns kurz: Es ist etwa wie bei Heidi Klum. Wir erfahren, dass ein Kandidat schon mal einen «Kurs» gemacht hat, manchen die «Attitude» fehlt und wieder andere zu wenig «focused» sind. Da plätschern Belanglosigkeiten wie ein sanftes Bächlein durch ein verwunschenes Tal. Nur plantschen darin keine launischen Forellen, sondern eingeschüchterte Kandidatinnen und Kandidaten, die beim Model-Casting im Zürcher Kaufleuten zumindest teilweise dran glauben, dass es hier wirklich um die Erfüllung ihrer Träume geht. Selbst dann, wenn sie vor der Jury ein Impulsreferat über dramatische, traurige oder schwierige Lebensmomente zu halten haben.

Schon nach knapp 90 Minuten «SNTM» und mehr als einer Dekade «GNTM» als Vorbildung im Nacken ahnen wir: Das haut uns irgendwie nicht aus den Socken. «SNTM» müsste sich vom Original emanzipieren, mutig sein und aus dem Entscheidungs-Walk-Leerlauf ausbrechen. Vielleicht sollte «SNTM» die Ratschläge seiner eigenen Jury befolgen – und sich schleunigst mehr «Attitude» zulegen. Sonst wird das nichts mit den «1000% Wow».

 
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