7 Fragen an Stephanie von Meiss Diese Zürcherin kämpft für nachhaltige Mode

Als Mädchen sammelte sie für den Regenwald. Mit 35 Jahren hat Stephanie von Meiss Grösseres vor: Sie ist Mitgründerin von «The Klosters Forum» und ruft zu einem nachhaltigen Umgang mit Mode auf. Wir haben sie in ihrem Heim in London besucht. 
Stephanie von Meiss
© Reto Guntli

Stephanie von Meiss ging mit fünfzehn Jahren aufs Internat nach London – und lebt seit 2011 wieder in der Stadt

 

Charlotte Place in Londons Gastroviertel Fitzrovia wirkt einladend. Überall stehen Tische und Stühle auf der Strasse, schwarze Tafeln preisen die Speisen an. Oft muss Stephanie von Meiss die Gäste zur Seite bitten, damit sie ihre Wohnungstür erreichen kann, die einge- klemmt zwischen einem kleinen Italiener und einer glutenfreien Bäckerei liegt. Dahinter führt eine steile Holzstiege in ihr siebzig Quadratmeter grosses, doppelstöckiges Daheim: Wohnzimmer, Küche, WC, Bad, zwei Schlafzimmer. Zur Ruhe kommt Londons Zentrum selbst nach Mitternacht nicht – was der Schweizer Start-up-Gründerin egal ist. Abstand findet die 35-Jährige in den Bündner Bergen, wo sie Ende 2016 mit einer Gruppe gleichgesinnter Frauen The Klosters Forum initiiert hat. Letzten Sommer war Premiere mit Vorträgen, Workshops und Talks zum Thema Ausbildung in Flüchtlingscamps. Vom 24. bis 26. Juli dieses Jahres steht die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll auf der Agenda.

Style: Der Slogan von The Klosters Forum heisst «Opening Minds». Wen laden Sie ein?
Stephanie von Meiss:
 Entscheidungsträger aus der Industrie, Vertreter gemeinnütziger Organisationen, Unternehmensgründer, Experten, aber auch Künstler und Designer – Menschen, die sonst nicht zusammenkommen. Hier finden sie eine Plattform, auf der sie sich austauschen können.

Mit welchem Zweck?
Zusammenarbeit. Wir wollen Projekte initiieren, die unsere gesellschaftlichen und ökologischen Probleme angehen und etwas bewegen. Darum möchten wir auch einen Preis ins Leben rufen, der die beste in Klosters entstandene Kollaboration prämiert. Die soll dann am nächsten WEF im Januar 2019 in Davos präsentiert werden.

Warum produzieren Sie mit ihrem Blusenlabel Carefull gerade weisse Blusen aus Biobaumwolle?
Die gab es auf dem Markt für nachhaltige Mode bislang einfach nicht. Das war eine Herausforderung, die ich annehmen wollte. Tatsächlich habe ich fast drei Jahre gebraucht, um den richtigen Stoff zu finden. Ich musste mit fast 200 Produzenten sprechen, dreimal die ganze Wertschöpfungskette neu aufziehen und bin am Ende in der Türkei gelandet.

Stephanie von Meiss
© Reto Guntli

Engagement: Stephanie von Meiss in einer weissen Bluse von Carefull.

Wie sind Sie auf das Thema Nachhaltigkeit in der Mode aufmerksam geworden?
2015 durch den Dokumentarfilm «The True Cost» von Livia Firth. Er hat mir die Augen geöffnet. Ich konnte gar nicht fassen, dass ich nichts über den schwerwiegenden Effekt der Modeindustrie auf Natur und Gesellschaft wusste. Wo ich mich doch seit Jahren mit Nachhaltigkeit beschäftigte und 2008 in Madrid meinen Master in Sustainability gemacht habe. Die «big bad boys» waren für mich immer die Zementindustrie, die Öl- und die Gasproduzenten.

Nachhaltigkeit geht uns alle an!
Beim Essen hat man in den letzten Jahren angefangen, zu hinterfragen, woher die Produkte stammen. Bei der Kleidung hat das niemanden interessiert. Dabei setzen wir uns fast täglich damit auseinander und treffen Kaufentscheidungen. Ich dachte mir: Wenn ich nicht weiss, was in dieser Industrie los ist, dann wissen es die meisten anderen auch nicht. Also rief ich mit einer Freundin Fashion Unzipped ins Leben: Wir organisieren kleine, feine Abendessen, um Leute zusammenzubringen, die sich für die Problematik interessieren und die finanziellen Mittel haben, Dinge zu verändern. Letzte Woche luden wir in Kopenhagen neunzehn Personen an eine Tafel. Das US-Model Arizona Muse sprach über seine eigene neue, nachhaltige Kollektion. Claire Bergkamp, Sustainability Manager, stellte ihre Arbeit für Stella McCartney vor.

Das Grösste, was ich je mit meinem Hollandrad transportiert habe, war ein Weihnachtsbaum.

Wie kann man mit Gewohnheiten brechen?
Livia Firth hat ein Prinzip: Man sollte alles, was man kauft, mindestens dreissigmal anziehen. Daran halte ich mich.

Wie bewusst leben Sie selbst?
Ich habe immer eine Stofftasche für Einkäufe dabei und einen eigenen Becher für meinen Kaffee to go. Unterwegs bin ichmit einem meiner Holland-Fahrräder, die alle nach niederländischen Royals benannt sind. In London steht Wilhelmina vor meiner Haustüre. Das Grösste, was ich je mit ihr transportiert habe, war ein Weihnachtsbaum.

Haben Sie auf Instagram einen Hashtag abonniert?
Natürlich #sustainablefashion. Er wird immer häufiger gesetzt, und die Kleider werden merklich cooler.

Das ganze Interview mit Stephanie von Meiss gibt's in der aktuellen Style. Jetzt am Kiosk!

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