Das Enfant Terrible der Mode kommt in die Kinos Warum «McQueen» ein wirklich sehenswerter Film ist

Vor acht Jahren nahm sich Alexander McQueen das Leben. Ab heute ersteht das Mode-Genie in unseren Kinos wieder auf. Wir verraten, warum man den Dokfilm über das Enfant Terrible der Mode auf keinen Fall verpassen sollte. 

Die spektakulären Shows

Lee Alexander McQueen – so der volle Name des Designers – inszenierte seine Shows wie schockierende Theaterstücke. Der neue Dokfilm hangelt sich thematisch an seinen Kollektionen entlang: Er zeigt etwa, wie Models mit verbundenen Köpfen die Entwürfe in einer Art Gummizelle präsentierten («Voss», Frühjahr/Sommer 2001), wie auf dem Laufsteg ein Autowrack versehentlich in Flammen aufgeht («It’s a Jungle out There», Herbst/Winter 1997), oder wie die Menschheit in einer postapokalyptischen Zukunftsvision zurück ins Wasser kehrt («Plato’s Atlantis», Frühjahr/Sommer 2010).

Die Tabubrüche

Der Dokfilm zeigt die grössten Aufreger: Während seiner vierten Catwalk Show («Highland Rape») schickte McQueen Models über den Laufsteg, die mit ihren zerrissenen und freizügigen Kleidern aussahen, als ob sie gerade vergewaltigt worden wären. Der Designer bezog sich damit zwar auf die blutige Geschichte Schottlands, die Presse sah allerdings vor allem eine sexistische Show, die Frauen beleidigte. Dass das Traditionshaus Givenchy ihn kurze Zeit später als Chefdesigner anheuerte? Rückblickend unvorstellbar. 

Die Schneiderkunst

Neben den Schockmomenten und Empörungen, die McQueen in der Modeszene auslöste, war es vor allem sein Verständnis der hohen Schneiderkunst, das ihn so erfolgreich machte. Er lernte an der Londoner Savile Row bei «Anderson & Sheppard» das Handwerk des Herrenschneiders, liess sich zum Kostümdesigner ausbilden und studierte schliesslich am Central Saint Martins College of Art and Design. Er war stets der Klassenbeste und konnte, das verrät sein damaliger Freund Andrew Groves Film, ohne Mass zu nehmen eine wie angegossen sitzende Herrenweste schneidern. In einem Interview sagte McQueen einmal «man muss die Regeln kennen, um sie zu brechen» – dass er das tat, erkennt man in seinen Shows.

Die Abgründe

Was man bei all den Aufregern nicht vergessen darf: Nicht nur die Kollektionen, auch Alexander McQueen selbst wurde mit den Jahren immer düsterer. Vom molligen Arbeitersohn mit Charaktergesicht veränderte er sich durch einen chirurgischen Eingriff in ein dünnes Abbild seiner selbst, wurde immer exzentrischer, drogenabhängig und launisch, liess seine engsten Vertrauten hinter sich, sowie sie ihm nicht mehr nutzten. Der Dokfilm zeigt neben seiner Karriere zum Designer Alexander McQueen auch die Entwicklung von Lee McQueen, der Privatperson – auch wenn die Grenzen zwischen diesen beiden oft verschwammen.

Seine Gefährten

Alexander McQueen und Isabella Blow
© Getty Images

Alexander McQueen mit Mentorin Isabella Blow

Von seiner Freundin und Mentorin Isabella «Issie» Blow über seine Ex-Freunde und Partner bis hin zu seiner Schwester und seinem Neffen, die über den seelischen und körperlichen Missbrauchs McQueens in seinen jungen Jahren berichten: Durch die Interviews und Archivaufnahmen der Menschen in Lees Leben vermittelt der Film dem Zuschauer das Gefühl, den Designer persönlich kennenzulernen – und rührt mehr als einmal zu Tränen. Besonders Emotional: die Videoaufnahmen seiner Mutter. Nach ihrem Tod verfiel Lee McQueen, der kurz zuvor bereits seine Freundin Issie verloren hatte, endgültig seinen Depressionen und nahm sich am Abend vor ihrer Beerdigung in seiner Wohnung in London das Leben.

Der Trailer zum Film

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