5 Minutes with ... Anna Rossinelli, Musikerin

Wir treffen Anna Rossinelli im Basler Volkshaus zum Interview. Sie erscheint gut gelaunt und mit einem frisch gekauften Bügeleisen. Mit diesem Erscheinungsbild hat sie uns im Sack, wir mögen Anna! An ihr ist nichts gekünstelt, sie wirkt wie das coole Mädchen von nebenan. Die Sängerin erzählt von ihrer Leidenschaft für schöne Möbel und gut sitzende Kleider. Ihre grösste Passion gehört aber der Musik. Wenn sie mit Manuel Meisel und Georg Dillier auf der Bühne steht, ist für sie die Welt in Ordnung.
Anna Rossinelli
© Gina Folly

Anna Rossinelli

SI Style: Sie sind in Basel geboren. Warum zieht es SIe nicht weg?
Anna Rossinelli: Mich zieht es schon weg. Ich war mit Georg sechs Monate in New York. Er hat dort studiert und ich habe eine Sprachschule besucht. Wir waren nicht unbedingt wegen der Musik dort, mehr der persönlichen Erfahrung wegen. Die Musikszene in New York ist aber sehr inspirierend. Jeden Abend konnten wir irgendwo in der Stadt ein gutes Konzert besuchen. Das fehlt mir hier. Im Moment möchte ich der Band wegen nicht fort. Es ist wichtig, dass wir in der Schweiz präsent sind und keine Konzertanfragen absagen müssen, weil wir im Ausland weilen.  

Ihr Lieblingsort in Basel zum Tanzen, Trinken oder Essen?
Mein Lieblings Ausgangsort war das NT Areal. Seit es im Umbruch ist, gehe ich vermehrt im Hinterhof tanzen. Auf dem Industrieareal kann man die ganze Nacht Feste feiern, ohne jemanden zu stören. Ich mag solche Orte. Ich gehe auch gerne Essen: Im Valentinos liebe ich die Burger und im Stellwerk den Flammkuchen.

Sie wohnwn in einer WG. Haben Sie gerne Leute um sich?
Ich habe fast sieben Jahre in einer WG gewohnt. Vor drei Monaten bin ich alleine in eine 2-Zimmer Wohnung gezogen. Ich bin viel und gerne mit anderen Menschen zusammen. Das Alleine-Wohnen ist noch ein kleines Experiment. 

Haben Sie Angst vor dem Alleinsein? 
Nein. Ich finde es aber schön, Menschen um mich zu haben. 

War es nie ein Thema mit Georg, Ihrem Freund und Bandkollegen, zusammenzuziehen?
Oh nein, das kann ich mir im Moment überhaupt nicht vorstellen. Wir machen Musik zusammen und sehen uns im Allgemeinen schon viel. Falls wir Kinder bekommen, wird das Thema wahrscheinlich aktueller. Ich finde die Idee von zwei Wohnungen aber auch als Familie gut. 

Wo entstehen Ihre Songs?
Wir schreiben die Songs zu dritt. Ich texte nicht alleine. Meistens ist zuerst die Melodie da, dann kommen einzelne Worte dazu, und langsam entsteht daraus ein Song. Wir waren auch schon einige Tage zu dritt im Tessin und wollten konzentriert an Songs schreiben, das funktioniert aber nicht. Am besten ist, wenn jeder in seiner Kammer Ideen entwickelt und wir diese dann zusammen führen. 

Die letzte CD «Marylou» ist vergangenen Mai erschienen. Brüten Sie schon wieder über neuen Songs oder braucht es eine kreative Pause?
Wenn wir gerade ein Album geschrieben haben, mag ich nicht gleich wieder an neue Songs denken. Nach der Veröffentlichung kommt die Promo- und Konzerttour. Erst danach hat man wieder Zeit und Muse, Neues zu entwickeln. 

Wofür schlägt Ihr Herz ausser der Musik?
Ich mag schöne Sachen. Vor allem für Mode und Vintagemöbel habe ich eine grosse Leidenschaft. Früher kaufte ich meine Möbel bei Ikea, heute spare ich lieber und leiste mir einen Klassiker in der Designbutik Basel.

Auf was sparen Sie aktuell?
Auf ein Sofa. 

Wie würden Sie Ihren Modestil beschreiben?
Es gibt nicht den typischen Anna-Stil. Manchmal wache ich morgens auf und habe Lust auf eine romantische Schluppenbluse, wie sie die Französinnen tragen. An anderen Tagen gluschtet mich der maskuline Boyfriend-Look mit Jeans und Blazer. 

Wo kaufen Sie ein? haben Sie einen Lieblingsdesigner oder -laden?
Ich leiste mir manchmal etwas im Set&Sekt. Zum Beispiel habe ich dort kürzlich eine Acne-Jeans gekauft, weil mir die besonders gut sitzt. In Zürich gehe ich zu En Soie, ich mag die bedruckten Zweiteiler aus der «Get Jet Lagged»-Kollektion. Auch habe ich ein Faible für Schmuck. Ich mag den Kupferschmuck vom Label JVN. Im Marinsel habe ich mir ein 3er-Set feine Ringe von Adeline Cacheux aus Paris gekauft.  

Gibt es etwas, wofür Sie sich schämst?
Wenn meine Zunge schneller ist als meine Gedanken. 

Ich habe Sie mal sagen hören, dass Ihnen Interviews oft zu wenig intellektuell sind.
Ich möchte nicht immer die gleichen Standardfragen beantworten müssen. In hundert Interviews kommt vielleicht eine Frage, die aus dem Rahmen fällt.

Wäre so eine Frage: Wenn Sie ein Möbelstück sein müssten, welches wären Sie am liebsten?
Haha, das klingt jetzt richtig doof, aber ja, warum nicht! Das habe ich mir noch nie überlegt und finde es deshalb spannend. Ich wäre ein Sofa. 

Warum?
Weil es ziemlich gut aussehen kann, gemütlich ist und die älteren Modelle schöner sind. (Lacht.)

Ihr 2. Album «Marylou» landete nach Erscheinen im vergangenen Mai sogleich auf Platz 1 in den Schweizer Charts. Aktuell tourt das Basler Trio durch die Schweiz, am 15.Oktober treten sie im Zürcher Kaufleuten auf. 

Auch interessant