5 Minutes with ... Nadja Swarovski, Unternehmerin

Die 43-jährige Österreicherin mit amerikanischen Akzent leitet das Unternehmen Swarovski in der 5. Generation. Wie es war, als sie mit 13 ins Internat kam und wie ein Überfall in ihrer Wohnung dazu führte, dass sie kaum mehr echten Schmuck kauft, erzählt sie hier.
nadja swarovski

Nadja Swarovski

SI Style: Swarovski engagierte sich in den letzten Jahren oft in Kulturprojekten, vor allem im Bereich Möbeldesign und in der Architektur. Was steckt dahinter?
Nadja Swarovski: Nun, wir möchten den Menschen und der Umgebung etwas zurückgeben. Deshalb haben wir im Juni auf der Kunstbiennale in Venedig eine Stiftung lanciert mit einer Installation von John Pawson in der Basilika San Giorgio Maggiore. Dank der Stiftung kann beispielsweise die Statue des Heiligen Georgus auf der Kuppel der Basilika restauriert werden, der ein Arm fehlt. Die Stiftung unterstützt aber nicht nur Kultur- und Kunstprojekte, sondern auch Menschenrechts- und Umweltthemen.

Swarovski gab auch die Installation «Prima» von Zaha Hadid auf dem Vitra Campus in Auftrag. Wie kam es dazu?
Zaha Hadid ist eine der grössten Architektinnen unserer Zeit. Was sie als Frau in der Architektur geschafft hat, ist wirklich bemerkenswert. Sie hat ihren eigenen Stil entwickelt. Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens ihres Feuerwehrhauses in Weil am Rhein wollten wir sie feiern.

Plaudern Sie aus dem Nähkästchen: Wie ist Zaha Hadid als Person?
Sehr inspirierend. Die beste Zeit erlebe ich mit ihr immer, wenn wir nur zu zweit sind und sie mir über ihr Leben erzählt, über ihre Eltern, ihre Anfänge in der Architekturwelt, wie schwer das als Frau war. Ich finde, sie ist ein Vorbild für viele Leute, insbesondere für Frauen. Deshalb wollten wir sie auch zelebrieren.

Swarovski-Kristallglas wird aus Sand hergestellt. Wie ist eigentlich die Akzeptanz der Juweliere gegenüber dem Modeschmuck von Swarovski?
Das war nie ein Problem, denn wir versuchten nie, Diamanten zu imitieren, sondern Kristallglas zu zelebrieren. Im Begriff «Modeschmuck» steckt für mich auch die Verbindung zur Mode. Alle sechs Monate präsentieren wir neue Kollektionen, gehen mit dem Trend. Mein Ur-Ur-Ur-Grossvater Daniel Swarovski pflegte zu sagen, Diamanten seien nur für Adelige, er aber wollte jeder Frau ermöglichen, sich strahlend zu fühlen. Und daher passt die Zusammenarbeit mit Vitra so gut, weil Vitra sozusagen das Möbeldesign demokratisiert hat und wir den Schmuck.

Nach behüteten Jahren in Wattens in Tirol kamen Sie im Alter von 13 in ein Internat in Deutschland, mit 15 gingen Sie allein nach Texas. Wie war das für Sie als junges Mädchen, hatten Sie Heimweh oder fühlten Sie sich, als würden Sie die Welt erobern?
(Lacht.) Ja, mit 13 hatte ich schon das Gefühl, die Welt zu erobern. Aber die USA waren dann doch weit weg, und obwohl ich wie meine Mutter auch Amerikanerin bin, bedeutete es für mich einen Kulturschock. Aber so entdeckte ich meine eigene Stärke, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Es war eine Lebensschule. Ich werde das mit meinen eigenen Kindern anders machen. Aber wie sagt man so schön auf englisch: What doesn't kill you makes you stronger.

Sie führen Swarovski bereits in der 5. Generation. Hatten Sie je eine andere Wahl, oder war von Anfang an klar, dass Sie im Unternehmen tätig sein werden?
Von Frauen wurde es gar nicht erwartet, dass Sie ins Unternehmen einsteigen. Ich bin sozusagen auf dem Firmengelände aufgewachsen, verbrachte meine Freizeit in den Produktionshallen. Ich wollte weg! Aber je weiter ich weg war, umso stärker wurde meine Zuneigung zu Swarovski. Es war sehr wichtig für mich, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich studierte Kunstgeschichte und Fremdsprachen, war bei Sotheby's und Gagosian und habe dann in der Modewelt meinen Platz gefunden, wo ich verschiedene Firmen vertrat wie Valentino, Trussardi und Missoni – alles Familienunternehmen aus Europa. Und das war mein Aha-Moment: Ich dachte mir, Moment mal, ich habe ja auch ein Familienunternehmen. Warum machen wir mit Swarovski nicht die enge Verbundenheit zur Modewelt wieder deutlicher? Inspiration war mein Grossvater, der mit Coco Chanel und Christian Dior zusammengearbeitet hatte.

Fühlten Sie sich als Frau je benachteiligt in der Geschäftswelt?
Nein, erstens lebte ich in New York, und dort zählt sowieso nicht zuerst das Geschlecht, sondern der Intellekt. Ich arbeitete eng mit der Modejournalistin und Stylistin Isabella Blow zusammen, die mich Alexander McQueen vorstellte. Und sobald er unser Produkt einsetzte, wollte es jeder in der Modeindustrie verwenden. 

Als Kreativdirektorin sowie Vize-Kommunikationschefin eines Weltkonzern arbeiten Sie rund um die Uhr und sind oft unterwegs. Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie mit drei Kindern unter einen Hut zu bringen?
Ich versuche, nicht mehr als zwei Tage pro Woche weg zu sein und packe möglichst viel rein in einen Tag. Ich kann das nur machen, weil ich ein Team habe, das mich zuhause unterstützt: mein Mann und mein Support-Team, also eine Nanny und eine Putzfrau. 

Gehen Sie auch mal ohne Schmuck und Schminke aus dem Haus?
Ja! Ich trage sowieso minimal Schmuck und auf alle Fälle sehr selten echten Schmuck. Vor ungefähr sieben Jahren wurde ich in meiner Wohnung in London überfallen, seither bedeutet mir teuren Schmuck weniger.

Sie waren zu dem Zeitpunkt in der Wohnung, als die Einbrecher kamen?
Ja, und ich war hochschwanger! Ich konnte nicht mal mehr meine Zehen sehen, so gross war der Bauch. Zum Glück wurde ich nicht angegriffen. Nach so einem Ereignis besinnt man sich darauf, dass alles Materielle weniger wichtig ist als das Leben.
Aber um auf Ihre vorherige Frage zurückzukommen: Am Wochenende trage ich eigentlich immer nur Trainingsanzug und Turnschuhe. Ich brauche das, damit ich meinen Kindern nachrennen kann. Es ist fast meine Lieblingskleidung.

Sie leben mit Ihrer Familie in London. Fahren Sie für die Ferien jeweils in Ihre Heimat Wattens?
Ja, wir reisen in den Tirol und wahrscheinlich auch in die USA. Ferien verbringen wir dort, wo ich auch ein Büro habe, also in New York, Los Angeles und Tirol. Während ich arbeite, können wenigstens die Kinder ihren Urlaub geniessen. Ich habe pausenlos volles Programm. Aber das habe ich so gewählt und das ist auch spannend.

Die grösste Extravaganz, die Sie sich leisten?
Entspannen! Am Wochenende einfach mal nichts tun. Ich habe tagtäglich so viel Druck, da ist es leider keine Routine bei mir, einfach auszuspannen. Dabei gewinnt man dadurch so viel Energie. Eigentlich müsste es zum täglichen Ausgleich gehören, damit die Balance stimmt, aber im Moment ist das wirklich Luxus für mich.

Was ist das Wertvollste, das Sie besitzen?
Ganz klar meine Kinder.

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