5 Minutes with ... Stefan Zwicky, Architekt

Trends aufspüren, Neuheiten bestaunen und Inspiration für die eigenen vier Wände holen, das ist an der Möbelmesse «neue räume» möglich, die heute Abend Vernissage feiert und bis Sonntag andauert. Wir unterhielten uns mit Stefan Zwicky, Architekt, Designer, Buchautor und Gründer der Veranstaltung.
Stefan Zwicky
© neue räume

Architekt, Designer und Initiator der Messe «neue räume», Stefan Zwicky.

SI Style: Die Messe «neue räume» findet zum siebten Mal statt. Was gibt es Neues?
Stefan Zwicky: Das Rezept der «neuen räume» bleibt immer gleich. Es ist eine Schau, die das Neuste an ein interessiertes Publikum bringt, vom Architekten über den Planer bis hin zum Endverbraucher. Die Besucher können sich direkt mit den Herstellern unterhalten. Hoffentlich werden viele neue Entwürfe zu sehen sein, neue Materialien, Stoffe. Gerne empfangen wir natürlich auch neue Besucherinnen und Besucher

Was dürfen wir auf keinen Fall verpassen?
Wir setzen dieses Jahr verstärkt auf Schweizer Design. Im Herzen der Halle präsentieren fünfzehn Schweizer Hersteller ihr Schaffen. Dann gibt es eine Sonderschau zum Thema Licht. Während der Messe werden täglich unabhängige Lichtplaner vor Ort sein, die Planern und Endverbraucher über die neusten Entwicklungen im Lichtbereich Auskunft geben und beratend zur Seite stehen. Darüber hinaus kann das Publikum bei «Manufaktur» den Handwerkern von sechs Firmen beim Fertigen ihrer Produkte über die Schultern schauen. 

In der Schweiz, von Hand hergestellte Produkte sind wieder beliebter, aber leider oft teuer. Wieso sollen die Konsumenten trotzdem Schweizer Handwerk kaufen?
Weil sie meistens langlebiger sind. Dazu kommt, dass lokales Handwerk nicht zwingend viel teurer sein muss. Gerade junge Labels gestalten nicht nur selber, sondern produzieren und vertreiben ihre Entwürfe oft auch gleich selbst. Somit umgehen sie den Zwischenhandel und können ihre Produkte günstiger anbieten. Tom Dixon, der übrigens auch hier ausstellt und morgen Abend zu einer Diskussionsrunde (27. November, 18.30 Uhr, Anm. d. Red.) anwesend sein wird, ist ein prominenter Vertreter dieses Ansatzes; er entwirft und produziert selber.

Sie sind Herausgeber des Schweizer Möbel-Lexikons. Die Schweiz blickt auf eine stolze Designgeschichte zurück. Wie stufen Sie das aktuelle Schaffen ein?
Es gibt viel Gutes, aber wir müssen etwas dafür tun, dass es bekannt wird! Zu viel Bescheidenheit ist schädlich, das müssen wir überwinden. Daher ist dieses Lexikon eine wichtige Sache, um unsere Tradition und unser zeitgenössisches Schaffen nach aussen zu tragen. Ein anderes Thema wäre die staatliche Designförderung, ich meine jetzt nicht nur mit Preisen, die herausragende Gestaltung auszeichnen, sondern die aktive Förderung des Exports, die hierzulande leider nicht existiert.

Was war für Sie die interessanteste Begegnung im Zusammenhang mit der Messe «neue räume»?
Ich freue mich vor allem auf die kommenden Begegnungen, zum Beispiel mit Tom Dixon und jenen Designern, die auf der Messe im Rahmen von «Designers' Design» ihre Prototypen präsentieren werden. Ausserdem weiten wir mit «neue räume in the City» die Messe ja auch in die Stadt aus, indem wir verschiedene Möbel in branchenfremden Geschäften ausstellen. Im Grunde habe ich die Vision, dass wir eine «Zürich Design Week» ins Leben rufen könnten. Man könnte dann alle diese diversen Veranstaltungen wie neue räume, Blickfang, Design+Design etc bündeln. 

Was bereitet Ihnen schlaflose Nächte?
Wir arbeiten hier mit 100 verschiedenen Ausstellern zusammen, die alle ihre eigenen Vorstellungen ihres Auftritts mitbringen. Wir versuchen aber, eine Gesamtschau auf die Beine zu stellen, die eher ruhig daher kommt. Bis dann jeder mit seinem Stand zufrieden ist, vergehen schon einige schlaflose Nächte.

Wofür geben Sie gern zu viel Geld aus?
Für gutes Essen und Trinken – und für Bücher. Möbel wechselt man ja nicht so oft aus.

Aha. Wie wohnen Sie denn?
Ich wohne an zwei Orten, zum einen hier in Zürich in einer Wohnung des Architekten Otto Rudolf Salvisberg aus den Vierzigerjahren, sagen wir mal in klassisch-modernen Möbeln. Und dann wohne ich noch bei meiner Lebenspartnerin in Luzern, auch mit klassisch-modernem Mobiliar, aber etwas opulenter.

Ihr wertvollster Besitz?
Das sind meine Bücher. Ihr Inhalt – das Wissen – ist sehr wertvoll.

Ihre meist genutzte Website?
Ich gehöre zu jener Generation, die nicht mit Computern gross geworden ist. Noch heute vermeide ich die Arbeit am Computer und surfe kaum im Internet. Hingegen nutze ich gerne immer noch gedruckte Möbelkataloge oder gehe auf Tuchfühlung in die Geschäfte. Im Netz gehen zu viele Stunden flöten, heute sind wir keine Gestalter mehr, sondern Sucher. Websites kommen mir manchmal vor wie Geisterbahnen, da geht es rauf und runter und immer wiedermal erschrecken sie einen.

Ein Buch, das Ihr Leben beeinfluss hat?
Die Œuvre von Le Corbusier und die Biografie von Adolf Loos.

Worauf sind Sie stolz?
Auf «neue räume». Es ist jedes Mal ein riesiger Hosenlupf. Ohne angefressen zu sein, geht das nicht.

Können Sie ein Lokal in der Nähe der ABB-Halle empfehlen, wo man gut isst?
Die Giesserei ist ein originelles, nahes Restaurant.

Nach der Vernissage heute Abend feiern Sie vermutlich noch schön weiter. Wo geht es hin?
Das haben wir noch nicht geplant. Wir hatten die Kronenhalle im Auge, das Problem ist nur, bis wir rauskommen, ist es 22 bis 23 Uhr, dann haben die meisten Küchen in der Stadt geschlossen. Deshalb verschieben wir das Feiern wohl auf einen anderen Abend.

Ihre Lieblings-Bar in Zürich?
Ich gehe natürlich gern in Lokale, die ich selber gestaltet habe, etwa ins Café Schwarzenbach. Wo ich mich auch sehr wohl fühle, ist bei Jürg Müller im Du Théâtre, gleich hinter dem Opernhaus.

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