Karriere-Interview Kristina Bazan, Bloggerin

Auf Kayture.com lässt Kristina Bazan, 19, monatlich 1.5 Millionen Followers an ihrem Leben teilhaben. Dank stilsicheren Outfits und perfekter Selbstinszenierung hat es die Genferin an die Spitze der Schweizer Bloggerwelt geschafft.
Kristina Bazan
© James Chardon

Kristina Bazan Streetstyle

SI Style: Was war zuerst: Ihr Stil oder der Blog?
Kristina Bazan: Hmm, mein Stil hat sich mit meinem Blog auf jeden Fall verändert. Der erste Post war schrecklich! (lacht) Mein Look war so kitschig und girly, ich war damals immer overdressed. Heute achte ich auf Details und weiss, dass weniger mehr ist.

Wie würden Sie Ihren Stil heute beschreiben?
Minimalistisch, elegant und zeitlos.

Welche drei Teile sollte jede Frau besitzen?
1. Eine schöne Jeans, die perfekt sitzt und das Bein lang und schmal aussehen lässt. Meine Liebste ist von Hudson
2. Ein klassisches weisses Shirt, sei es eine Bluse oder ein Tanktop. Das kann man wunderbar mit Accessoires kombinieren. 
3. Das klassische kleine Schwarze.

Ihre persönliche Stilikone?
Ich habe verschiedene. Momentan inspirieren mich die Olsen Twins: sie vereinen Bohème, Rock’n’Roll und Eleganz in ihren Outfits. Emmanuelle Alt, die Chefredakteurin der Französischen Vogue, sieht jeden Tag aus wie ein Rockstar. Und Elin Kling liebe ich für ihren minimalistischen, starken Stil. 

Was halten Sie von den Schweizer Frauen? Welchen modischen Rat würden Sie ihnen geben? 
Wagt ein bisschen mehr! Hierzulande herrscht ein konservativer Zugang zur Mode – viele setzen selbst bei Events auf einen diskreten Look und wollen bloss nicht auffallen. Diese Zurückhaltung beobachte ich auch bei mir, das ist wahrscheinlich Teil unserer Kultur. Positiv ist, dass Schweizerinnen sehr auf Qualität und Materialien achten.

Wo kaufen Sie online ein? 
Als Bloggerin sehe ich es als meine Pflicht, spannende Online Shops zu finden. Neue Entdeckungen sind zum Beispiel Minusey, Monnier Frères, Runin2 oder Randa

Schnappen Sie gleich zu, wenn Sie etwas Wünschenswertes gefunden haben?
Ja, wenn ich mich in ein Teil verliebt habe! Sofern der Preis einigermassen akzeptabel ist, natürlich!

Apropos Preis: Auf Kayture.com präsentieren Sie sich häufig in exklusiven Designerkleider von Marken wie Louis Vuitton, Dior oder Jimmy Choo. Selbst gekauft oder gesponserte Geschenke?
Natürlich leiste ich mir auch mal ein teures Teil, wie meine Handtasche von Valentino. Oft sind edle Accessoires aber eine Gegenleistung für eine Kollaboration mit einem grossen Label.

Erzählen Sie. Wie kommt es zu diesen Kollaborationen?
Zusammenarbeiten beruhen auf gegenseitigem Interesse. Eine Marke engagiert mich als Botschafterin und ich vermittle ihre Produkte an meine Leserschaft weiter. Entweder kommt eine Firma auf mich zu und bietet mir an, etwas aus ihrem Sortiment auszuwählen, das mir gefällt. Oder ich gehe auf sie zu und wir versuchen gemeinsam, ein Projekt zu entwickeln. Lancôme hat mich zum Beispiel an die New York Fashion Week begleitet. Sie haben mir den ganzen Trip bezahlt, ich kam an die Shows und erfuhr im Backstage-Bereich über die neuen Make-up-Trends. Im Gegenzug schminkte ich mich während der ganzen Woche mit Lancôme-Produkten und erwähnte sie auf meinem Blog.

Wie viel verdienen Sie mit Ihrer Arbeit? Bloggen ist schliesslich ein Fulltime-Job.
Das Thema Geld behalte ich gerne für mich. Nur so viel: Wenn eine Marke mit uns arbeiten will und wir ein Shooting realisieren, bei dem ich modle und mein Freund James fotografiert, werden wir für unsere Arbeit gut bezahlt.

Wie integrieren Sie Gratis-Teile in Ihren Look? Die Leser wollen schliesslich Ihren eigenen Stil sehen.
Es gibt viele Vorurteile, was das Thema Blogger, Geschenke und Geld angeht. Für mich ist es deshalb essenziell, mir treu zu bleiben. Meine Leser würden sofort merken, wenn eine Komponente nicht stimmt. Wird mir etwas aus einer Kollektion angeboten, wähle ich es selbst aus. Die Firma erhält anschliessend einen Vertrag, der besagt, dass sie für das Geschenk verantwortlich ist und wir nicht garantieren können, ob es präsentiert wird.

Fühlen Sie sich unter Druck, regelmässig teure Stücke aus den aktuellen Designerkollektionen zu kaufen?
Im Gegenteil, mein Publikum schätzt es, wenn ich ihnen tolle, erschwingliche Teile zeige, die ich mit Luxuriöserem kombiniere. 

Wer sind Ihre Lieblingsdesigner?
Hedi Slimane für Saint Laurent, Alber Elbaz bei Lanvin, und Marc Jacobs.

Pro Monat lesen 1.5 Millionen Menschen aus aller Welt Ihren Blog. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Einen grossen Teil des Erfolgs habe ich meinem Freund James zu verdanken, der für alle Bilder verantwortlich ist und mich immer in das beste Licht rückt. Unsere Einträge sind von hoher Qualität. Wir stecken Mühe und Zeit in unsere Bilder und Texte, und versuchen, so nahe am Publikum wie möglich zu sein.

Ist es nicht auch eine Frage des Timings? Sie waren rechtzeitig dran, bevor alle Welt begann zu bloggen.
Heutzutage ist es sicher schwieriger, den gleichen Grad an Einfluss zu erreichen. Obwohl es bei meinem Start vor zwei Jahren auch schon eine grosse Konkurrenz gab. Was uns abhob, ist die Tatsache, dass wir so motiviert waren und sogar in strengen Schulzeiten viele Einträge verfassten, Projekte realisierten und hart arbeiteten. 

Können Sie eine Veränderung bei den Modeblogs beobachten?
Viele wollen damit bloss Geld verdienen und mit grossen Marken zusammen arbeiten. Als ich anfing, wusste ich nicht mal, dass man für gewisse Dinge überhaupt Geld verlangen konnte! Weil Bloggen schon so oft in den Medien thematisiert wurde, habe ich das Gefühl, dass es an Unschuld und Authentizität verloren hat. 

Was ist das Schwierigste an Ihrem Job?
Das Jonglieren mit Dutzenden von Sachen zum gleichen Zeitpunkt ist nicht ganz einfach. Ich arbeite rund um die Uhr und bereise in einem Monat schon mal vier Länder – von Frankreich bis China. Täglich kommen rund 500 Emails rein, ich beantworte Telefonanrufe und bin ständig auf Instagram, Facebook und Twitter präsent. Ausserdem muss ich immer gut angezogen sein und fit aussehen, was nach vier Stunden Schlaf nicht immer einfach ist... 

Wie sieht ein freier Tag bei Ihnen aus?
Ich besuche mit James seine Grossmutter in Montreux und relaxe. Wir schliessen die Vorhänge, schauen “How I Met Your Mother” und essen Müsli. Oder wir gehen ins Kino oder machen ein wenig Sport.

Ihr Freund James ist Mitgründer und Fotograf von Kayture.com. Wie ist es eigentlich, eine Liebes- und Arbeitsbeziehung zu vereinen und so abhängig voneinander zu sein?
Es ist manchmal schwierig, weil wir beide starke Persönlichkeiten haben und wir uns gerne Mal streiten... (lacht). Abgesehen davon ist es ein Privileg. Wir können alles miteinander teilen, sowohl die schönen als auch die schwierigen Momente. In diesem Business gibt es genug Leute, die dich ausnutzen wollen. Da ist es schön, mit jemandem zu sein, dem du vollkommen vertraust. Wir arbeiten für dasselbe Ziel, gehen durch Höhen und Tiefen, und werden dadurch stärker als Team. Romantisch, oder?

Ein besonderer Moment in Ihrer Karriere?
Wir wurden kürzlich von Chopard an das Film Festival in Cannes eingeladen, das war ziemlich verrückt. Wir wurden wie Könige behandelt, logierten im wunderschönen Hotel Martinez und wurden von einer Limousine zum roten Teppich gefahren. Ich trug ein atemberaumendes Abendkleid von Elie Saab und hatte solche Angst, hinzufallen! Ich war extrem aufgeregt. Es war aber unvergesslich, diesen emotionalen Moment mit meinem Freund an der Hand zu erleben.

Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Wir spielen momentan mit dem Gedanken, ein bis zwei Jahre nach New York zu ziehen, wo ich gerne eine Schauspielschule besuchen würde. Wir haben für den Blog schon einige Kurzfilme realisiert, was mir grossen Spass bereitet hat. Ansonsten liebe ich Design und würde gerne eines Tages eine eigene Kollektion entwerfen.

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