5 Minutes with ... Christopher Raeburn, Designer

Umweltfreundlich: Christopher Raeburn ist nicht nur einer der sympathischsten Designer, sondern er tut mit seiner Arbeit auch Gutes für die Umwelt. Der Brite kreiert seine Kollektionen häufig aus ausrangierten Stücken.
designer christopher raeburn

Designer Christopher Raeburn

Der britische Designer legt grossen Wert auf Nachhaltigkeit, viele seiner Kollektionen sind aus wiederverwendeten Materialien gefertigt. Neben der Tätigkeit für sein eigenes Label Christopher Raeburn arbeitet er seit Anfang des Jahres als Creative Director für Victorinox. Uns empfängt er während der stressigen New York Fashion Week im Flagship-Store im Trend-Quartier Soho und verrät, was ihn an recycelten Materialien fasziniert und wie die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Traditionslabel zustande kam.

SI Style: Jungs träumen davon, Polizist oder Pilot zu werden. Sie haben sich für Modedesigner entschieden. Welches sind Ihre frühesten Erinnerungen in Zusammenhang mit Mode?
Christopher Raeburn: 
Ich hatte schon früh eine Vorliebe für das Gestalten und Kreieren von Dingen. In der Schule träumte ich davon Architekt, Product Designer oder Fotograf zu werden. Ich trug die gebrauchten Kleidungsstücke meiner älteren Brüder und kam erst später auf die Idee, mit meiner Kleidung auch ein Statement zu machen. 

2006 haben Sie Ihren Abschluss am renommierten Royal College of Art in London gemacht. Wie ging es nach Ihrer Ausbildung weiter?
Wie bei allen anderen Studenten auch: mit unzähligen Praktikas. Das ist wichtig, um Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, was man wirklich machen möchte. Mir als Designer sind vor allem Qualität und Funktionalität wichtig. Ich möchte meine Designs und die Technologie, die dahinter steht, immer weiterentwickeln. 

Zwei Jahre später - im Jahr 2008 - gründeten Sie ihr eigenes Studio.
Genau, ich hatte Glück! Ich bekam damals sehr viel Aufmerksamkeit vom British Fashion Council und konnte meine Kollektionen in London, Paris und New York zeigen.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Victorinox zustande?
Ich wurde angefragt, ob ich Lust hätte, eine Gast-Kollektion für Victorinox zu designen. Wie diese konkret aussehen soll, wusste am Anfang niemand. Ich stellte daraufhin ein Konzept zusammen und kurze Zeit später entstand die «Remade in Switzerland»-Kollektion. 

Oft verwenden Sie ausrangierte Militärstoffe. Sie arbeiten aber nicht ausschliesslich damit, oder?
Nein, mir geht es vielmehr um die Philosophie dahinter. Der «re-using»-Gedanke ist bei allen meinen Designs zentral. Ich lege grossen Wert auf den respektvollen Umgang mit der Umwelt, in der wir leben und so gestalte ich auch meine Kleidung.

Trotzdem haben Ihre Entwürfe nicht diesen Öko-Touch, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Bei mir steht der Design-Aspekt immer an erster Stelle. Das Design soll die Kunden überzeugen und nicht der Aspekt, ob das Gekaufte umweltverträglich und nachhaltig ist. Nur so kann man die Menschen zu bewussterem Einkaufen bringen. Wenn die Optik nicht stimmt, werden sie auch nicht kaufen. 

Wie oft sind sie im Designstudio von Victorinox in New York? Und wieviele Leute arbeiten in Ihrem Team?
Im Monat bin ich durchschnittlich eine Woche hier in New York, den Rest meiner Zeit verbinge ich auf Reisen, suche nach Inspiration oder bin in meinem Studio im Londoner Osten. Das Design-Team von Victorinox umfasst ungefähr 30 Personen. Es sind Menschen, denen ich zu 100 Prozent vertraue und die einen ungalublich guten Job machen. 

Nachdem Sie bereits einige Gastserien wie «Remade in Switzerland» oder «Remade in England» für Victorinox designt haben, wurden Sie dieses Jahr zum Creative Director ernannt. Was hat sich seither verändert? Was ist Ihre Aufgabe?
Vorher war ich nur Gast, jetzt bin ich für das gesamte Design zuständig. Natürlich mache ich das nicht alleine sondern habe eine Team, welches mich unterstützt. Ich stelle jede Saison ein klares Konzept und eine Design-Strategie zusammen. Damit gebe ich den Designern eine bestimmte Richtung vor, wohin ich mit der Marke gehen will.

Die «Remade»-Kollektionen wurden im jeweiligen Gastland, also in England oder der Schweiz, hergestellt. Wo produzieren Sie die Kollektionen für Victorinox?
Natürlich würden wir gerne alles in Europa produzieren. Die Realität sieht leider anders aus. Die Messer, Uhren und andere Produkte werden weiterhin dort entwickelt und hergestellt. Unsere funktionale Kleidung produzieren wir in Asien, weil sie die Technologie und die richtigen Stoffe vor Ort haben. 

Welches sind Ihre Lieblingsteile aus der Frühling/Sommer-Kollektion 2014?
Der Travel Blazer gehört zu meinen absoluten Lieblingsstücken. Er ist elegant und dank modernster Technologie super funktional. Man kann damit vom Flieger direkt zur Arbeit und wirkt nicht so, als wäre man gerade aufgestanden (lacht). 

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