Karriere-Interview Yasmin Sewell, Consultant

Acne, Christopher Kane, Nicholas Kirkwood und J. W. Anderson – alles Labels für deren Erfolg Yasmin Sewell mitverantwortlich ist. Die Australierin gründete 2008 in London ihr Beratungsunternehmen für Mode, Design und Einzelhandel Yasmin Sewell LTD. 
yasmin sewell

Multitalent Yasmin Sewell

Mit ihrem einzigartigen Gespür für neue Designtalente hat sich die 37-Jährige einen Namen gemacht und sich einen Platz in der Front Row gesichert. SI Style verrät sie, was ein Designer braucht um erfolgreich zu sein und weshalb wir uns nicht wundern sollten, wenn sie eines Tages ein Alternativmedizin Zentrum eröffnet. 

SI Style: Yasmin, wenn ich versuche eine Bezeichnung für Deinen Beruf zu finden, scheitere ich. Kannst Du mir helfen?
Yasmin Sewell: Oh Gott – das kann ich auch nicht! Ich kann Dir kein Wort nennen, nicht mal einen Satz, der meinen Job passend beschreibt. Aber ich versuch’s mal so: Ich bin die Chefin von Yasmin Sewell LTD und wir beraten Designer und Händler, kleine und grosse, im Bezug auf Einzelhandel, Kreativität und Trendrichtungen. Unsere Kunden sind sehr unterschiedlich und wir stimmen unser Angebot auf jedes Projekt einzeln ab. Dadurch ist meine Arbeit unglaublich vielfältig, was es unmöglich macht, diesen alles umfassenden Begriff zu finden, der meinen Job beschreibt. 

Das klingt, als hättest Du Dir Deinen eigenen Traumjob kreiert?
Ich liebe aufrichtig, was ich tue, und vor allem liebe ich, dass jeder Tag anders ist, als der davor, und immer neue Herausforderungen mit sich bringt. Die Unterschiedlichkeit der Unternehmen und Märkte mit denen wir arbeiten ist ein grosser Vorteil für uns als eine Firma.

Was wolltest Du als kleines Mädchen werden?
Helikopterpilotin. Man kann nie wissen, das Leben ist lang.

Welche Person hatte den grössten Einfluss auf Deine Karriere und weshalb?
Das ist wahrscheinlich Jemma Dyas, meine Senior Beraterin, die mit mir für jedes Projekt zusammenarbeitet. Wir führen uns gegenseitig durch alle unsere Beratungstätigkeiten und verstehen uns sehr gut miteinander. Das macht unsere Zusammenarbeit einfach und erfreulich – vor allem dadurch auch, dass sich unsere Fähigkeiten gegenseitig ergänzen.

Welche Person hatte den grössten Einfluss auf Dich als Mensch?
Da gibt es einige Leute, die mich auf eine spirituelle Ebene gebracht haben. Zwei davon sind mein Meditationslehrer Gary Gorrow und eine hervorragende Kinesiologin und Heilerin, Jane Vukovic.

Welche Bedeutung hat Meditation für Dich?
Ich meditiere bereits seit einem Jahrzehnt regelmässig. Es ist ein fester Bestandteil meines Lebens und hilft mir meinen Kopf zu lüften und meinen Körper zu entspannen. Meditieren ist ein kleiner Zeitaufwand aber der positive Effekt ist riesig für mich.

Was hat Dich dazu gebracht, Deine eigene Firma zu gründen?
Wie man so schön sagt: «Entweder Du bist ein Arbeitnehmer oder ein Arbeitgeber». Ich bin, und war schon immer, definitiv das Letztere. Ich geniesse die Freiheit in jedem Aspekt meines Lebens und es ist mir wichtig die Möglichkeit zu haben meine eigenen Entscheidungen zu fällen.

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© Art of Wore

2008 gründet die Australierin in London ihr Beratungsunternehmen für Mode, Design und Einzelhandel Yasmin Sewell LTD.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?
Die meisten unserer Kunden sind vertraulich und wir nennen selten Namen bevor das Projekt zu Stande gekommen ist. Ich kann so viel verraten, dass wir an einer neuen Website arbeiten, die den Bereich des «Custom Made» in der heutigen Zeit revolutioniert. Daneben übernehmen wir die kreative Leitung für ein Modelabel und beraten das Einkaufsteam eines Multi Brand Stores. Das Beste an unserem Arbeitsumfeld ist, dass es immer international ist. Das garantiert, dass wir quer über mehrere Kontinente hinweg arbeiten, was uns wiederum vertraut macht mit den unterschiedlichsten Märkten dieser Welt. Dadurch entwickeln wir uns als Team mit jedem Auftrag weiter und erlangen die Fähigkeit, unseren Kunden immer wieder mehr zu bieten.

Als Australierin in Europa: Wieso hast Du Dich für London als den Ort, wo Du arbeitest und lebst, entschieden?
London ist einfach so passiert, ohne dass ich mir gross Gedanken gemacht hätte. Es kam alles sehr spontan und wenn ich genauer darüber nachdenke, gibt es eigentlich nichts an meinem Charakter, das typisch englisch ist! Aber aus irgendeinem Grund passt es für mich. London ist der Ort, wo ich meine Grundsteine gelegt habe mit meinem ersten Shop Yasmin Cho in meinen frühen Zwanzigern. Hier bin ich mit meiner eigenen Geschichte fortgefahren, hier habe ich mein Leben aufgebaut und ebne den Weg für meine nahe Zukunft.

Welches Australische Label sollten wir im Auge behalten?
Ich finde Christopher Esber sehr interessant. 

Du warst an Acne’s Durchbruch in Europa beteiligt. Wie kannst Du erahnen ob ein Label das Zeug zum internationalen Erfolg hat?
Immer wieder triffst Du auf jemanden, der über seine Zeitgenossen hinaus denkt. Leute, die auf einem anderen Level sind - ästhetisch und konzeptionell. Ihre Gedankenprozesse und die Fähigkeit, diese fortgeschrittenen Ideen umzusetzen, übertreffen den aktuellen Markt. Typischerweise sind das die Qualitäten, welche herausragen und das Potenzial zum Erfolg haben. Heute sind in der Branche auch zunehmend Designer gefragt, die wie Geschäftleute denken und nicht nur kreativ sind. Die Fähigkeit, den kommerziellen Markt zu verstehen, ist ein wichtiger Aspekt um erfolgreich zu sein.

Welche Eigenschaften haben Dich denn erfolgreich gemacht?
Instinkt und Leidenschaft, sicherlich! Den richtigen Menschen zu vertrauen, und den falschen. Ich glaube daran, dass man seine Lektionen lernen muss. Dass ich immer an mich selbst geglaubt habe, hat sicher zum Erfolg beigetragen. Und am wichtigsten: Ich mag Menschen und ich mag es, mit Menschen Kontakte zu knüpfen. Meine Risikobereitschaft und mein Geschäftssinn haben eine wichtige Rolle gespielt um meine Position in der Branche voranzutreiben. Du kommst in dieser Welt nirgendwo hin, wenn du zögerlich und zurückhaltend bist.

Gab es jemals eine Zeit, in der Du von der Modebranche genug hattest und etwas komplett anderes machen wolltest?
Das denke ich andauernd! Nicht, weil ich Mode nicht liebe, sondern weil ich die Zeit, die mir bleibt, möglichst vielseitg nutzen will und alles ausprobieren möchte. Einfach damit ich später zurückblicke und sagen kann: «Yep, dann bin ich ein Reiki Meister geworden und habe ein Alternativmedizin Zentrum eröffnet.»

Auf Streetstyle Bildern bist Du immer am Lachen – weisst Du wieso alle anderen immer so ernst blicken?
Ich lache, weil es peinlich ist! Es ist nicht so, dass ich in den vier Wochen zwischen New York und Paris mit einem konstanten Lachen auf meinem Gesicht herumlaufe.

Wie ist es in der Front Row zu sitzen?
Ich tendiere dazu, einfach die anderen Leute anzustarren.

Was machst Du, wenn Du Heimweh hast?
Ich koche libanesisches Essen. Das braucht viel Vorbereitungen, was es zu einer Art Ritual macht und mich entspannt. Wenn ich Zeit in der Küche verbringe, erinnert mich das an meine Grossmutter, die ich jeden Tag vermisse.

yasmin sewell
© Streetpeeper

Die selbständige Unternehmerin ist ein gefragtes Streetstyle-Motiv. 

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