Karriere-Interview Zanita Morgan, Bloggerin

Laut diverser Statistiken hat heute jeder 6. Erdbewohner einen eigenen Blog. Was so viele anstreben, hat sie bereits erreicht: Ihr Blog zählt rund 150'000 Besucher im Monat und hat Zanita Morgan zu internationaler Bekanntheit verholfen. Die 27-Jährige jettet um die Welt, modelt, stylt, fotografiert, und ist beliebtes Objekt der berühmtesten Street Style-Fotografen. Uns erzählt sie, wie es dazu kam – und wie es dabei bleibt.
Zanita Morgan
© GETTY IMAGES

SI Style: Model, Fotografin, Bloggerin – was genau ist Ihr Job? Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Zanita Morgan: Mein Job ist eine Kombination der dreien, alle Elemente tragen gleichermassen zu meinem Erwerb bei.

Sie sind auf einer Farm in den weiten Westaustraliens aufgewachsen. Was wollten Sie als kleines Mädchen werden?
Erst Meeresbiologin, dann Krankenschwester, Model, Sängerin, Schauspielerin ... Zwischenzeitlich wollte ich zur Armee! Bei mir hat sich alles irgendwie ergeben.

Wie kommt man von einem kleinen Kaff zum Modezirkus? Erzählen Sie uns von Ihrem Werdegang!
Geplant war das nicht! Ich habe die Uni abgebrochen und bin von Perth nach Sydney gezogen, um mein Glück als Model zu versuchen. Meinen Blog habe ich aus Langeweile heraus gestartet. Da ich nicht viel Gefallen daran fand, immer nur mich selber zu fotografieren, begann ich, befreundete Models abzulichten. So nahmen die Dinge ihren Lauf. 

Ihren Stil in wenigen Worten?
Bequem, unbeständig, eigen.

Hat sich Ihr Stil durch den Blog verändert?
Sicherlich, ja. Ich gehe heute um einiges überlegter vor, wenn es um die Wahl meiner Outfits geht, kleide mich nicht mehr nur nach Bauchgefühl, sondern recherchiere Trends und versuche diese auf meine Art umzusetzen.

Sie gehören zu der Handvoll Menschen, die von ihrem Blog leben können. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg? 
In meinem Heimatland Australien war ich eine Art Blogger-Pionierin, bin länger dabei als die meisten anderen. Meine Zeit als Model, das daraus entstandene Netzwerk in der Industrie und mein Händchen für die Kamera waren sicher ein grosser Vorteil. 

Haben Sie ein Team, das Sie unterstützt oder arbeiten Sie allein?
Für das Schiessen meiner Outfit-Fotos missbrauche ich eigenlich immer meine momentane Begleitung, egal wer. Für den administrativen Teil meiner Arbeit zähle ich jedoch auf die Hilfe von Agenten und Managern. Verhandeln ist nicht so meine Stärke, und mein Team ermöglicht es mir, mich ganz auf den kreativen Teil der Arbeit zu konzentrieren.

Blogs haben in den letzten Jahren unglaublich an Bedeutung gewonnen, ob das so bleibt ist jedoch ungewiss. Wie gehen Sie damit um? Wie und wo sehen Sie Ihre berufliche Zukunft?
Ich plane eigentlich nicht gross voraus. Das letzte Jahr war extrem abwechslungsreich und ich habe gelernt, stets das Unerwartete zu erwarten. Wohin der Blogger-Boom genau führt, kann ich nicht sagen. Es scheint mir jedoch, dass die meisten von uns das Bloggen als Einstieg in andere Berufslaufbahnen nutzen.

Dank Social Media weiss die halbe Welt, wann Sie wo sind, Sie was machen, wen Sie treffen. Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Selbstinszenierung? Wann Sind Sie unbeobachtet? Fühlen Sie sich nicht ein bisschen wie bei Big Brother?
Mal abgesehen von meinen Blogger-Freundinnen halte ich mein Umfeld und Privatleben aus meinem Online-Treiben raus. Ich glaube, es wäre mir zu intensiv, Privates mit Beruflichem zu mischen.

Ihr Modeblogger habt euch angeblich alle wahnsinnig gern: Wie viel davon ist wahre Liebe?
Für mich: alles! Blogger, mit denen ich oft zusammenarbeite – Jessica Stein (Tuula Vintage), Andy Torres (Stylescrapbook), Nicole Warne (Gary Pepper Girl) und Rebecca Laurey (Raspberry & Rouge) – gehören zu meinen engsten Freundinnen. Klar habe ich auch mit Leuten zusammengearbeitet, um an meinem Profil zu schleifen, aber das waren in jedem Fall Personen, deren Arbeit ich sehr bewundere. Rein strategische Kollaborationen zur Steigerung der Popularität reizen mich nicht. Das scheint mir ein bisschen seelenlos.

Wie viele der Kleider, die Sie auf Ihrem Blog tragen, gehören wirklich Ihnen?
Die Kleider, die ich trage, gehören alle mir. Lediglich während den Fashion Weeks leihe ich mir gerne was aus. Geschenke gibt's schon viele, zumindest in meinem Fall. Aber wenn es nicht so wäre, dann hätte ich auch gar nicht genug, um regelmässig Outfit-Posts zu schiessen! Gratiskleider hin oder her, das Wichtigste ist, dass Blogger ihrer eigenen Ästhetik treu bleiben!

Sehen wir in Ihren Outfit-Posts, was Zanita Morgan wirklich auf der Strasse trägt, oder geht sie sich nach dem Fotoshoot schnell umziehen? Oder allgemein gefragt: Wie viel Ihres Alltags ist inszeniert?
Was meine Leser sehen, ist alles echt (ausser die High Heels, die tausche ich nach dem Shooting schon mal gegen flache Schuhe aus). Da meine Outift Posts-meist ungeplant entstehen, wäre etwas anderes gar nicht möglich. Glücklicherweise muss ich mich selber nicht jeden Tag fotografieren lassen und kann drum meine Outfits öfters mal wiederholen und schon auch mal etwas rein Bequemes tragen.

Heute New York, morgen Paris, übermorgen Hongkong. Sie reisen um den ganzen Globus. Wie viele Ihrer Reisen bezahlen Sie selbst?
In letzter Zeit war ich tatsächlich wahnsinnig viel unterwegs, gar ein bisschen zu viel, vielleicht. Das unentwegte Reisen ermüdet und erschwert es, Beziehungen zu Hause ausreichend zu pflegen. Ich bezahle etwa die Hälfte meiner Trips aus der eigenen Tasche, der Rest wird mir von Kooperationspartnern finanziert.

Welches ist der Ort, wo Sie sich am ehesten zu Hause fühlen? Und was vermissen Sie, wenn Sie nicht in Australien sind?
Ich fühle mich eigentlich nirgendwo wirklich zu Hause, einen festen Wohnsitz habe ich zurzeit gar nicht. Ich lebe aus meinen Koffern! Aber Amsterdam gefällt mir schon wansinnig gut und ich habe tolle Freunde dort. Australien vermisse ich eigentlich nie und spiele eh schon seit längerem mit dem Gedanken, nach Europe zu ziehen.

Wer sind Ihre Stilinspirationen?
Diane Kruger! Ich wünschte, ich wäre so stilvoll und elegant wie sie. Mal abgesehen von den oben genannten Blogs meiner Freundinnen, finde ich ausserdem Inspiration bei Fashion Squad, Camille Over the Rainbow, Harper and Harley, Angelica Blick und Kayture.

Und in punkto Fotografie: Was erregt Ihre Aufmerksamkeit? Was lässt Sie auf den Auslöser drücken?
Mich faszinieren Menschen, die sich mit Selbstbewusstsein bewegen, ihren Körper kennen und ihn gekonnt in Szene zu setzen wissen. 

Wo shoppen Sie?
Unter anderem bei Farfetch, MatchesfashionEnes oder Stylestalker.

Das Projekt, auf das Sie am meisten stolz sind?
Das dürfte dieses hier sein.

Das Highlight Ihrer bisherigen Karriere?
Mein Engagement als Gastredaktorin für Nordstrom während der letzten Fashion Weeks SS14.

Was raten Sie anderen Mädchen, die eine ähnliche Karriere anstreben?
Findet eure eigene Stimme, seid informiert, arbeitet hart.

Das Must-Have für SS 14?
Alles in Pastell-Rosa.

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