Zeitgeist Wolfgang Joop

Der designer ist ein unermüdlicher tausendsassa: In Potsdam macht er Mode, die in Paris gezeigt wird. Möbel gibt es von ihm auch. 
Wolfgang Joop
© Elisabeth Moch

Wolfgang Joop

SI Style: Wo feierten Sie Ihren 20. Geburtstag? 
Wolfgang Joop: Ich befürchte, es war in Braunschweig, wo ich Abitur gemacht habe und studierte.

Wie hoch war Ihr erster Stundenlohn?
50 Deutsche Mark fürs Modellstehen mit einer Rollei-Kamera in der Hand.

Was ist am längsten in Ihrem Besitz?
Ein Gemälde von Ralph Peacock. Es zeigt eine rothaarige Irin am Strand, mit Leopardenfell um die Hüften gebunden. Auf der Rückseite steht: «She is a rose, a lily, a serpent and a handful of clay.»

Welche Zeit würden Sie gern bereisen? 
Die Weimarer Republik in Berlin.

Ihr Held, Ihre Heldin in der Geschichte? 
Jede Mutter und jeder Vater, die ihr Kind durch den Krieg bringen.

Mit wem würden Sie gern einen Tag verbringen?
Mir fällt nur jemand für eine Nacht ein … 

Wann haben Sie das letzte Mal geweint?
I
ch weine schnell, wenns passt.

Was macht alt?
Zu weisse Zähne, zu junge Partner, zu viel Make-up und sich dauernd Gedanken über No-Aging zu machen. 

Verwenden Sie Anti-Aging-Produkte?
Was man mir empfiehlt, probiere ich aus.

Welchen Moment möchten Sie erneut erleben?
Den Mauerfall. Ansonsten lebe ich nach dem Motto «Don’t look back».

Welchen lieber nicht?
Momente der Unentschiedenheit, Mut­losigkeit, Hilflosigkeit (wie beim Abitur).

Wann vergessen Sie Ihre guten Manieren?
Habe ich welche?

Wie meistert man das Alter mit Stil?
Indem man sich Verrücktheiten leistet, an die man früher nicht zu denken wagte. 

Was schätzen Sie an unserer Zeit?
Die Mobilität und die Instanz der Medien.

Woran krankt unsere Zeit?
Der moderne Mensch hat verlernt, über das Wunder seiner Existenz zu staunen und in Demut zu danken.

Tragen Sie eine Uhr?
Ja, eine ungenaue Stahl-Rolex.

Ihre erste Berührung mit Mode?
Mit 14 bekam ich die «Vintage»-Kleider meines Grossvaters: getragen, oversized und repariert, aber einmalig! 

Das schönste Kleidungsstück, das Sie je besessen haben?
Eine Krokodillederjacke von Jitrois, die ich in den Neunzigerjahren in einem Secondhandladen gekauft habe. Sie stammte von Johnny Hallyday. 

Ein Fashion-Fauxpas, der Ihnen im Gedächtnis blieb?
Den begehe ich täglich und muss mich nicht erinnern.

Ihr Tipp für einen zeitlosen Look?
Entscheiden Sie sich für eine Farbe.

Wann ist man zu alt für gewisse Kleidungsstücke wie Hotpants, Mini?
Wenn man nicht mehr allein hinein- und hinauskommt.

Welche exzentrische Marotte haben Sie in den letzten Jahren kultiviert?
Ich tue so, als hätte ich den jeweils neuesten Bestseller schon gelesen.

Haben Sie sich schon einmal die Zukunft voraussagen lassen?
Ja, aber mein Urvertrauen ins Glück konnte nicht erschüttert werden.

Wolfgang Joop, 68, wurde in den Acht­zigerjahren mit Mode und Parfum bekannt. Später verkaufte er seine Namensrechte und gründete die Marke Wunderkind. wunderkind.com, neuewienerwerkstaette.at

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