10 Fragen an Annina Frey Die TV-Moderatorin über die Suche nach privatem und beruflichem Glück

Die Kamera liebt sie. Und sie liebt die Kamera. Aber Annina Frey beendet die Lovestory – damit eine neue beginnen kann.
Annina Fey - Interview
© Peter Hauser / Style

Zum Interview kommt sie – bei eiskalter Bise – mit klatschnassem Haar. Sie sei noch beim Sport gewesen. Trotz ihrer Grösse von 1,76 Metern weckt sie Mutterinstinkte: Hoffentlich erkältet sie sich nicht! Annina Frey winkt ab. Das mache sie vier-, fünfmal die Woche so. Die «Glanz & Gloria»-Moderatorin ist es gewohnt, dass ihr ein kalter Wind entgegenweht. Keine Fernsehlady polarisierte wie die 37-jährige Baslerin: zu dünn, zu schräge Outfits, zu schrill die Stimme. Nach elf Jahren auf Sendung ist nun Schluss mit den fiesen Kommentaren einiger Zuschauer, Durchschnittsalter 60. Annina hat gekündigt. Was eine Welle des Bedauerns ausgelöst hat. 

Style: Sie durften immer wieder die grössten Stars interviewen, von Daniel Radcliffe bis Robbie Williams. War es die richtige Entscheidung, so einen TV-Traumjob hinzuschmeissen? 
Annina Frey: Für mich schon. Der Abschied ist ein grosser Schritt und tut auch weh. Es gibt gerade einen riesigen Run von Bewerbern, alle wollen den Job, das stimmt mich schon nachdenklich. Ich gebe etwas auf, an das ich unglaublich viele schöne Erinnerungen habe. Aber um frei zu sein, muss ich diese Türe schliessen. Ich möchte mich weiterentwickeln und verlasse die Komfortzone. Vielleicht hat es mit dem Älterwerden zu tun. Ich überlege, ob es nicht noch mehr gibt. Natürlich habe ich Existenzängste: Wie geht es weiter? Was soll ich machen? 

Ja, was machen Sie? 
Es gibt verschiedene Optionen, ich habe das eine oder andere Angebot. Schon aus finanziellen Gründen brauche ich eine neue Arbeit. Ein halbes Jahr auf Weltreise zu gehen, kann ich mir momentan leider nicht leisten. 

Müsste es denn wieder eine Tätigkeit im Rampenlicht sein?
Ich kann mir nicht vorstellen, nie mehr zu moderieren. Eine eigene Sendung fände ich cool. Wie «Schulz in the Box». Olli Schulz lässt sich auf Pro Sieben in einer Holzbox irgendwohin verfrachten in ein Milieu, das ihm gänzlich fremd ist. Das wäre perfekt für mich, ich liebe solch verrückte Herausforderungen. 

In der rosa «G & G»-Limousine begrüssten Sie Ihre Gäste mit der Frage: «Lieben Sie es, ein Star zu sein?» Wie ist das für Sie, sind Sie gern prominent?
Es ist toll, hat aber auch Schattenseiten. Natürlich ist es schön, wenn man an Events auf den roten Teppich eingeladen wird, aber solche Einladungen sind nun wohl passé. Weniger angenehm ist, dass alle glauben, mich zu kennen, und eine Meinung über mich haben. Ich werde als Glamour-Tussi eingeschätzt, die morgens schon gestylt aus dem Bett fällt, nur in Fünfsternehotels übernachtet, schicke Autos fährt und superviel verdient. 

Annina Frey
© Peter Hauser / Style

So ist es nicht? 
Natürlich nicht. Ich musste mich immer beweisen. Mir fiel nicht alles in den Schoss, aber wenige sehen, wie viel ich geleistet habe, um überhaupt so weit zu kommen. Zehn Jahre lang war ich auch Hausmodel von Akris. Nach einer Stunde joggen morgens um sechs fuhr ich nach St. Gallen zu Akris, danach direkt von da ins Fernsehstudio, um die Sendung vorzubereiten. Oft war erst nach neun Uhr am Abend Schluss. Bis 35 bin ich nicht ein einziges Mal in Zürich ausgegangen, ich hatte ständig so viel zu tun. Und immer wieder schlugen mir negative Wellen entgegen. Ich zweifelte oft. 

Ihre Gäste waren auf jeden Fall begeistert, Schlagerstar Costas Cordalis hat Sie auf den Mund geküsst …
Das war definitiv nicht mein schönster Kuss! Ich musste danach ständig auf sein geglättetes Gesicht starren. Ein Desaster war auch die Begegnung mit Hugh Grant. Der Engländer war richtig schlecht drauf, da habe ich ihn ein wenig provoziert – wir sind schliesslich kein Streichelzoo. Das kam gar nicht gut an, ich befürchtete sogar, er laufe mir davon. 

Das bringt uns auf ein anderes Thema: Was halten Sie von der #metoo-Debatte? 
Ich erachte es als extrem wichtig, dass diese Diskussion losgetreten wurde und man darüber spricht, wie unverschämt gewisse Männer ihre Macht Frauen gegenüber ausnutzen. Damit muss endgültig Schluss sein! Aber manchmal wird auch übertrieben. 

Haben Sie selbst schon ausbeuterische Situationen erlebt? 
Ja, etliche! Vor allem als junges Model. Meistens mit Fotografen, die Fotos von mir wollten. Einer cremte mir einmal die Beine vor dem Unterwäsche-Shooting ein und versuchte, mich an meinen intimsten Stellen zu betatschen. 

Wie haben Sie reagiert? 
Ich habe ihn zusammengestaucht. Er meinte bloss, er sei ja nur am Cremen. Als Teenager zweifelt man noch an sich: «Vielleicht sehe ich da etwas falsch?» Einer wollte Polaroids machen für eine Agentur, hat er auch nicht schlecht hingekriegt, aber er drängte auf einem Parkplatz im Auto darauf, dass ich mich für Aktfotos ausziehe. Das war wahnsinnig unangenehm. Er hörte nicht auf, und ich bekam Angst, dass er ausfällig wird. Aber ich weigerte mich standhaft. Damals war man für solche Situationen noch nicht sensibilisiert. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass hier eine Grenze massiv überschritten wird. Ich war naiv, dachte, das war jetzt eine blöde Erfahrung, und schaute zu, dass ich mit diesen Ekeltypen nie mehr etwas zu schaffen hatte.

Deshalb ist die Debatte so wichtig: Gerade junge Mädchen müssen lernen, sich sofort zu wehren. 
Sollte ich eines Tages eine Tochter haben, werde ich ihr als Erstes beibringen, Nein zu sagen. Ich hatte zwei, drei Mal Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist. 

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