«Privé» mit Zoe Torinesi «Am liebsten stehe ich am Herd»

Die Moderatorin tauscht das Mikrofon immer öfter gegen einen ­Kochlöffel aus. Für die richtige Würze im Leben sorgen ihr Freund und ihre Familie. 
Zoe Torinesi in privater Küche
© Zoe Tempest

Zoe Torinesi in ihrer privaten Küche. Der schwarze Overall ist von Mango, die Uhr von Casio.

Fürs Krönchen hatte es damals, vor neun Jahren, an der Miss-Schweiz-Wahl nicht gereicht. Dem trauert die 33-jährige Zoe Torinesi allerdings nicht nach. Heute trägt sie sowieso lieber ein Häubchen auf dem Kopf. Auf ihrer Website Cookinesi liefert sie Rezeptideen für die schnelle, gesunde und unkomplizierte Küche. So wie italienisches und Schweizer Blut durch ihre Adern fliesst, mischt sie mediterrane und typisch schweizerische Zutaten. «Am Morgen freue ich mich immer, wenn ich in die Küche kann. Am liebsten stehe ich am Herd», sagt sie. Daneben moderiert sie weiterhin die Sendung «Oisi Chuchi» auf 4+, diverse Anlässe wie den Swiss Nightlife Award oder das Zurich Film Festival und posiert als Unterwäschemodel.

SI Style: Unterwäschemodel und gleichzeitig Köchin aus Leidenschaft – bitte verraten Sie uns, wie das geht!
Zoe Torinesi: Ich habe grosses Glück und nehme von Natur aus nicht so schnell zu. Aber wie jede Frau über dreissig muss ich etwas für die Figur tun. Ich esse alles, und zwar voller Freude, aber ich schöpfe eher kleine Portionen. Vor einem Dessous-Shooting übe ich noch mehr Zurückhaltung. Sport ge­­hört natürlich auch dazu, gern draussen joggen oder rollerbladen.Und kürzlich entdeckte ich Tanzvideos im Internet, zu denen man zu Hause schön im Verborgenen mitmachen kann. Das macht unglaublich viel Spass!

Wer sind die Leser von Cookinesi?
Von der Hausfrau zum Banker alle, die sich fürs Kochen interessieren. Altersmässig beginnt es ungefähr mit zwanzig, sobald man einen eigenen Haushalt führt. Im Moment besuchen rund zehn Prozent mehr Männer meine Seite.

Das liegt wohl an der schönen Köchin?
Das glaube ich nicht, weil ich darauf achte, dass das Essen im Vordergrund steht und es appetitliche Fotos gibt.

Seit vier Jahren moderieren Sie im TV auf ­4+ die Kochsendung «Oisi Chuchi». Ist Ihre Site keine Konkurrenz dazu?
Überhaupt nicht. Ich habe auch schon gefragt, ob ich ein Rezept bei mir draufstellen darf. Das ist dann gleichzeitig Werbung, also eine Win-win-Situation.

Wie kommen Sie auf neue Rezepte?
Schon als Teenager begann ich im Kochbuch «Tiptopf» jene Gerichte zu mar­kieren, die ich besonders mochte und nicht vergessen wollte. Gerne erinnere ich mich an den Kochunterricht in der Schule. Am meisten Inspiration liefert mir aber meine Mutter, sie ist eine begnadete Köchin. 

Wie viele Kochbücher besitzen Sie?
Gar nicht so viele. Ich recherchiere vorwiegend im Internet und lese einschlägige Blogs. 

Dort ist das Essen meist besonders gluschtig dargestellt, «Foodporn» ist in aller Munde. Finden Sie, dass Essen andere sinnliche Tätigkeiten ersetzen kann?
In einem Artikel stand, dass sich die Leute an Kochsendungen aufgeilen, während sie sich selbst alles verkneifen. Diese Auslegung finde ich zu weit hergeholt. Natürlich ist Kochen etwas Sinnliches, aber es hat nichts mit Erotik oder Sex zu tun.

Aber haben Sie schon mal ein gutes Essen dem Sex vorgezogen?
(Überlegt kurz und schmunzelt.) Ich glaube, ich wurde noch nie vor die Entscheidung gestellt. Zu einem schönen Abend gehört hoffentlich beides.

Schreibtisch mit Kochbüchern und Tasse
© Zoe Tempest

Im Cookinesi-Notizbuch werden Ideen festgehalten, von Rezepten bis zu möglichen Kollaborationen. Die Tasse erinnert an die letzten Ferien auf Bora Bora bei Freundin Fabienne Bratschi.

Was ist das Komplizierteste, was Sie je zubereitet haben?
Indisch finde ich sehr komplex, wegen der vielen exotischen Gewürze.

Haben Sie sich schon mal in der Dosierung verhauen?
Das ist nicht so mein Problem. Ich bin vorsichtig mit Salzen und Süssen und verfechte «weniger ist mehr», so kann jeder individuell nachwürzen.

Ihr schlimmstes Malheur in der ­Küche?
Vor etwa vier Jahren, als mein Freund und ich frisch zusammen waren, lud ich seine ganze Familie zum Essen ein. Ich machte Poulet im Ofen. Leider wurde es völlig trocken, die Kartoffeln waren zu weich gekocht – eine Blamage!

Viele Köche verderben den Brei. ­Lassen Sie sich von anderen drein­reden?
Ich habe nichts gegen Gesellschaft, die Hierarchie muss aber klar aufgeteilt sein. Entweder ich bin der Chef, und jemand arbeitet mir zu, oder jemand anderes gibt den Ton an, und ich gebe den Handlanger. Aber wenn mir jemand ungefragt dreinwürzt, macht mich das rasend.

Wenn Sie sich allein verköstigen, wie aufwendig ist dann das Mahl? 
Dann gibt es oft etwas Einfaches, einen Salat mit Käse und Früchten oder einen Gemüsegratin, das geht ruckzuck. Und manchmal kommt es vor, dass ich eine Fertig-­Lasagne in den Ofen schiebe.

Ah ja?
Es gibt eine besonders feine bei der Migros, die gönne ich mir ein- bis zweimal pro Jahr. Und alle paar Schaltjahre gehe ich zu McDonald’s.

Jetzt sagen Sie bloss, dass Sie sogar Pizza bestellen?
Oh nein, gelieferte Pizzas schmecken meist nach Karton. Ab und zu nach einer langen Partynacht – was nicht mehr so oft vorkommt – gönne ich mir einen deftigen Döner. Generell achte ich aber darauf, nicht allzu viel Fleisch zu essen. Wenn, dann soll es aus artgerechter Haltung stammen. Aber ich möchte keinen militanten Kurs fahren, was das Essen anbelangt, sondern eine gesunde Küche anpreisen, ohne den Finger zu heben. 

Was kommt bei Ihnen am häufigsten auf den Teller?
Pasta, und ich mag Salat, den ich schnell und unkompliziert pimpe, zum Beispiel mit Granatapfelkernen oder angebratenen Pilzen.

Was findet sich immer in Ihrem Kühlschrank?
Ein Aigle les Murailles, Gemüse, Feta­käse (die Light-Variante), Kaffeerahm.

Liebe geht durch den Magen. Muss ein Mann Sie bekochen können?
Egal ob Mann oder Frau, es ist schön, wenn mans kann. Das bietet einfach einen hohen Mehrwert.

Ihr Freund ist DJ. Sind Sie jedes Wochenende auf der Gasse?
Ich suche mir sorgfältig aus, wann, wo und wie oft ich ausgehe. Der Sommer wird sicher wieder intensiver in Sachen Party, denn mein Freund legt oft auf Ibiza auf. Ich mag die Strandpartys tagsüber, die um Mitternacht vorbei sind, sodass man vom nächsten Tag noch etwas hat.

Führen Sie ein Landleben?
Eines zwischen ländlich und urban. Hier im Aargau spiele ich gern mit der Nichte meines Freundes und geniesse die Zeit mit meiner Familie, die in der Nähe lebt. In Zürich treffe ich viele Leute und geniesse den Ausgang. Meine Kinder sollen auf dem Land aufwachsen, damit sie auf der Wiese herumtollen, eine Baumhütte bauen und sich dreckig machen können.

Sind denn Kinder schon in Planung?
Es ist definitiv ein Thema, wir sind ja beide Italos und räumen der Familie einen hohen Stellenwert ein.

Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern mitgeben?
Respekt – sich selber gegenüber, dass man nicht alles mit sich machen lässt und hinter dem stehen kann, was man tut. Respekt aber auch anderen Menschen, Tieren und der Umwelt gegenüber. 

Was macht Ihnen Angst?
Puh, viele Dinge! Die Wirtschaftskrise! Als Selbstständige kann ich nur hoffen, dass es weiterhin so gut läuft wie bis anhin. Meine Sorgen treiben mich aber auch an. 

Sind Sie sparsam?
Nicht übertrieben, aber in Bezug auf Geld bin ich gut organisiert. Ich habe eine dritte Säule, lege Ende Jahr das Geld für die Steuern auf die Seite. Ich möchte eine gewisse Sicherheit haben.

Welchen Luxus leisten Sie sich?
Guten Wein, erstklassiges Fleisch und besten Fisch, Massagen, Maniküre, Gesichtspflege. Und Restaurantbesuche, etwa im «Weissen Kreuz» in Zürich oder im «Salzhaus» in Solothurn. 

Schreiben Sie Ihre Träume immer noch auf? 
Nein, leider nicht. Gerade kürzlich habe ich in meinem alten Traumbuch gelesen. Ich sollte wieder damit beginnen.

Ihr verrücktester Traum?
Ich war in einem Raum mit jemandem aus Solothurn, den ich ewig nicht mehr gesehen hatte, und trug Turnschuhe, die sich plötzlich wie Heissluftballons aufbliesen, bis ich kopfüber im Raum schwebte. Es war ein lustiges Gefühl, und ich realisierte die Absurdität der Situa­tion sogar im Schlaf.

In wessen Traum würden Sie gerne vorkommen?
Die Nichte meines Freunds ist ein Riesenfan von mir. Wenn sie mich kommen hört, ruft sie durchs ganze Treppenhaus «Zia Zoe!». In ihrem Traum würde ich gerne vorkommen, denn das wäre sicher sehr herzig.

In ihrem neuen Blog «Sale, pepe e pomodoro» auf SI online stellt Zoe Torinesi feine und einfache Rezepte vor und präsentiert News und Kurioses aus der Kulinarik-Welt.

Auch interessant