A Personal Note From Jan Delay «Ganz ehrlich? Ich habe E.T. nie vermisst»

Der Hamburger Jan Philipp Eissfeldt alias Jan Delay hatte nach der Veröffentlichung seiner Rockplatte im Frühjahr erstmals mit Gegenwind zu kämpfen. Im Interview spricht der näselnde Barde und hauptberufliche Ästhet über ätzende Kritik, rosa Anzüge und Filmklassiker, die er noch nie gesehen hat.
A Personal Note From Jan Delay
© Lukas Maeder

Jan Delay aufgenommen von Lukas Maeder in Zürich.

SI Style: Jan, die Reaktionen auf dein aktuelles Album «Hammer & Michel» waren gelinde gesagt gespalten. Den Ausflug in den Rock haben Dir viele Kritiker nicht verziehen. Wie hast Du das weggesteckt? 
Jan Delay: Das war schon sehr ätzend. Ich hab die Kritik sehr persönlich genommen. Es kam mir so vor, als hätten da ein paar Leute nur drauf gewartete, dass ich aus der Rap-, Reggae-, Funk-Ecke rauskomme und sie mich zerfleischen können. 

Live reiht sich dein Flirt mit der Rockmusik wunderbar ins Programm ein. 
Ja, find ich auch. Man kann problemlos einen Reggae-Song spielen, dann einen Rock-Song, dann einen Rap-Song, dann wieder einen Rock-Song oder nochmal was Anderes. Es hat natürlich auch viel damit zu tun, dass das alles Stile sind, die zum mir und meiner Band passen. Das repräsentiert meinen Geschmack.

Der Jan-Delay-Stil ist ein Mischmasch. Nie mit dem Reinrassigen geliebäugelt?
Nein, auf gar keinen Fall.

Dein Lokalpatriotismus ist legendär. Du hast schon etliche Songs über deine Heimatstadt Hamburg geschrieben. Welche darf man nicht vergessen?
«City Blues» von den Beginnern. Ganz unbescheiden gesagt, ist das ein sehr guter Hamburg-Song. «Auf der Reeperbahn» von Hans Albers und «Hamburg ist meine Perle» von Lotto King Karl gehören auch in die Reihe.

Was kommt denn als Nächstes? Was kommt nach Rock?
Hundert Zürich-Songs. Nee, danach kommt jetzt erstmal ne Beginner-Platte. Da arbeiten wir schon eine ganze Weile dran. Was Jan Delay dann macht, das weiss ich noch nicht.

Könnte das dann auch mal Richtung House oder EDM gehen?
Das hab ich vor ein paar Jahren mal ausprobiert. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht meine Welt ist. Ich müsste mich da zwei, drei Jahre voll drauf einfuchsen. Und das ist es mir dann auch nicht wert. Aber ich mach gerne den Gastsänger auf guten Dance Tracks.

Jan Delay trägt immer Anzug, Jan Eissfeldt nie. Geht das Überstreifen des Anzugs mit einer Transformation einher?
Ja, das ist schon ein Akt. So wie bei Superman, der in sein Kostüm schlüpft. Nur bin ich dann halt nicht Superman, sondern Superjan Delay.

Aber der Rapper Eissfeldt, der braucht diese Kleidung nicht?
Nee. Der legt zwar Wert auf seine Kleidung, hat aber ganz andere Codes. 

A Personal Note From Jan Delay
© Lukas Maeder

«Ich bin nicht Superman, sondern Superjan Delay.»

Wann hat Dir Musik das erste Mal richtig Eindruck gemacht?
Ich bin mit Musik gross geworden. Mein Vater ist ja auch Musiker. Das muss also irgendwann im Proberaum von einer seiner Bands gewesen sein. Vielleicht beim Kamikaze Orkester mit Comedians wie Piet Klocke. Oder bei Tuten & Blasen, der ersten Marchingband in Hamburg. 

Deine erste Erinnerung ans Musikmachen?
Ich war fünf oder sechs und sollte nach Vorstellung meiner Eltern Klavier spielen lernen. Aber ich hatte viel mehr Bock auf Schlagzeug. Irgendwann hab ich dann eins bekommen. Von einem Bekannten meiner Mutter. 

Hattest Du Talent?
Schwer zu sagen. Jedenfalls hab ich später rausgekriegt, dass das Udo Lindenbergs Schlagzeug war. Er war mit der Schwester dieses Bekannten zusammen. Heute sind wir befreundet und machen zusammen Musik. So schliesst sich der Kreis. Aber noch intensiver ist in dem Zusammenhang die Erinnerung an etwas Anderes: Man trifft sich mit ein paar Kumpels, gründet eine Band und gibt ihr einen Namen: Absolute Beginner.

Der glamouröseste Moment deiner bisherigen Karriere?
Das letzte Konzert auf der «Kinder vom Bahnhof Soul»-Tour auf der Traprennbahn in Hamburg. Ich glaube, das war 2011. Und dann, im selben Jahr, unser Auftritt in der Pause vom Eurovision Songcontest. Das war auf jeden Fall sehr glamourös.

Der unglamouröseste Moment? 
Die «Bild»-Schlagzeile mit Heino. Nein stopp, ich nehme das zurück: Der erste Auftritt mit der Sam Ragga Band. Das war 1996, im Hamburger Molotov. Das war unglamourös.

Unprofessionell oder unglamourös?
Sowohl als auch. 

Dein Lieblingsmoment eines Jan-Delay-Konzerts?
Da gibt es tausende. Sorry, da kann ich nicht einen Moment rauspicken. 

Manche Künstler sagen, es sei der Moment, in dem sie die Bühne verlassen und sagen können: Job done.
Ja das ist oft ein toller Moment. Da fällt vieles von einem ab. Aber manchmal gibt es Momente während einer Show, die sind einfach noch geiler.

A Personal Note From Jan Delay
© Lukas Maeder

«Das modische Highlight meines bisherigen Lebens? Im weissen Anzug ans Festival in Wacken fahren.»

Was ist deine letzte Entdeckung in Sachen Musik?
Ich steh im Moment auf Afrobeats und karibischen Socca. Ich hör mir das über Podcasts und Internetradio an.

Das modische Highlight deines bisherigen Lebens?
Im weissen Anzug ans Festival in Wacken fahren – mitzuverfolgen im Videoclip zum Song «Wacken».

Würdest Du da eigentlich auch privat hinfahren?
Ja, aber dann würde ich mir etwas Anderes anziehen. Einen rosa Anzug zum Beispiel. 

Gibt es ein Ritual vor den Auftritten von Jan Delay?
Ja, wir machen immer eine Besprechung, gehen die Reihenfolge der Songs durch und so. Dann machen wir «Fistbumps», drücken unsere Fäuste aufeinander und machen «böööppp!» und übertragen uns gegenseitig Energie. 

Klingt nach einem «E.T.»-Moment.
Ja, stimmt. Aber der macht es mit dem Zeigefinger. Das weiss ich, obwohl ich den Film nie gesehen habe.

Du hast «E.T.» nie gesehen?
Nee, keine Zeit gehabt bis jetzt. Ich hab auch andere Klassiker nie gesehen. «Titanic» zum Beispiel. Oder «Avatar». Und ganz ehrlich: Ich hab das bisher auch nicht vermisst. 

A Personal Note From Jan Delay

Die «Personal Note from Jan Delay»: «Mein Lieblings-Reim aller Zeiten».

Die Interviewserie «A Personal Note From ...» ist ein Gemeinschaftswerk von Journalist Adrian Schräder und Fotograf Lukas Mäder. Im 2-Wochen-Rhythmus treffen sie dafür kreative Menschen aus den verschiedensten Bereichen. Den Abschluss jedes Gespräches bildet die «Personal Note»: Auf einem weissen Papier halten die Interviewten einen Gedanken handschriftlich fest.

Im Dossier: Alle «A Personal Note From» Interviews.

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