Kinotipp: «Youth» Altersweisheit und Jugendwahn

Mit «Youth» läuft der vielleicht schönste Film des Jahres an. Paolo Sorrentino entfaltet vor der Alpenkulisse in Flims sein kleines Welttheater.
Auf der Pirsch: Michael Caine und Harvey Keitel

Auf der Pirsch: Michael Caine und Harvey Keitel.

 

Schönheit vereint mit Philosophie und Tiefgang, das haben wir schon in Terrence Malicks «Knight of Cups» serviert bekommen. Bei Paolo Sorrentino («La grande bellezza») kommen jetzt noch Humor, Ironie und eine Prise Bosheit ins Spiel. Der italienische Oscar-Preisträger beobachtet eine bunt gemischte Schar von Kurgästen, die im Waldhaus Flims die ewige Jugend, den Sinn des Lebens, Inspiration oder einfach ein bisschen Ruhe suchen.

Wie einst Stadler und Waldorf aus der Muppet Show beurteilen Fred und Mick gnadenlos ihre Mitmenschen.
© Frenetic Film

Wie einst Stadler und Waldorf aus der Muppet Show beurteilen Fred und Mick gnadenlos ihre Mitmenschen. 

Da sind die beiden alten Freunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel), die ihre Melancholie und ihre Altersgebresten hegen und hätscheln wie Hauskatzen und ablästern wie die beiden Kichergreise Waldorf und Statler aus der Muppet-Show. Da ist die verlassene Ehefrau (herrlich hysterisch und verbissen: Rachel Weisz) und ihre junge Konkurrentin (Paloma Faith). Da ist eine Gruppe Drehbuchautoren, die Inspiration für ihr Skript sucht und da ist ein Jungstar (Paul Dano), der sich auf seine Rolle als Hitler vorbereitet. Ausserdem mit dabei im kuriosen Reigen: der Abgesandte der Queen, der Fred zu einem letzten Auftritt als Dirigent überreden will. Ein Paar, das sich hartnäckig anschweigt und nur beim Open-Air-Sex im Wald Töne von sich gibt, ein aufgedunsener, linkshändiger Fussballgott, der auf dem Tennisplatz Hackisack spielt, die Miss Universe, die noch mehr Köpfchen als Kurven hat und Jane Fonda, die quasi sich selber spielt. All diesen Figuren zuzuhören, wenn sie über die grossen Fragen des Lebens und die Unzulänglichkeiten des Alltags debatieren, ist ein Vergnügen. Viele der Dialoge setzen kleine Widerhaken im Gehirn fest, an denen man lange über den Film hinaus herumpulen kann. Und weil Sorrentino sein kleines Welttheater in den Bündner Bergen und im noblen Waldhaus in Flims ansiedelt, ist «Youth» neben einem intellektuellen Spass auch eine Augenweide. 

Vater (Michael Caine) und Tochter (Rachel Weisz) in Blues-Stimmung.
© Frenetic Film

Vater (Michael Caine) und Tochter (Rachel Weisz) in Blues-Stimmung.

Rachel Weisz spielt die Tochter des Dirigenten Fred (Michael Caine), die von ihrem Ehemann sitzengelassen wurde. Wir haben die schöne Britin interviewt und mit ihr über die Schweiz («Mir hat es Röschti angetan, so heisst doch diese Köstlichkeit aus Kartoffeln, nicht wahr?!»), über ihre Deutschkenntnisse («Pfui Teufel!» und «Jesses Maria und Josef»), über das Altern und Sterben («keiner freut sich darauf») und ihren Ehemann Daniel «James Bond» Craig gesprochen. Das Gespräch mit Rachel Weisz finden Sie in der kommenden Ausgabe von SI Style, nächste Woche am Kiosk. 

«Youth» startet heute am 10. September in unseren Kinos.

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