Buchtipps: «Kindeswohl» und «The Drop - Bargeld» Auf beiden Seiten vom Recht

Zwei Empfehlungen aus dem Hause Diogenes um brandaktuelle Themen: «Kindeswohl» von Altmeister Ian McEwan und «The Drop» von Denis Lehane. In beiden Romanen geht es um Moral, und Recht, Glauben und Gewissen. 
Die Richterin und die Halunken - zwei Neuheiten von Diogenes.
© Diogenes Verlag

Buchtipps aus dem Hause Diogenes: «Kindeswohl» und «The Drop - Bargeld»

Ian McEwan: «Kindeswohl» Diogenes

Was ist Recht, was ist richtig? Und wer diktiert, was richtig ist: Das Gesetz? Gott? (Wenn ja, welcher?) Das Gewissen? Fragen, die sich nach dem Gemetzel in Paris jeder stellt. Beantworten kann das kein Buch, Anregungen geben aber schon. Zum Beispiel der Roman von Ian McEwan: «Kindeswohl». Das Schwergewicht unter den britischen Autoren erzählt von einer Richterin am Londoner Familiengericht, die mit schwierigsten Verhältnissen konfrontiert ist: Kampfscheidungen, Kindsmissbrauch, Vernachlässigung, fanatisch religiösem Fundamentalismus. Zuhause erwartet ihr unzufriedener Macho-Gatte, dass sie seine Affäre nicht nur hinnimmt, sondern noch absegnet. Die integere, lebenskluge Lady versucht, in ihren Urteilen die Richtlinien des Gesetzes, ihre moralischen Vorstellungen und den gesunden Menschenverstand in Einklang zu bringen. Der «Booker»-Preisträger Ian McEwan setzt seine sympathische Protagonisten schwerem Druck aus. Sollte auch dieser Roman, wie so viele von McEwan, verfilmt werden, gäbe die eigenwillige Kristin Thomas-Scott die Idealbesetzung ab. Vom Altmeister gibt es übrigens ein früheres Meisterwerk, «Abbitte», in einer hübschen neuen Taschenbuch-Ausgabe, ebenfalls bei Diogenes. 

Dennis Lehane: «The Drop - Bargeld», Diogenes

Auf der anderen Seite des Gesetzes, nämlich bei den Bösewichten, spielt der Krimi «The Drop - Bargeld» des US-Autors Dennis Lehane. Auch er lieferte mit seinen hard-boiled-Krimis schon manche Steilvorlage fürs Kino: «Mystik River», «Shutter isalnd», «Gone Baby Gone», auch «The Drop» gibt's schon als Leinwandadaption. Glücklich für einmal, wer den Film verpasst hat, den erwartet eine Story, schnell, schnörkellos und kontrastreich wie ein Schwarzweiss-Comic. Der Krimi spielt im Mafia-Millieu in Boston, Lehanes Heimat und Schauplatz der meisten seiner Bücher. Er zeigt, dass die bösen Buben auch zarte, liebenswerte Seiten haben: Etwa der Ex-Mobster Marc (im Film barock und gravitätisch wie immer James Gandolfini, eine seither letzten Rollen), der in seiner Bar (die Mafia als Depot und Geldwachanlage dient) dem Sonderling Bob (Tom Hardy) einen Job und eine Heimat bietet. Bob kümmert sich um einen Welpen, ein misshandeltes Kampfhund-Baby, das er in einer Mülltonne gefunden hat. Um Hund und Herrchen wiederum kümmert sich die mysteriöse Nadia (Noomi Rapace), die ihrem Prügel-Freund Eric (Matthias Schoenaerts) zu entkommen sucht. Ein harte, blutige Geschichte mit weichem Kern. 

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