A Personal Note From Bligg «Ich habe mich schon mit dem Sieg abgefunden»

In wenigen Tagen gilt es ernst: Bligg und Stress treten beim Red Bull Soundclash gegeneinander an. Zwei Bühnen, zwei Bands, zwei grosse Egos, ein Gewinner. Grund genug, den beiden die offizielle Eröffnung unserer neuen Interviewserie zu überlassen, die den Befragten mit analogen Porträts, einem Fragebogen-Teil und einem handschriftlichen Statement näher rückt. Gestern mit Stress, heute mit Bligg.
A Personal Note from Bligg
© Lukas Maeder

Bligg aufgenommen von Lukas Maeder in Zürich. Für uns zeichnete er Kontrahenten Stress.

SI Style: Bligg, am Samstag steigt der Soundclash. Wie laufen die Vorbereitungen?
Bligg: Auf Hochtouren! Ab Dienstag wird mit der ganzen Band geprobt. Wir gestalten das Bühnenbild, legen die Songs fest, proben die Abläufe. Ausserdem bin ich fleissig am Französisch lernen. 

Das Ganze ist schon ein wenig spezieller als ein normales Konzert, oder?
Auf jeden Fall! Der Aufwand für die Show ist enorm. Wir spielen ein paar unserer Songs in neuen Versionen. Da ich sehr experimentierfreudig bin, kommt mir das sehr entgegen. Und der Battle-Spirit schwingt natürlich ganz klar mit. Aber das ist für mich eher sekundär. 

Sekundär? Das klingt ja fast so, als hättest Du dich schon mit einer Niederlage abgefunden!
Ich habe mich eigentlich schon mit dem Sieg abgefunden. 

Was ist deine stärkste Waffe gegen Stress?
Ich glaube, ich kann seine Songs besser performen als er meine. Deswegen wird er versuchen, mit seiner «Isch kann nischt rischtig Deutsch spräschen»-Masche zu punkten. Das versucht er ja schon seit Jahren.

Stress hat gestern gesagt, seine stärkste Waffe sei Ehrlichkeit.
Das mag ihm ja in seiner Karriere helfen. Aber was bringt ihm Ehrlichkeit in einem Wettkampf wie diesem? 

Was ist deine Geheimwaffe?
Ich habe meine Band ein bisschen ausgebaut. Wir werden zwei, drei zusätzliche Musiker auf der Bühne haben. Das gibt uns mehr Freiheiten, was die Instrumentierung anbelangt.

Also kannst Du mehr Druck als Stress erzeugen?
Ziemlich sicher. Nicht zuletzt wegen meinem Soundmann Olson. Der ist sonst mit Seeed und Rammstein unterwegs.

A Personal Note from Bligg
© Lukas Maeder

«Rappen kann er, singen weniger.» 

Wie erwähnt, wirst Du am Soundclash auch zwei Stress-Songs covern. Was ist Dir daran aufgefallen?
Er weiss, wie man Songs schreibt. Er weiss, wie man die Wörter setzen muss, damit es flowt. Rappen kann er, singen weniger. 

Hat er Dich inhaltlich beeindruckt?
Inhaltlich habe ich nichts Neues entdeckt. Was mir aufgefallen ist: Er benutzt sehr viele Anglizismen. Das versuche ich in meinen Texten bewusst zu vermeiden. 

Was wird der Knackpunkt der Show?
Der heikelste Moment wird derjenige sein, wenn sich zeigt, wie viele Stress- und wie viele Bligg-Fans in der Halle sind. Das entscheidet über den Rest des Abends. Musikalisch sind wir beide auf dem Top-Level. 

Stress hat seine Mutter dabei. Wen bringst Du als Support mit?
Meine Familie und meine Freundin. Ausserdem den einen oder anderen Freund. Allerdings musste auch ich um jedes Ticket kämpfen. Das ist aber auch richtig so. Die Tickets sollen an die Fans.

Wann hast Du Musik erstmals richtig zu schätzen gewusst?
Da gab es für mich keinen Schlüsselmoment. Musik war einfach allgegenwärtig. Mein Vater war und ist Plattensammler. Mein Kinderbett hatte kaum Platz in der Wohnung wegen den vielen Vinylscheiben. 

A Personal Note from Bligg
© Lukas Maeder

«Musik war einfach allgegenwärtig.»

Deine erste Erinnerung ans Musikmachen?
Mit acht bekam ich von ihm eine Gitarre geschenkt. Mit der habe ich ständig vor mich hin gespielt. Und meine Schulvorträge vertont. 

Kannst Du dich noch an ein Thema erinnern?
Einmal musste wir einen Vortrag über etwas halten, dass einem sehr am Herzen liegt. Ich habe einen Song über den Hund meiner Eltern geschrieben. Er hiess Bruce und ist unters Auto gekommen als er mir entgegenrannte. Das war ein schockierendes Erlebnis. 

Die wichtigste Lektion deiner Eltern?
Hör auf dein Herz. Als Teenager habe ich diesen Ratschlag für völlig abgedroschen gehalten. Aber rückblickend war es die wertvollste Lektion. 

Dein Lieblingsmoment eines Bligg-Konzerts?
Ganz ehrlich? Direkt nach der Show. Dann ist man voller Adrenalin, die Anspannung ist weg und man kann das direkte Feedback, das man eben erhalten hat, verarbeiten. Und das ist bei mir glücklicherweise fast immer gut. 

Hast Du ein Ritual vor der Show?
Wir stellen uns im Kreis auf, kippen ein Gläschen Appenzeller und rufen: «Zigezage zigezage hoi hoi hoi!» Das wiederholen wir sicher sechs bis sieben Mal. Wichtig ist aber vor allem, dass sich alle noch mal in die Augen schauen und aufeinander einstimmen. Wir betreten die Bühne als Einheit.

Deine jüngste musikalische Entdeckung?
Darf ich zwei nennen? Zum einen der Gitarrist Gary Clark Jr. Mir gefallen seine dreckigen Bluesrock-Songs. Und der deutsche Rapper Kollegah. Seine Texte sind für mich auf dem nächsten Level.

A Personal Note from Bligg

Die «Personal Note From Bligg» an seinen Kontrahenten Stress: ein Portrait des Rappers.

Die Interviewserie «A Personal Note From ...» ist ein Gemeinschaftswerk von Journalist Adrian Schräder und Fotograf Lukas Mäder. Im 2-Wochen-Rhythmus treffen sie dafür kreative Menschen aus den verschiedensten Bereichen. Den Abschluss jedes Gespräches bildet die «Personal Note»: Auf einem weissen Papier halten die Interviewten einen Gedanken handschriftlich fest.

Im Dossier: Alle «A Personal Note From» Interviews.

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