Stargast Tardi am Comic-Festival Fumetto Luzern Blut, Monster und Sprechblasen im Hallenbad

Fumetto, das internationale Comic-Festival in Luzern, verwöhnt Fans des Genres mit einer Sensation: Tardi, der französische Superstar der Szene, zeigt seine bislang grösste und wichtigste Ausstellung. Rund 350 selten oder bisher nie gezeigte Originale sind in einem ehemaligen Hallenbad versammelt. Und der menschenscheu Künstler gibt sich persönlich die Ehre. 
Fumetto
© Fumetto, Tardi, Casterman

Rund 350 Tardi-Originale in einem ehemaligen Hallenbad.

Seit über zwanzig Jahren lockt das Festival Fumetto Freunde der Comic-Kunst nach Luzern. Spätestens seit diesem Jahr braucht Fumetto den Vergleich mit Angoulême, dem grossen, doppelt so alten Comic-Festival-Mekka im Südwesten Frankreichs, nicht mehr zu scheuen. Mit dem Stargast Tardi (*1946) macht Fumetto sich und seine Fans ein ganz besonderes Geschenk: Tardi gehört zu den wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen Comic-Kunst.

Schwere Kost: Tardi zeigt die Schrecken des Krieges ungeschönt.
© Fumetto, Tardi, Casterman

Schwere Kost: Tardi zeigt die Schrecken des Krieges ungeschönt.

Und der Ausstellungsort Neubad, wo seine Retrospektive gezeigt wird, lässt sich kaum toppen: In den Tiefen eines ehemaligen Schwimmbeckens und den endlosen Korridoren, Kabinetten und Treppenaufgängen des Hallenbades kommen die eindrücklichen Kriegs- und Krimi-Bilder Tardis so richtig zur Geltung.

Aus «Adèle et la bête», 1976, Casterman
© Fumetto, Tardi, Casterman

Aus «Adèle et la bête», 1976, Casterman.

Ein Spaziergang ist der Besuch von Tardis Ausstellung im Neubad nicht, es scheint das Blut von den weissen Kacheln zu tropfen, die Schreie der Soldaten im Schützengraben und das Stahlgewitter vom Schlachtfeld von den Wänden zu hallen. Krieg ist das Hauptthema des Franzosen, er verarbeitet die Kriegserlebnisse seines Grossvaters ebensowie die Kriegsgefangenschaft seines Vaters und lässt seine Betrachter mit akribischer Präzision und historischer Korrektheit, fernab von Pathos und Heldentum, an den Schrecken des Krieges teilhaben. Auch in Tardis Krimis geht's recht unzimperlich zu, auch hier fliegen die Fäuste und fliesst das Blut.  Neben Action gibts hier aber auch stimmungsvolle Ansichten von Paris von einst zu sehen:

Das Paris von Tardi und seinem Privatdetektiv Nestor Burma.
© Fumetto, Tardi, Casterman

Das Paris von Tardi und seinem Privatdetektiv Nestor Burma.

Am Ausgang des Neubad, wo einst die Umkleidekabinen standen, kann man die wichtigsten von Tardis Werken in Buchform erstehen,  dem lobenswerten Verlag Edition Moderne und David Basler  sei dank in vorbildlicher Übersetzung ins Deutsche und in sorgfältiger Aufmachung. Den Künstler live erlebenkann man am Samstag, 14. März um 15 Uhr im Neubad, auf dem Podium am Samstag, 14. März um 11 Uhr im Terrrassensaal des Kunstmuseums Luzern mit anschliessender Signier-Stunde und zusammen mit seiner Frau Dominique Grange singend und lesend am Freitag, 13. März um 20.15 Uhr im Südpol Luzern. Infos dazu und alles andere Sehenswerte am Fumetto, das bis zum 15. März dauert.

Auch interessant