A Personal Note From Cro «Kanye ist schon ein bisschen Jesus»

Wer dachte, dass alles «Easy» bleibt, hat sich geschnitten: Carlo Waibel alias Cro legt ständig nach. Nach zwei Erfolgsplatten hat der Stuttgarter Poprapper nun ein «Unplugged»-Album veröffentlicht und einen Film produziert. Im Interview spricht der 25-Jährige über seine Vorbilder, seine eigene Vorbildwirkung und seine Fluchten. 
A Personal Note From Cro
© Lukas Maeder

Rapper Cro aufgenommen von Lukas Maeder in Zürich.

SI Style: Cro, wer hat deiner Meinung nach was zu sagen – aus deiner Perspektive, in deinem Kosmos?
Cro: Ich finde schon, dass gerade die grossen Musiker immer Vorbilder sind. Wenn irgendjemand von denen was trägt, sagt oder macht, dann eifern dem alle nach. Wenn aber so ’n Politiker was sagt, dann juckt das eigentlich nicht so viele. 

Und wer hat dir was zu sagen?
In meiner Welt ist schon Kanye West eine Art Anführer. Wenn der was macht oder sagt, dann eifern dem alle nach. Der ist schon so ein bisschen Jesus.

Hast du was zu sagen?
Ja, für meine Fans auf jeden Fall. Das hat man gemerkt, als ich den Air Force One angezogen und verkündet habe: «Ich bringe den Air Force One zurück!» Kein halbes Jahr später war jeder Air Force One ausverkauft. Der Nike-Boss hat mich angerufen und sich überschwänglich bedankt. 

Was willst du aussagen?
Ich will gar nicht immer so viel aussagen. Ich will niemandem eine Meinung aufzwingen. Ich bin da tolerant: Findet ihr das cool, was ihr cool findet. Ich mach nur Begleitmusik. Sonst hätte ich schon längst zu irgendwas Stellung bezogen.

Du hast unglaublichen Erfolg im deutschsprachigen Raum. Folgt bald der Rest der Welt?
Weiss ich nicht. Das kann man ja nicht planen. Ich hab auch schon viele Nachrichten von Menschen aus Ungarn, Spanien oder Südafrika oder sonst irgendwo bekommen, die meinten, dass ihnen meine Musik gefallen würde. Es ist schon ein bisschen rübergeschwappt. Keine Ahnung, wie genau. Aber ich weiss gar nicht, ob ich das wirklich will.

Warum?
Weil man dann sogar im Ausland nicht mehr sicher ist. Da flüchtet man ja immer hin, wenn man ein bisschen Ruhe will. Obwohl bei mir ja alles noch relativ chillig ist mit Maske. Alles cool.

A Personal Note From Cro
© Lukas Maeder

«Ich will gar nicht immer so viel aussagen. Ich will niemandem eine Meinung aufzwingen.»

Wo flüchtest du gerne hin?
Puh, ich war locker eineinhalb Jahre nicht mehr weg. Aber wenn, dann geht’s weit weg. Thailand oder so.

Deine Karriere könnte perfekter nicht laufen. Kommt eigentlich irgendwas zu kurz in deinem Leben?
Genau das: die Flucht, Freizeit und Urlaub. Früher war ich oft mit den Jungs weg. Wir haben alles ins Auto gepackt und sind losgefahren. Das gibt’s gerade nicht mehr so. Es gibt eher viel zu tun.

Ist das ein Problem für die Inspiration?
Nee. Die Inspiration ist trotzdem da. Man ist ja ständig irgendwo und erlebt was und ist dann auch wieder oft genug zuhause und kann aufschreiben, was man erlebt hat.

Zuhause ist immer noch bei deinen Eltern?
Wenn ich mal Zeit hab für zuhause, dann ja. Aber ich hab mir jetzt ne Bude gekauft in Stuttgart. Ich hab schon ein Studio reingebaut und so.

Ein richtig schönes Haus mit Garten?
Nee, das ist eher ne Stadtwohnung. Ich wollte eigentlich lieber ein Haus, aber ich wollte es stadtnah haben und das gibt’s irgendwie nicht. Ich hab ganze zwei Jahre gesucht.

Der Preis kann ja nicht das Problem sein...
Nee, aber der Markt ist trocken. Wenn die Schwaben mal ein Haus haben, dann verkaufen die das einfach nicht.

Welches Erlebnis verbindest du mit der Schweiz?
Wie wir damals vom Open Air Gampel nach Hause gefahren sind und den Vierwaldstättersee entdeckt haben. Fünf Minuten später waren alle im Wasser. Das war fett.

Nicht kalt?
Doch, eiskalt, aber gut. Es war nämlich richtig heiss an dem Tag.

A Personal Note From Cro
© Lukas Maeder

«Früher war ich oft mit den Jungs weg. Wir haben alles ins Auto gepackt und sind losgefahren. Das gibt’s gerade nicht mehr so.»

Welches ist der wichtigste Rat, den dir deine Eltern mit auf den Weg gegeben haben?
Alles mit Mass und Ziel, egal was man macht.

Wann hat dir Musik das erste Mal richtig Eindruck gemacht?
Als ich auf dem Minidisc Player meinem Bruder Rap gehört habe. Tupac, Biggie, die Beginner.

Deine erste Erinnerung ans Musikmachen?
Wie mir ein Kumpel sein Midikeyboard geschenkt hat und mir gezeigt hat, wie man Beats macht. Da war ich 13.

Der glamouröseste Moment deiner bisherigen Karriere?
Die erste Goldverleihung.

Der unglamouröseste Moment?
Die zweite Goldverleihung.

Das modische Highlight deines bisherigen Lebens?
Skinny Jeans.

Hast Du ein Ritual vor der Show?
Ja, wir machen immer einen Kreis. Wenn einer neu dabei ist, muss der ne Rede halten. Das ist immer ganz lustig. 

Was wird da so gesagt?
Eigentlich kommt dann immer nur: Wie beschissen wir alle sind, dass uns keiner mag und wir die schlechteste Band der Welt sind, aber dass wir uns jetzt zusammenraufen und das durchziehen.

Was ist deine letzte musikalische Entdeckung?
Paolo Nutini. Den feier ich. Und Miguel.

A Personal Note From Cro

Die «Personal Note From Cro»: Ein typisches Cro-Männchen.

Die Interviewserie «A Personal Note From ...» ist ein Gemeinschaftswerk von Journalist Adrian Schräder und Fotograf Lukas Mäder. Im 2-Wochen-Rhythmus treffen sie dafür kreative Menschen aus den verschiedensten Bereichen. Den Abschluss jedes Gespräches bildet die «Personal Note»: Auf einem weissen Papier halten die Interviewten einen Gedanken handschriftlich fest.

Im Dossier: Alle «A Personal Note From» Interviews.

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