Buchtipps: «Montecristo» und «In einem anderen Leben» Die Macht von Geld und Genen

Zwei neue Bücher von Schweizer Autoren erzählen haarsträubende Stories: Martin Suter mischt in seinem neuen Thriller  die heimische Hochfinanz auf, Linus Reichlin erinnert sich an eine schwierige Kindheit, von Tod und Teufel Alkohol gezeichnet.
Ein Familiendrama von Linus Reichlin, ein Finanz-Thriller von Martin Suter.
© Galiani Berlin, Diogenes.

«Montecristo» von Martin Suter, Diogenes

Bei Lesen von Martin Suters neuem Krimi sieht man vor dem geistigen Auge schon den Film ablaufen. Der Mann hat einfach ein Händchen für Tempo und Schnitte, prägnante Figuren, klare Settings, logische Handlungsstränge. Kein Wunder, lieferten viele seiner Bücher prima Steilpässe für Filmadaptionen, unter anderen «Der Koch», «Der Teufel von Mailand», «Small World» oder «Lila, Lila». Im neuen Roman «Montecristo» nimmt  sich Suter einmal mehr ein brandaktuelles Thema vor: die Hochfinanz. Das Bemerkenswerte: Obwohl er den Macht- und Rechthabern Mafia-Methoden inkl. Einschüchterung, Vertuschung, ja gar Mord andichtet, hat er bei den Recherchen zum Thema Hilfe aus Banker-Kreisen bekommen, wie im Anhang des Buches zu erfahren ist. Um die Spannung nicht zu ruinieren, verraten wir weder Handlung noch Protagonisten, nur soviel: Im Buch kommen vor: gefälsche Banknoten, Pendlerzüge, Banker und Journalisten, ein thailändischer Knast, verführerische Eintöpfe, ein Drehbuch um eine Figur voller Rachegefühle (daher der Titel) und eine vietnamesische Muttergottheit (die hübsche Skulptur vom Cover).  Am Schluss des Thrillers hofft man, dass die Story Fiction bleibe…

 

«In einem anderen Leben», Linus Reichlin, Galiani Berlin

Was genau Fiktionen und was Erinnerung ist am Roman «In einem anderen Leben», weiss nur der Autor selber. Die Geschichte handelt von einer Kindheit in einer typischen Schweizer Kleinstadt und Kleinfamilie. Luis wächst als Einzelkind in scheinbar normalen Verhältnissen auf: Der Vater ist Zahnarzt, die Mutter Hausfrau, man bewohnt eine schicke Attika-Wohnung und hat zwei Autos. Hinter der bürgerlichen Fassade aber wuchert der Wahnsinn. Die Eltern streiten und saufen im Stile von Richard Burton und Liz Taylor. Um den Tiraden und fliegenden Tellern auszuweichen, verzieht sich der Junge am liebsten in den Keller, wo er zwischen Rattendreck und Gerümpel schläft. Mit dem Autounfall der Mutter(  Fiaz - was sonst?), der ihre Stimme, ihre Beine und ihren Lebensmut lähmt, endet zwar das Geschrei, nicht aber der Psychoterror um Luis herum.  Der verzweifelte Vater lässt sich und seine Praxis komplett verwahrlosen, die Schulden häufen sich. Luis ersehnt den Moment herbei, wo er das Zuhause endgültig verlassen kann. Doch dieses klebt ihm auch Jahre später wie Pech an den Sohlen, die Bilder aus seiner Kindheit (die im Kopf und zwei auf Leinwand) lassen Luis nicht zur Ruhe kommen. Und uns als Leser ebenso wenig, wir hoffen uns hadern mit dem armen Kerl bis zur letzten Seite. Die ersten fünf Seiten des Romans, vom Autor vorgelesen:

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