Buchtipps: «The Hunter» & «Der Illusionist» Die zwei sind nicht zu fassen

Für Frauen, die sich gern auch in den Ferien mit der männlichen Psyche vertiefen, empfehlen wir zwei Romane über Machos und ihre wunden Punkte.
Zwei bärenstarke Kerle: der Rächer und der Magier.
© Verlage Zsolnay/Luchterhand

Zwei bärenstarke Kerle: Der Rächer und der Magier.

Richard Stark, «The Hunter», Zsolnay
Parker, der Protagonist dieses hard-boiled-Krimis, ist so ein cooler Hund, er hat nicht mal einen Vornamen. Auch keinen passablen Anzug, keine schicke Wohnung, keinen Job, dafür aber eine Mission. Parker, freiberuflicher Räuber, wurde von seinen Kumpels beim letzten grossen Ding übers Ohr gehauen - und von seiner Frau verraten. Sie liessen ihn in einem brennenden Haus zurück. Jetzt sinnt er auf Rache. Als erstes besorgt er sich, clever wie er ist, mit Checkfälschung Geld, dann macht er sich auf, gegen ein übermächtiges Verbrecher-Kartell anzutreten. Hartnäckig wie ein Bluthund folgt er jeder Spur, verwischt die eigenen und räumt einen Verräter nach dem anderen aus dem Weg, bis ganz nach oben, zum Oberboss. Sympathisch macht uns das Parker nicht, aber faszinierend. Sich seinen eigenen Lieblings-Taff-Guy (Josh Brolin? Sean Penn? Jason Statham? Clive Owen? Ihre Wahl!) als Parker vorzustellen und in elegante Kostüme und coole Dekors im Sixties-Style à la «Mad Men» zu stecken, erhöht den Lesespass nochmals. 

Steven Galloway, «Der Illusionist», Luchterhand
Die Geschichte von Harry Houdini (1874-1926) ist ein modernes Märchen, eine Variante des Tellerwäschers, ders zum Milliionär bringt. Als Erick Weisz, Sohn eines Rabbiners in Budapest geboren und mit vier Jahren samt Familie ins ländliche Wisconsin emigriert, gilt Houdini noch heute als der grösste Entfesselungs- und Zauberkünstler aller Zeiten, auch als PR-Genie in eigener Sache. Keine Fessel, keine Gefängniszelle und keine Zwangsjacke, aus der er sich nicht befreien konnte. Viele seiner  Befreiungen und Entfesselungen sind noch heute ungeklärt, to houdinize steht in der amerikanischen Umgangssprache für «entkommen». Selbst sein Tod gab Rätsel auf. Er, der in seinen Darbietungen dem Tod  ständig von der Schippe sprang, starb mit 52 an einer Bauchfellentzündung. Hier setzt der Roman «Der Illusionist» ein. Der an einer Form von Demenz leidende Martin Strauss glaubt, er habe Houdini getötet. Wie der Magier und Eskapist Houdini arbeitet der Autor Steven Galloway mit doppelten Böden und Ebenen, um Houdinis bewegtes Leben zu rekapitulieren. Und wir lernen auch die dunklen Seiten und sein cholerisches Temperament kennen. Ein paar von Houdinis Tricks erfährt man ausserdem.

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