Kinotipps: «Grimsby» und «Where To Invade Next» Ein üblich derber Sacha Baron Cohen und ein ungewohnt lustiger Michael Moore

Humor in allen Stärkegraden: Im neuen Schwank von Sacha Baron «Borat/Brüno» Cohen und im Dok-Film von Michael Moore gibt es viel zu lachen. 
Kinotipp

Verwandlungskünstler Sacha baron Cohen in «Grimsby».

«Grimsby»

Was brütet eigentlich Bruno alias Borat alias Ali G. aus?, fragten sich Fans dieser schrillen Figuren. Lange haben wir von Sacha Baron Cohen, deren geistigem Vater, nichts mehr gehört. Jetzt taucht der lange Brite mit dem Hang zu Brachial-Humor in «Grimsby» wieder auf. Er spielt mit sichtlichem Vergnügen den Underdog Nobby. Dessen Höhepunkte im Sozialempfänger-Leben sind eine Siegesfeier seines Fussballclubs mit viel Bier, heruntergelassenen Hosen, blutendem Schmerbauch und Raketli im Hintern. Oder die Zeugung eines neuen Kindes (sie haben schon neun!) mit Dauerfreundin Dawn (Rebel Wilson) im Matrazen-Shop. Zu Nobbys Glück fehlt nur eines: sein geliebter Bruder Sebastian (Mark Strong). Die beiden sich sehr nahestehenden Grimsby Boys wurden nach dem Tod ihrer Eltern getrennt. Sebastian wurde Spion und führt ein abenteuerliches Leben. Natürlich führt das Schicksal, will heissen das Drehbuch (von Sacha Baron Cohen  whom else?), die beiden wieder zusammen. Natürlich müssen die beiden am Schluss die Welt retten. Bis dahin erleben wir im Schlepptau der Grimsby-Brothers viel Action, angereichert mit Klamauk und Derbheiten aus der untersten Schublade. Wer sich nicht schämt, auch mal unter Niveau zu lachen, wird sich amüsieren.

Kinotipp «Grimsby»

Mark Strong (links) und Sacha Baron Cohen.

P.S.: Nicht amüsiert sind die Bewohner von Grimsby, einem Küstenstädtchen in Mittelengland. Gedreht wurde der Film nämlich nicht da, Grimsby sei viel schöner als im Film gezeigt.
P.P.S.: Zu deutsch heisst der Film platt «Der Spion und sein Bruder». In der Synchronfassung fällt leider ein Humor-Hauptbestandteil weg: der köstliche Underdog-Dialekt von Cohen. 

 

«Where To Invade Next»

Kinotipp «Where To Invade Next»

Michael Moore

Von Dok-Filmer Michael Moore sind wir gewohnt, dass uns das Lachen im Hals stecken bleibt. Das Schwergewicht aus Michigan packte stets schwierige Thema an: Die Schliessung der GM-Werke in seiner Heimatstadt («Roger & Me», 1989), Highschool-Masaker («Bowling for Columbine», 2002), Bushs Kriegstreiberei im Irak und Afghanistan («Fahrenheit 9/11», 2004) oder das Gesundheits(-Un)wegen in Amerika («Sicko», 2007). Jetzt, mit 62, scheint der Ankläger altersmilde geworden: Nie haben wir so viel gelacht in einem Moore-Film wie jetzt in «Where To Invade Next». Moore reist quasi als Ein-Mann-Armee quer durch Europa, auf der Suche nach nachahmenswerten Ideen für seine desolate Heimat. In Italien staunt er darüber, dass Arbeitgeber acht Wochen Ferien bezahlen. Kein Wunder, «sehen Italiener immer aus, als hätten sie grad Sex gehabt»  einer der wunderbaren Erkenntnisse, die der Invasor in Europa erlangt. In Frankreich wundert er sich, wie gut Schulkantinen sind, in Finnland, wie antiautoritär und erfolgreich das Schulsystem, in Slowenien, dass ein Studium nichts kostet, in Finnland über funktionierende Frauenquoten, in Norwegen über das Strafvollzugs-System, das den Rache-Gedanke ausgemerzt hat und in Deutschland, wie schön da Fabriken aussehen und die Patrons ihren Angestellten Kuren finanzieren. Für uns sind all diese sozialen Errungenschaften nicht wirklich neu, aber sie von Moore so schön vorgeführt zu bekommen, ist schon ein Vergnügen.

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