Kinotipps «Left Foot Right Foot» und «Tempo Girl» Erwachsenwerden ist kein Zuckerschlecken

Von den Wachstumsschmerzen junger Leute handeln die Filme «Tempo Girl» und «Left Foot Right Foot». Der Erstling des Lausanner Fotografen Germinal Roaux holte beim Schweizer Fimpreis gleich drei Quartze. 
Liebe in Schwarzweiss: Marie (Agathe Schlencker) und Vincent (Nahul Perez Biscayart).
© filmcoopi

Liebe in Schwarzweiss: Marie (Agathe Schlencker) und Vincent (Nahul Perez Biscayart).

«Left Foot Right Foot»

Der hochgelobte Schweizer Film ist kein Feel-Good-Movie. Der Fotograf Germinal Roaux lässt die Kamera (Quartz-gekürt: Denis Jutzeler) die Vorstadt-Realität junger Leute einfangen, die nicht eben rosig ist. Da ist die 18-jährige Marie (Agathe Schlencker), die in den Tag hinein lebt. Ihre Mutter bewegt sich am sozialen Abgrund, ihr Freund Vincent (Nahuel Perez Biscayart) geht notgedrungen seinem öden Brottjob nach. Das einzige, was ihn interessiert, ist sein Skateboard und sein autistischer Bruder Mika (Dmitri Stapfer, ebenfalls Inhaber einer Quartz-Trophäre), den Vincent hingebungsvoll pflegt.

La vie en gris: Skater Vincent (Nahuel Perez Biscayart)
© filmcoopi

La vie en gris: Skater Vincent (Nahuel Perez Biscayart).

Als der Nachtclubbesitzer Oliver (Stanislas Merhar)  auftaucht, sieht Marie in dem smarten Kerl ihre Chance,  aus ihrem tristen Dasein auszubrechen und auf die Schnelle zu Geld zu kommen. Wie im wahren Leben kommts aber eben anders. In eindringlichem Schwarzweiss schildert «Left Foot Right Foot» die Miseren unserer Zeit und des Erwachsenwerdens. Hoffnung weckt der Film trotzdem, zumindest für Filmfans: So wünschen wir uns neues, urbanes Schweizer Kinoschaffen!

«Tempo Girl»

Immer auf Empfang: die Jungautorin Dominique (Florentine Krafft).
© Spot on

Immer auf Empfang: die Jungautorin Dominique (Florentine Krafft).

Vom Suchen und Finden eines Plätzchens in der Gesellschaft erzählt auch «Tempo Girl», ebenfalls ein Regie-Debut, von Dominik Locher. Die Möchtegern-Schriftstellerin Dominique (Florentine Krafft) erhält eine Absage ihres Verlegers (Anatole Taubman), ihre Story sei zu wenig authentisch. Auf der Suche nach dem Echten kehrt sie Berlin und ihrem Hipster-Leben den Rücken und flieht mit ihrem Freund Deniz (José Barros), einem Kebab-Verkäufer, ins Wallis. Hier kollidiert sie tatsächlich mit dem wahren Leben: sie trifft kauzige Einheimische, wird Poletänzerin, verliebt sich, wird schwanger. Jetzt hat sie genug Stoff für eine authentische Geschichte zusammen, die dann den Titel «Tempo Girl - Die Geschichte einer Generation» bekommt. Das Lebensgefühl einer ganzen Generation einfangen zu wollen - ob in einem Buch oder Film - ist ein hoher Anspruch. Ob der erfüllt wurde, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der kontrovers diskutierte Film läuft jetzt in unseren Kinos.

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