Kinotipps: «Southpaw» & «Dior and I» Fäuste und Fingerspitzen

Jetzt wird fleissig genäht im Kino: Platzwunden im Box-Epos «Southpaw» und Haute-Couture-Kreationen im Dokfilm «Dior and I».
Kämpft sich nach oben: Underdog Billy Hope (Jake Gyllenhaal).
© Ascot Elite

Kämpft sich nach oben: Underdog Billy Hope (Jake Gyllenhaal).

«Southpaw»

Boxfilme folgen einem simplen Strickmuster: Ehrgeiziger Underdog mit weichem Kern und harter Schale muss Universen von Schmerzen, Schlägen und Entbehrungen durchqueren, bis er im finalen Fight zu Ruhm, Knete und Meistertitel kommt. Ein gnadenloser, alter Trainer und eine gute Seele von junger Frau begleiten den Kämpfer auf seinem Weg nach oben. Das war in «Rocky» so, ebenso in «Raging Bull» und «Million Dollar Baby», das ist auch in «Southpaw» so. Wie in jedem guten Boxer-Film steht und fällt die Sache mit dem Hauptdarsteller:  Und Jake Gyllenhaal ist schlicht eine Wucht! Er hat in monatelanger Vorbereitung Muckis antrainiert (sieben Kilo Muskelmasse und ein Sixpack wie photogeshopped) und boxen gelernt. «Natürlich kriegt niemand gern auf die Fresse, aber für die Rolle war es notwendig», erklärt der Schauspieler, der sich so exzessiv auf seine Rollen vorbereitet wie einst Robert De Niro. Für seinen letzten Film, «Nightcrawler», magerte sich Gyllenhaal fünfzehn Kilo von den Rippen und holte sich mit Schlafentzug Augenringe und den hungrigen Blick einer Hyäne. Als Reality-TV-Reporter liess er Erinnerungen an Robert De Niros Glanzleistung als «Taxi Driver» aufkommen, so wie Gyllenhaal jetzt als Boxer den Vergleich mit «Raging Bull» nicht zu scheuen braucht.

Zwei wie Pech und Schwefel: Billy (Jake Gyllenhaal) und seine Jugendliebe (Rachel McAdams).
© Ascot Elite

Zwei wie Pech und Schwefel: Billy (Jake Gyllenhaal) und seine Jugendliebe (Rachel McAdams).

Als gnadenloser alter Trainer tritt Forest Whitaker auf, als treue Seele in hübscher Hülle Rachel McAdams. Auch wenn der Film stellenweise etwas in Kitsch abgleitet, für Fans des Boxsports ist «Southpaw» ein Must-seen. Und wer nicht schon vorher Gyllenhaal-Fan war, wird’s nach dem Film sicher sein. Mehr zum Film und seinem furiosen Hauptdarsteller lesen Sie in der aktuellen SI Style im Magazinteil.

«Dior And I»

Dior-Chefdesigner Raf Simons an der Kopfarbeit.
© Xenix Filmdistribution

Dior-Chefdesigner Raf Simons an der Kopfarbeit.

Für alle, die das Schöne und Gute, Handwerk und Luxus lieben, ist wiederum der Dokfilm «Dior and I» eine Delikatesse. Er gewährt Einblicke in die Haute Couture, wie man diese nicht mal in der Front Row bekommt. Wir dürfen die ehrwürdigen Ateliers des Hauses Dior betreten, den langjährigen Mitarbeitenden über die Schultern blicken und zusehen, wie die sündteuren Kreationen in aufwändiger Handarbeit entstehen. Der Film zeigt die Vorbereitungen auf Raf Simons’ erste Präsentation, die er in der Hälfte der üblichen Zeit, in nur acht Wochen, auf die Beine stellen musste, ergänzt mit Rückblenden zu Monsieur Dior, der unsterblichen Legende der Haute Couture.

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