Kinotipps: «Cinderella» und «Kingsman: The Secret Service» Mädchenträume und Buben(spiel)zeug

Diese Woche werden im Kinosaal Träume aufs Schönste erfüllt: die von Mädchen jeden Alters in der Disney-Romanze «Cinderella», die von grossen Jungs in der Spionage-Persiflage «Kingsman: The Secret Service». 
«Cinderella»: Zuckerwatte für die Seele
© Walt Disney Studios

«Cinderella»: Zuckerwatte für die Seele.

«Cinderella»

Wer im Märchenklassiker Cinderella Ironie oder Modernität erwartet, wird enttäuscht. So etwas hat in einem Märchen eh nix verloren (siehe den lüsternen, fremdgehenden Prinzen aus Rob Marshalls «Into the Woods», ein No-Go für dieses Genre). Die neueste Kinoadation des vielgeliebten Grimm-Märchen Aschenputtel ist wunderbar klassisch, scheut den Kitsch-Vorwurf keinen Moment lang und verströmt den zeitlosen Zauber des Disney-Zeichentrickfilms von 1950. Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh lässt uns gemeinsam mit dem Waisenkind Ella zwei Stunden lang vom herzensguten Märchenprinzen und Traumschlössern, prächtigen Ballkleidern und goldenen Kutschen, von exklusiven Schuhe und ewiger Liebe träumen - bis zum zwingenden Happy Ending. 

Kürbisse zu Kutschen: Aschenputtel fährt mit vier PS zum Ball.
© Walt Disney Studios

Kürbisse zu Kutschen: Aschenputtel fährt mit vier PS zum Ball.

Das entzückende Waisenmädchen Ella ist mit Lily James («Downton Abbey») goldrichtig besetzt. Helena Bonham Carter legt als gute Fee einen fulminanten Kurzauftritt hin, und Cate Blanchett ist als fiese Stiefmutter eine Wucht. Material Girls, die nicht an Märchenprinzen glauben, kommen in «Cinderella» trotzdem auf ihre Kosten: Dekors und Kostüme sind schlicht atemberaubend.

Die böse Stiefmutter (Cate Clanchett).
© Walt Disney Studios

Die böse Stiefmutter (Cate Clanchett).

Ein paar beeindruckende Zahlen dazu: Allein für Aschenputtels himmelblaues Ballkleid wurden 250 Meter Tüll und 10'000 Swarovski-Kristalle verarbeitet, es entstanden fünf Kilometer Nähte. Das Kleid der guten Fee, einen Meter zwanzig breit, besteht aus 130 Metern Stoff, 400 LED-Lämpchen und wiederum pfundweise Swarovski-Steine. Der legendäre Schuh von Cinderella stammt ebenfalls aus der österreichischen Kristall-Manufaktur, Swarovski schuf acht Kopien davon. Tragen musste oder durfte Lily James die fragilen Dinger allerdings nicht, sie dienten nur als Requisiten. Den Ballsaal (50 Meter Breite, 35 Meter Länge) mit Marmorboden schmücken 2000 Meter Vorhangstoff, 17 italienische, handgefertige Lüster, 16'000 Seidenblumen sowie 5000 Ölkerzen, die jede einzeln von Hand angezündet werden musste. Die fantastischen Kostüme schuf die 3-fache Oscar-Preisträgerin Sandy Powell, die opulenten Bauten stammen von Martin Scorses Stamm-Szenenbildner Dante Ferretti, ebenfalls dreifacher Oscar-Gewinner. Vielleicht werden es nächsten Febrauar für Powell und Ferretti je einer mehr - verwundern würde das nicht bei ihren märchenhaften Werken für «Cinderella».

Aschenputtels berühmte Schuhe, aus Swarovski-Kristall.

Aschenputtels berühmte Schuhe, aus Swarovski-Kristall.

«Cinderella» ist wie ein Schaumbad für die Augen, man taucht für zwei Stunden ein in Charme und Schönheit und Blöterli-Zauber, während deren man die graue, kalte und grobe Welt der Wirklichkeit glatt vergisst. Gönnen wir uns diesen Spass. 

«Kingsman: The Secret Service»

Matthew Vaughn muss ein glücklicher Mann sein. Privat ist der Londoner seit Jahren mit der Traumfrau Claudia Schiffer verheiratet, komplett skandalfrei. Und beruflich macht er lustige Filme. Mit satten Budgets, mit den Top-Schauspielern unserer Zeit, mit Geschichten voller Action, Helden und Humor. Filme, die wie die Erfüllung von Bubenträumen deherkommen: «Kick-Ass», «Stardust», «X-Men». Mit seinem neuesten Wurf, «Kingsman: The Secret Service», ist ihm ein Kunststück gelungen: ein makelloser, hochexplosiver Spionage-Film und dessen Parodie in einem. Da muss sich James Bond warm anziehen!

Der Lehrling (Taron Egerton), der Meisterspion (Colin Firth), der Bösewicht (Samuel L. Jackson) in der Savile Row.
© © 2014 Twenthieth Century Fox Film Corp.

Der Neue (Taron Egerton), der Alte (Colin Firth), der Böse (Samuel L. Jackson) in der Savile Row.

A propos anziehen: Die noble Savile Row in Londons Mayfair-Quartier, wo seit 150 Jahren die besten Herrenschneider der Welt ansässig sind, spielt im Film neben Colin Firth, Michael Cain, Mark Strong und Samuel L. Jackson eine gewichtige Rolle. Hier befindet sich das HQ der Kingsman, einem versnobten Club von NGO-Geheimdienstlern, deren Decknamen aus der Arthuslegende entliehen sind. Story, Setting, Boys toys und die coolen Sprüche erinnern an die Bond-Filme der Sechziger oder die «Schirm, Charme und Melone»-Serie, eine von Matthew Vaughn durchaus beabsichtigte Parallele. Seine beste (von vielen guten) Drehbuchidee(n): Den Bösewicht mit Samuel L. Jackson zu besetzen. Der doziert lispend!, die Qualität eines Bond-Filmes stehe und falle mit dem Bösewicht. Und er doziert mal wieder über Hamburger! Das muss man gesehen haben! Zumindest wer es blutig und bombastisch, sarkastisch und britisch bitterböse mag, wird sich in «Kingsman» königlich amüsieren.

Auch interessant