Kinotipps: «Brooklyn» und «Anomalisa» Melancholie und Paranoia

Diese Woche gibt es zwei zart melancholisch getönte Liebesgeschichten in aussergewöhnlich schönen Bildern im Kino zu geniessen. 
Die Auswanderin Eilis (Saoirse Ronan) auf Heimatbesuch.
© 2016 Twentieth Century Fox Film Corporation

Die Auswanderin Eilis (Saoirse Ronan) auf Heimatbesuch.

«Brooklyn»

Saoirse Ronan, das böse Kind mit den eisblauen Augen aus «Atonement» und «Hannah», ist erwachsen geworden. Schon als Girl hatte sie uns mit ihren schauspielerischen Leistungen tief beeindruckt – und sie hat sich erfreulich weiterentwickelt. Die Academy beurteilt ihre Darbietung als junge Irin Eilis, die nach Amerika auswandert, sogar als oscar-würdig. Ob sie Hollywoods höchste Auszeichnung am 28. Februar abholt, wird sich zeigen. Sie tritt gegen Schwergewichte wie Cate Blanchett («Carol») und Charlotte Rampling («45 Years») an, ebenfalls im rennen sind Brie Larson («Room») und  einmal mehr  Jennifer Lawrence für «Joy». Miss Lawrence hat mit ihrem Golden Globe so etwas wie die Pole Position. Die Miss Wonderful kann sich im Alter von 25 schon mit vier Nominierungen rühmen. 

Voller Hoffnung unterwegs nach Amerika: Eilis (Saoirse Ronan).
© 2016 Twentieth Century Fox Film Corporation

Voller Hoffnung unterwegs nach Amerika: Eilis (Saoirse Ronan).

Saoirse Ronan kann in der transatlantischen Lovestory (Drehbuch Nick Hornby) eine breite Palette ihres Können ausspielen: Aus dem scheuen irischen Landei Eilis, das wie Heerscharen ihrer armen Landsleute nach Amerika auswandert, wird eine kämpferische, selbstbewusste junge Frau. Mit Hilfe eines katholischen Priesters (Jim Broadbent) findet sie Unterkunft bei einer Landlady und einen Job in einem Kaufhaus.

Aus dem Landei wird schnell ein elegantes Working Girl.
© 2016 Twentieth Century Fox Film Corporation

Aus dem Landei wird schnell ein elegantes Working Girl.

Ihr Fleiss und ihr Biss werden belohnt, die Kirche spendiert ihr eine Weiterbildung. Alls läuft glatt, auch in der Liebe. Da sogar doppelt: Eilis muss sich zwischen zwei Männern (Emory Cohen und Domhnall Gleeson) entscheiden. Angesiedelt in den frühen Fünfzigerjahren besticht der Film mit tollen Kostümen und Dekors, Regisseur John Crowley rückt alles ins schönste Licht Irlands und Brooklyns. Dass Look und Story stellenweise in Kitsch abgleiten, nehmen wir hin. Einfach weil Saoirse (ausgesprochen Sörscha) hinreissend aussieht und agiert. Und weil eine Portion Romantik das Herz wärmt. 

 

«Anomalisa»

Der Motivations-Coach Michael dreht durch im Hotel Fregoli.
© Universal Pictures International Switzerland

Der Motivations-Coach Michael dreht durch im Hotel Fregoli.

Die Kitschfalle grossräumig umfahren hat «Anomalisa», der vielleicht aussergewöhnlichste Liebesfilm der Saison. Das Meisterwerk von Mr. Multineurose Charlie Kaufman («Eternal Sunshine on a Spotless Mind», «Being John Malkovich», «Adaption») ist hochverdient oscar-nominiert in der Kategorie Animationsfilm. Tatsächlich lässt Kaufman die Puppen tanzen, in wundervoll nostalgischer Stop-Motion-Technik. Und spielt mit unseren Emotionen, dass es eine wahre Freude ist.

Jede Bewegung ist handgemacht!
© Universal Pictures International Switzerland

Jede Bewegung ist handgemacht!

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