Buchtipp: «Revival» von Stephen King Gott, Drogen & Rock'n'Roll

Noch Fragen, was das Leben nach dem Tod angeht? Wer die Antwort nicht scheut, lese «Revivial», den neuen Thriller von Grusel-Grossmeister Stephen King!
Autor und Musiker Stephen King, sein neuer Thriller «Revival».
© © Heyne Verlag, Porträt © Shane Leonard

Buchtipp: «Revival» von Stephen King.

Herrje, der Schreibdrang des Stephen King scheint nach wie vor unbgebremst. Der Mann veröffentlicht in einem Tempo Bücher, das selbst Vielleser fast überfordert. Zwei dicke Schinken pro Jahr sind sein Schnitt, mehr, als die meisten Menschen in diesem Zeitraum lesen. 100 Kurzgeschichten und 40 Romane, übersetzt in 40 Sprachen, insgesamt 400 Millionen Bücher sowie unzählige Kolumnen, Gedichte, Essays, Sach- und und Drehbücher gehen auf sein Konto. Das Erstaunliche: Quantität und Qualität schliessen sich im Fall King nicht aus. Das beweist wiederum sein neuer Wurf: «Revival», erschienen beim Heyne-Verlag. Schon das Cover macht klar, worum es geht: Glaube und Gott, Strom und Spannung. Im 512-Seiten-Wälzer lehrt uns der Meister des Horror das Fürchten, raubt uns die Nachtruhe und die letzte grosse Illusion, nämlich die des Himmels oder grossen Nichts nach dem Tod. «Revival» erzählt (fast die ganze) Lebensgeschichte von Jamie. Wir lernen den Jungen aus einer kinderreichen, gläubigen Familie in einem Neuengland-Kaff als Dreikäsehoch kennen, wie er dem Charme des neuen Dorfpfarrers Charles Jacob erliegt. Der lässt zur Verblüffung einen Mini-Jesus über einen kleinen See gleiten, später heilt er mittels selbst ersonnener Elektro-Therapie die Taubheit von Jamies Bruder. Das spiessige Milieu und die bigotte Zeit (die späten Fünfziger), die King sehr detailreich aufleben lässt, sind so banal wie auch ein wenig gfürchig. Im zweiten Teil dreht er dann Grusel-Schraube deutlich an: Der Pfarrer, der Frau und Kind und darum seinen Glauben verliert, tingelt als Wanderprediger und Heiler durchs Land und experimentiert nebenbei mit Elektrizität. Aus dem kleinen Jamie ist ein ausgewachsener Musiker und Junkie geworden. Bei beidem plaudert King aus dem Nähkästchen, spielt er doch selber Gitarre und hat eine Drogenkarriere hinter sich. Richtig gruselig und fantastisch wird's im dritten Teil des Romans, wo Jamie zwar clean, aber zum Handlanger des abgefallenen Gottesmannes geworden ist. Und der mutiert vollends zum modernen Frankenstein und holt mit Strom eine Tote aus dem Jenseits zurück. Wie King sich und uns das Totenreich in den schwärzesten Farben ausmalt, ist Horror pur. Und was King über Religionsfanatismus christlicher Färbung zu sagen hat, ist Sprengstoff. Wer mutig und neugierig genug ist, in die dunklen Winkel von Stephen Kings Kopf einzutauchen, erlebt da im Dies- und Jenseits sein blaues Wunder. Lektüre, die Gänsehaut garantiert und einen ins Grübeln bringt. Mehr über Stephen King, seine Bücher, seine Musik.

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