Buchtipp: «Giganten» von Claude Cueni Grosse Kunst, mächtige Egos

Sie haben sich mit gigantischen Bauwerken unvergessen gemacht: Gustave Eiffel mit seinem Eisenturm in Paris, der seinen Namen trägt. Frédéric Bartholdi, dessen Namen kaummehr einer kennt, schuf die Freiheitsstatue namens Liberty. Mit Claude Cuenis neuem Roman «Giganten» dürfte sich das ändern, der Basler Autor erzählt von der Rivalität der beiden Visionäre und einer Epoche der Beschleunigung, der unserigen nicht unähnlich.
Wollen hoch hinaus: die «Giganten» von Claude Cueni, Wörterseh Verlag.
© Wörterseh Verlag

Wollen hoch hinaus: die «Giganten» von Claude Cueni, Wörterseh Verlag.

Der Anblick der Sphinx wirkte auf die beiden jungen Männer wie eine Initialzündung. Die mächtige Figur mit dem Löwenhaupt im Wüstensand weckte in beiden den Wunsch, ebenfalls Grosses zu schaffen. Der Ingenieur Gustave Eiffel und der Bildhauer Frédéric Bartholdi waren wie viele ihrer Zeitgenossen auf Orient-Reise, wo sie sich den weltmännischen Schliff - und nicht selten die Syphilis - holten. Der Bau des Suez-Kanals war in vollem Gange, das bis anhin grösste Bauwerk der Menschheit. Aus den ehemaligen Jugendfreunden waren erbitterte Gegner geworden, unheilvoll verbunden durch ihre Liebe zur gleichen Frau. Diese Frauenfigur entspringt der dichterischen Freiheit des Autors, die Kontrahenden und die historischen Fakten sind belegt. Cueni zeichnet die Egos der beiden so unterschiedlichen Künstler mit viel Empathie nach und lässt die viktorianische Zeit mit ihren epochalen Erfindungen und Erschütterungen detailiert und deftig vor unseren Augen aufleben. Der historische Roman «Giganten» liest sich wie ein Thriller und setzt dem zu Unrecht vergessen gegangenen Schöngeist Bartholdi ein Dankmal - der Egomane Eiffel hat das schon selber besorgt mit seinem Eisenturm, der übrigens beim Bau zur Weltausstellung 1889 auf heftigen Widerstand der damaligen Intelligenzia stiess.

Auch interessant