Marie Leuenberger im Interview von A bis Z «Meine Schönheitsmakel sind mein Markenzeichen geworden»

Marie Leuenberger, 37, spielt die Hauptrolle im Film «Die göttliche Ordnung», der am 9. März in den Kinos anläuft. Zum heutigen Tag der Frau wollten wir von der Wahlberlinerin wissen, ob sie selber auch abstimmt, wie es ist, einen Orgasmus vor laufender Kamera zu spielen und wie sie die göttliche Ordnung sieht.
Marie Leuenberger die göttliche Ordnung
© filmcoopi

Nora (Marie Leuenberger) steht zu ihrer Meinung. Damit ist sie scheinbar ziemlich allein.

A – Abstimmung
Style: 
Im Film «Die Göttliche Ordnung» kämpfen Sie für die Einführung des Frauenstimmrechts. Gehen Sie abstimmen?
Marie Leuenberger: Ich bin ja Auslandschweizerin und stimme von Berlin aus online auf Bundesebene ab.

B – Bauchgefühl
Hören Sie bei der Wahl Ihrer Rollen auf Ihr Bauchgefühl?

Ich brauche Inspiration. Beim Lesen des Drehbuchs muss ich eine Fantasie oder ein Gefühl bekommen. Also ist es eine Bauchentscheidung.

C – Charakter
Gibt es Parallelen von Ihrem Filmcharakter Nora zu Ihnen persönlich?
Wenn in mir eine Idee schlummert, wie das bei Nora ja auch der Fall ist, kann die eine starke Kraft entwickeln, die irgendwann zur Umsetzung drängt.

D – Dreh
Sie spielen sowohl in Filmen wie auch am Theater. Was machen Sie lieber?
Ich komme zwar vom Theater, aber in den letzten Jahren stand ich nur noch vor der Kamera. Mittlerweile habe ich grossen Respekt vor dem Theater, denn die Zuschauer bilden sich direkt im Raum eine Meinung, die Kritik folgt unmittelbar. Der Filmdreh hingegen erfolgt in einem geschützten Rahmen. Das ist etwas paradox, denn am Ende sehen viel mehr Leute einen Film als ein Theaterstück, man ist also als Schauspieler eigentlich ungeschützter. Aber bis der Streifen dann rauskommt, ist schon so viel Zeit vergangen, dass man eine Distanz dazu bekommen hat. 

E – Ego
Muss man als Schauspielerin egoistisch sein?
Man muss ein Ego haben, aber nicht egoistisch sein. Ich brauche ein gutes Gegenüber, damit ich selber besser werde. Das hat im Film «Die göttliche Ordnung» sehr gut funktioniert. Als ich zum ersten Mal mit den anderen weiblichen Besetzungen zusammentraf und wir zur Probe ein paar Dialoge sprachen, da wurde das Drehbuch sofort lebendig. Und ich dachte einfach «Wow!».

F – Fitness
Wie halten Sie sich fit?
Ich wohne im fünften Stock ohne Lift.

G – Göttliche Ordnung
Glauben Sie an eine göttliche Ordnung? 
Ich bewundere Menschen, die an einen Gott glauben können, weil ich denke, dass das eine unglaubliche Sicherheit gibt im Leben. Ich habe mich in den Weltreligionen nicht wirklich gefunden, glaube aber an etwas Wiederkehrendes, an eine Energie, die bleibt und weitergeht. An so etwas wie ein Karma, daran glaube ich.

H – Humor
Was ist Ihnen bei einem Mann wichtiger: Humor oder gutes Aussehen?
Ich liebe es, wenn mich jemand zum Lachen bringt. Ich schaue aber auch gerne jemanden an, der mir gefällt – also nehme ich am liebsten beides.

I – Inspiration
Welches ist die inspirierendste Person, die Sie je getroffen haben?
Es gibt nicht eine Person, der ich folge. Aber es gibt viele, die mich immer wieder inspirieren. Zuletzt etwa Meryl Streep, als sie bei den Golden Globes zu ihrer Meinung stand (sie äusserte sich dazu, dass es nicht in Ordnung ist, einen behinderten Menschen nachzuäffen, wie das Donald Trump gegenüber einem Journalisten gemacht hat, Anm. d. Red.). Das hat mich beeindruckt.

J – Junge 
Sie haben einen vierjährigen Sohn.
Ich habe übrigens auch ein zweijähriges Mädchen. 
Oh, wie schön! Möchten Sie gern noch mehr Kinder?
Kinder zu haben ist schon sehr toll, aber auch sehr anstrengend. Mal schauen…
Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern vermitteln? 
Man ist sehr geprägt davon, wie man aufgewachsen ist, und es ist nicht so einfach, sich davon zu lösen. Ich probiere aber, meinen Kindern vorzuleben, dass man nicht die alten Strukturen weitergibt, sondern dass es Selbstbestimmung gibt. Sie sollen die Talente ausleben, die sie haben. Und dass es Grenzen gibt, die aber entstehen, weil zwei Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinandertreffen, und nicht, weil ich die Mutter bin und sie die Kinder. 

K – Konkurrenz
Die Schweizer Filmszene ist klein. Ist die Konkurrenz unter den Schauspielern entsprechend umso grösser?
Ich bekomme es nicht mit, weil ich weit weg bin. Natürlich, wäre sie grösser, gäbe es für mehr gute Leute gute Jobs. Ich habe einmal eine Erfahrung gemacht, die mir sehr geholfen hat, mit Konkurrenz umzugehen. Als ich für den Film «Die Standesbeamtin» schon gesetzt war, gab es ein Casting für eine Nebenrolle. Ich musste eine Szene mit vier ganz verschiedenen Frauen spielen. Mit jeder einzelnen hat es Spass gemacht, alle waren sie gut und alle brachten etwas Eigenes mit. Es bekam dann jene die Rolle, die einfach zu den anderen Besetzungen am besten passte. Es liegt also nicht unbedingt an der eigenen schauspielerischen Leistung, wenn man einen Part nicht bekommt, sondern manchmal passt eine andere Person schlicht etwas besser.

L – Liebe
Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick? 
Ja.
Wie bleibt eine Liebe frisch?
Das ist das grosse Geheimnis. Leider kenne ich es auch nicht. Wenn ich es wüsste, würde ich es in die Welt hinausposaunen.

M – Mut
Was war das Mutigste, was Sie je getan haben?
Kinder zu bekommen. Man geht das so naiv an, weil man weiss im Vornherein nicht genau, was auf einen zukommt. Aber es ist wohl das Mutigste.

N – Nähe
Wie schnell öffnen Sie sich gegenüber einem anderen Menschen?
Ich bin eher distanziert und von der langsamen Sorte. Ich brauche mehrere Begegnungen mit einem Menschen, den ich nicht kenne, damit etwas entstehen kann.

O – Orgasmus
Wie schwierig ist es, bei laufender Kamera einen Orgasmus zu spielen?
Ich mag Sexszenen nicht oder sagen wir, die Nacktheit mag ich nicht. Denn solange ich ein Kostüm und Make-up trage, kann ich Marie hinter der Rolle verstecken. Haut ist so wahnsinnig privat. Wenigstens ist das Drehen von Sexszenen aber meistens lustig. Für die Komödie «Wer’s glaubt, wird selig» musste ich mit Christian Ulmen dermassen Rammeln, dass die Wände der Wohnung einkrachen und die Schwiegermutter im Raum nebenan erschlagen sollten. Wir haben dazu die Wohnung in einer Turnhalle nachgebaut, und während wir so am Hopsen und Stöhnen sind, sehe ich über mir den Techniker, wie er an der Wand rüttelt – urkomisch! Das hat nichts mit Erotik zu tun.

Marie Leuenberger die göttliche Ordnung
© filmcoopi

Es ist geschafft! Nach dem «Ja» zum Frauenstimmrecht» von 1971 dürfen endlich auch die Schweizerinnen an die Urne. 

P – Plan B
Wären Sie nicht Schauspielerin geworden, was wären Sie vermutlich dann?
Das weiss ich eben nicht. Ich überlege seit Jahren, was ein Plan B sein könnte, aber ich bin noch nicht fündig geworden.

Q – Qual
Worunter leiden Sie?
Wenn ich das Gefühl habe, dass ich ungerecht behandelt werde oder mich ohnmächtig fühle in einer Situation.

R – Reisen
Wohin führte Sie Ihre schönste Reise?
Nach Portugal. Wir sind mit dem Velo von Lissabon nach Lagos gefahren – das war irre schön.

S – Sünde
Ihre süsseste Sünde? 
Süsse Sünde klingt nach «Sokolade». Ich bin nicht wirklich sündhaft in meinem Leben.

T – Traum
Haben Sie einen wiederkehrenden Traum?
Inhaltlich nicht, aber ich träume von Orten – meistens ist es eine Stadt – die es nur im Traum gibt, und wo ich mich immer wieder finde.

U – Ungeduld
Wann werden Sie ungeduldig?
Wenn ich nicht ausgeschlafen bin. 

V – Vorbild
Ihr grösstes Vorbild?
Das ist situationsabhängig. In gewissen privaten Lebenssituationen ist es meine ältere Schwester.

W – Wohnen
Sie leben in Berlin. Könnten Sie sich vorstellen, in der Schweiz zu wohnen?
Wegen der Landschaft durchaus, aber nicht in den nächsten zwanzig Jahren.

X – X-Beine
Haben Sie einen Schönheitsmakel, der Sie stört?
Folgende Anekdote dazu: Mit Anfang zwanzig sagte mir eine Freundin, ich solle mich bei ihrem Agenten melden, der suche noch Schauspielerinnen. Ich rief ihn also an und beschrieb mich so: Ich habe eine grosse Nase, krumme Zähne und Schlupflider. Ich schickte ihm ein Videoband und hörte nie wieder etwas von ihm. Später realisierte ich, dass ich mich nicht sehr geschickt verkauft hatte. Mittlerweile glaube ich, dass meine Schönheitsmakel mein Markenzeichen geworden sind. Ich bin, wie ich bin.

Y – Youtube
Was möchten Sie nie in einem Youtube-Film von Ihnen sehen?
Vieles! Alles, was man nicht mal seinen besten Freunden zeigen möchte.

Z – Ziele
Was möchten Sie noch erreichen?
Ich möchte meine Kinder grosswerden sehen, gesund und mit Verstand. Beruflich hoffe ich, dass ich noch viele tolle Rollen spielen darf. Es wäre schön, wenn es so weitergehen würde wie bislang.

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