Kinotipps: «Er ist wieder da» und «The Program» Keine reine Freude....

Diese Woche begegnen wir berühmt-berüchtigten Figuren im Kino. Adolf Hitler in «Er ist wieder da» und Lance Armstrong in «The Program». Zwei tolle Filme, die unter die Haut gehen und da auch weh tun.
Der Führer (Oliver Masucci) und die moderne Technik.
© Pathé Films

Der Führer (Oliver Masucci) und die moderne Technik.

«Er ist wieder da»

Für einmal ist es umgekehrt: Hier ist die Verfilmung noch besser als das Buch  ein Exgüsi dem Autor Timur Vermes. Und ein Ansporn für alle  und das sind allein im deutschsprachigen Raum über zwei Millionen Leute  die den Roman gelesen haben, sich auch den Film reinzupfeifen. «Er ist wieder da» spinnt den Gedanken weiter: Was wäre, wenn…. in diesem Fall, wenn Adolf Hitler eben wieder da wäre. Der Führer wird unerklärlicherweise und unerklärt ins Berlin des Jahres 2014 gebeamt, er erwacht eines Tages in einem tristen Hinterhof in Berlin-Mitte.

Adolf Hitler (Oliver Masucci) liest sich in die Gegenwart ein.
© Pathé Films

Adolf Hitler (Oliver Masucci) liest sich in die Gegenwart ein.

Was nun passiert, erzählt Regisseur David Wnendt («Kriegerin», «Feuchtgebiete») in dem Film, der keine Komödie ist. Zumindest die Dok-Film-Einschübe über die Begegnungen mit echten Deutschen lassen einem das Lachen im Hals stecken bleiben. Der Burgschauspieler Oliver Mascucci beweist neben viel Talent auch viel Mut, in die Rolle des Führers zu schlüpfen. Er macht das mimisch, gestisch und sprachlich so grossartig, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Vor allem wenn er formvollendet höflich und charmant auftritt. Ein Film, der viel zu reden geben wird. Und mitreden sollte nur, wer ihn auch gesehen hat. Also nix wie hin!

 

«The Program»

Stephen Frears, der britische Regisseur mit dem Flair für Helden («The Queen», «Philomena», «Mrs. Henderson Presents») hat sich eine weitere Überfigur vorgeknöpft, um hinter der heroischen Fassade in Abgründe zu blicken: den US-Amerikaner Lance Armstrong, der als einziger Velorennfahrer siebenmal die Tour de France gewann. Eine ungeheure Leistung, vor allem, da Armstrong zuvor seinen Hodenkrebs besiegt und sich vom Wrack zum Supersportler hochtrainiert hatte. 

Selbstbewusster Sieger: Lance Armstrong (Ben Foster).
© Impuls

Selbstbewusster Sieger: Lance Armstrong (Ben Foster).

Diesem wahrgewordenen Märchen stand der britische Sportjournalist David Welsh der «Sunday Times» stets skeptisch gegenüber. Auf seinem Buch «Seven Deadly Sins: My Persuit of Lance Armstrong» basiert Frears’ Film, der die einzigartige Karriere Armstrongs von den Anfängen über die Siegesserie bis zu der Aberkennung aller Titel wegen Doping nachzeichnet. Auch denen, den Velorennfahrer oder die Tour de France bisher am A… vorbei gingen, sei «The Program» empfohlen. Der Film fängt an wie ein Kriegsepos und Action-Streifen, geht dann über zu Suspence und Psychogramm. Ben Foster spielt den Sporthelden hinreissend auf dem Grat zwischen Grösse und Grössenwahn. In feinen Nebenrollen brillieren Guillaume Cannes und Dustin Hoffman. Der spielte übrigens schon mal bei Stephen Frears, anno 1992, in «Accidental Hero», vielleicht Frears charmanteste Demontage eines Helden. 

Beide Filme starten am 8. Oktober in unseren Kinos.

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