Kinotipp: «Dunkirk» Kriegsfilm mal anders

Mit «Dunkirk» von Christopher Nolan startet heute einer der besten Filme des Jahres und einer der besten Kriegsfilme seit vielen Jahren. 
Kinotpp: «Dunkirk»
© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Banges Warten auf Rettung: Alliierte Truppen und ihre Kommandanten (James d’Arcy, Kenneth Branagh) am Strand von Dünkirchen anno 1940.

«Dunkirk»

Kriegsfilme sind grundsätzlich ein No-Go? Gewalt und Geballer, rumfliegende Körperteile und Heldentode nicht zu ertragen? Keine Sorge: All das gibts im neuen Meisterwerk von Christopher Nolan («Inception», «The Dark Knight», «Interstellar») eh nicht. «Dunkirk» ist kein klassischer Kriegsfilm, eher ein Psycho-Thriller mit Soldaten. 

Kinotipp «Dunkirk»
© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Wo bleiben die Boote? 300’000 Seelen warten auf ihre Rettung auf dem Wasserweg.

Wohl ist einem trotz des Fehlens von Gefechten, bösen Nazis, Blut und Wunden dennoch nicht  im Gegenteil. Nolan versetzt uns im Kino mitten in die Massen von alliierten Soldaten, 300'000 angstvolle Seelen, vorwiegend Engländer, die 1940 an der Nordküste Frankreichs von deutschen Truppen umzingelt sind und auf ihren Rettung warten, den Abtransport über den Kanal Richtung Heimat, die sie fast schon sehen können. Der britische Filmemacher führt hier keine Einzelschicksale vor, sondern schildert die verzweifelte Lage der Eingekesselten in drei Erzählsträgen: was auf der Mole passiert, auf dem Wasser und in der Luft. Wie immer jongliert Nolan mit den Zeitebenen, dehnt oder komprimiert Wochen und Tage zu Momenten oder Ewigkeiten. Und er erlaubt sich sehr unverfroren den Luxus, einen Blockbuster (fast) ohne grosse Namen zu drehen, beziehungsweise versteckt seinen grössten Star, Tom Hardy, bis zum Schluss unter einer Fliegermaske. 

Kinotipp «Dunkirk»
© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Nolan machte ihn berühmt, jetzt versteckt er Tom Hardy hinter der Fliegermaske.

Zur beklemmenden Stimmung trägt der Soundtrack wesentlich bei. Hans Zimmer, der die meisten von Nolans Filmen musikalisch unterfütterte und überhaupt Hollywoods meistbeschäftigter Komponist ist, haut uns Bässe in den Bauch und lässt mit tickenden Tracks unsere Nerven vibrieren.  

«Dunkirk» ist Arthouse in Blockbuster-Grösse, Überwältigungs-Kino der Extraklasse. Auch Kriegs(film)-Verweigerer sollten sich Nolans neuesten Geniestreich ansehen. Jetzt im Kino. 

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