Kinotipps «The Danish Girl» und «The Revenant» Frieren mit Leo, schluchzen mit Eddie

Eisige Prärie oder eleganter Salon, Wildwest-Thriller oder Travestie-Drama, Leonardo DiCaprio oder Eddie Redmayne? Die Frage lautet nicht, ob «The Revenant» oder «The Danish Girl», sondern nur, welcher Film zuerst. Denn gesehen haben sollte man beide. 
Unbeschreiblich weiblich: Einar/Lily Wegener (Eddie Redmayne).
© Universal Pictures International Switzerland

Unbeschreiblich weiblich: Einar/Lily Wegener (Eddie Redmayne)

«The Danish Girl»

Oscarpreisträger Tom Hooper («The King's Speech») lässt uns einmal mehr in die Tiefen einer verzweifelten Seele blicken. Nachdem er uns (und die Academy) vor fünf Jahren mit dem stotternden König und seiner Familie tief berührt und geschüttelt hatte, erzählt Hooper nun die Geschichte eines Künstlerpaares in den Zwanzigerjahren, die ebenfalls gegen die Konventionen verstossen und ihr Glück suchen.

Ménage à trois: Einar/Lily (Eddie Redmayne) und Gerda (Alicia Vikander).
© Universal Pictures International Switzerland

Ménage à trois: Einar/Lily (Eddie Redmayne) und Gerda (Alicia Vikander).

Wie schon in «The King's Speech» bietet uns Hooper ein Rumdum-Verwöhnprogramm: Er serviert uns traumschöne Bilder mit exquisiten Kostümen und Dekors, eine herzrührende Geschichte über ein Ehepaar in einer existenziellen Krise (Er verwandelt sich zu einer Sie) und grossartige Hauptdasteller: Eddie Redmayne (er verdiente sich letztes Jahr einen Oscar in der Rolle des Astrophysikers Stephen Hawking) und die vielgelobte Alicia Vikander («The Man from U. N. C. L. E.», «Ex Machina»). Die beiden Hauptdarsteller waren für Golden Globes nominiert, gingen aber leer aus, ebenso Soundtrack-Lieferant Alexandre Despalt. Drücken wir allen Dreien die Daumen für die Oscars Ende Februar! Und belohnen sie schon heute mit unserer Anwesenheit im Kinosaal!

Etwas Farbe und Fummel, und aus dem schönen Einar...
© Universal Pictures International Switzerland

Etwas Farbe und Fummel, und aus dem schönen Einar...

...wird die verführerische Lily (Eddie Redmayne).
© Universal Pictures International Switzerland

...wird die verführerische Lily.

«The Revenant»

A propos Preissegen: Seinen dritten Golden Globe durfte Leonardo DiCaprio diese Woche für seine Parforce-Leistung im Neo-Western «The Revenant» in Empfang nehmen. Als verletzter Trapper Hugh Glass musste er bei klirrenden Minusgraden im Sturm ausharren oder so lange ins Eiswasser springen, bis Berseker-Regisseur Alejandro González Iñárritu zufrieden war, musste als Vegetarier rohe Leber essen und sich nackig in einen Pferdekadaver zwängen  vom entstellenden Bartwuchs mal ganz zu schweigen.

Drei Männer im Schnee: Alejandro Inarritu, Leo DiCaprio und Tom Hardy.
© 20th Century Fox

Drei Männer im Schnee: Alejandro Iñárritu, Leo DiCaprio und Tom Hardy.

Iñárritu plagte seine Darsteller nicht aus Sadis-, sondern Perfektionismus. Er bestand beim Dreh in Kanada und Argentinien auf Naturlicht und grösstmögliche Echtheit. Der zweieinhalbstündige Film sollte auch für die Zuschauer ein schmerzhaftes Erlebnis werden. Wer neben dem Neuschnee draussen noch mehr Schneemassen auf Leinwand erträgt und eine Ahnung bekommen möchte, wie wild und wüst es im Westen einst zuging, sollte sich «The Revenant» antun. Hässlicher war DiCaprio nie, beeindruckender auch nicht. Jetzt muss das einfach klappen mit dem Oscar! Fünfmal ging er ja schon leer aus.

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