Kinotipps: «Jackie» und «Hacksaw Ridge» Von Witwen und Helden

Wer viel Blut, wirklich viel Blut, auf der Leinwand erträgt, bekommt diese Woche im Kino die volle Ladung bei zwei Oscar-Filmen: In «Jackie» erleben wir das Attentat auf JFK hautnah und die ersten Wochen seiner Frau als Witwe der Nation. Natalie Portmans manieriert-kandideltes Spiel brachte ihr eine Oscar-Nomination ein. Ebenfalls im Rennen um die wichtigsten Filmpreise der Welt: Mel Gibson und sein hyperrealistisches Kriegsdrama «Hacksaw Ridge», das für sechs Goldmännchen vorgeschlagen ist.
Eben in Dallas gelandet: Jackie Kennedy (Natalie Portman) am Morgen des 22. 11. 1963
© Pathé Films/Stephanie Branchu

Eben in Dallas gelandet: Jackie Kennedy (Natalie Portman) am Morgen des 22.11.1963

«Jackie»

Filme über das Attentat auf Präsident John F. Kennedy gibts im Dutzend, ebenso 2'000 Bücher und sogar eine Serie (sehr sehenswert: «22.11.63»). Jetzt endlich rückt der Chilene Pablo Larrain («No», «Gloria») die arme Witwe ins Zentrum eines Films. «Jackie» beleuchtet die verrückten Stunden, Tagen und Wochen nach dem Mord.

Jackie (Natalie Portman) zeigte der Nation via TV das frisch renovierte Weisse Haus.
© Pathé Films/Stephanie Branchu

Jackie (Natalie Portman) zeigte der Nation via TV das frisch renovierte Weisse Haus.

Die ehemalige First Lady lädt einen Journalisten (Billy Crudup) nach Hyannis Port, dem Landhaus der Kennedys, und erzählt ihm sehr offen ihre Geschichte und ihre Ansichten. Gleichzeitig verbietet sie dem Schreiber, sie zu zitieren. Natalie Portman gelingt es perfekt, die Manierismen, die gestelzte Sprechweise und die Zwiespältigkeit der legendären Lady wieder lebendig werden lassen  von ihrer Schönheit ganz zu schweigen.

So behielt Amerika Jackie in Erinnerung: als Witwe der Nation.
© Pathé Films/William Gray

So behielt Amerika Jackie in Erinnerung: als Witwe der Nation.

Wer gern ins Weisse Haus von einst, als noch Stil und Eleganz herrschte, blicken will, verabrede sich jetzt mit Jackie. 

«Hacksaw Ridge»

Hollywood hat Mel Gibson wieder richtig lieb, vergessen sind seine verbalen Schand- und alkoholbefeuerten Straftaten. «Hacksaw Ridge» ist für sechs Oscars nominiert, auch in Hauptkategorien. Zu Recht: Gibson hat einen Anti-Kriegsfilm der Superklasse abgeliefert, ein erschütterndes Kinostück.

 Sanitäter Doss (Andrew Garfield).
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Mitten im Schlachtgetümmel: Sanitäter Doss (Andrew Garfield).

Und hier liegt auch gleich das Problem: Die Darstellung der Schlachten um eine Hügelkette im japanischen Okinawa, eben den Hacksaw Ridge, im Sommer 1945 ist weit über die Schmerzgrenze der meisten Menschen hinaus drastisch, realistisch, brutal und blutig. Die Metzelei auszuhalten lohnt sich aber, denn mit Andrew Garfield in der Hauptrolle gibt es einen Nachwuchs-Akteur der Superklasse zu entdecken.

 Andrew Garfield ist für den Oscar nominiert!
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Jungstar mit Potenzial: Andrew Garfield ist für den Oscar nominiert!

Als Sanitäter Desmond Doss, der aus Glaubensgründen den Dienst an der Waffe verweigert und sich das Recht auf einen Kriegseinsatz vor Gericht erstreitet, ist Garfield eine Wucht, seine Oscar-Nomination in der Königskategorie Bester Hauptdasteller durchaus gerechtfertigt. Seine blassen Auftritte als Spider-Man sind nach seiner Leistung als naiv-tapferer Soldat glatt verzeihen und vergessen. Erst recht nach seiner Parforce-Leistung als jesuitischer Missionar des 17. Jahrhunderts in Martin Scorseses Epos «Silence». Davon nächste Woche mehr.  

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