Kinotipps «The Jungle Book» und «Hardcore» Jetzt wirds deftig

Die Neuverfilmung des Walt-Disney-Klassikers «The Junge Book» mit einem echten Mowgli und wilden Tieren aus dem Computer wird wohl einigen Dreikäsehochs einen Schrecken einjagen. «Hardcore» tut dies bei Erwachsenen. Sehenswert sind beide Filme: Sie bieten ganz neue Sichtweisen und werden leidenschaftlich kontrovers diskutiert.
Flussfahrt mit Bär: Szene aus dem neuen «Jungle Book».
© © The Walt Disney Company Switzerland

Flussfahrt mit Bär: Szene aus dem neuen «Jungle Book».

«The Jungle Book»

Wer den zauberhaften Animationsfilm von 1967 liebt und den Song «Probier's mal mit Gemütlichkeit» mitsingen kann, wird Bauklötze staunen, was die Walt-Disney-Studios nun als Remake präsentieren. Einen wilden Urwald mit vielen bösen Tieren drin, alles hyperrealistisch aus dem Computer. Mittendrin der kleinen Waisenjunge Mowgli (der ist echt und wird vom 13-jährigen New Yorker Neel Sethi gespielt), der gegen den Tiger Shere Khan, den gefürchteten Bösewicht des Waldes, antritt.

Unterwegs im Urwald: Mowgli (Neel Sethi) und Bagheera (Stimme: Ben Kingsley).
© The Walt Disney Company

Unterwegs im Urwald: Mowgli (Neel Sethi) und Bagheera (Stimme: Ben Kingsley).

Auf Mowglis Seite kämpfen der Panther Bagheera (Stimme: Ben Kingsley), die Wölfe Akela und Raksha (Giancarlo Esposito, Lupita Nyong’o) und der treue Bär Baloo (Bill Murray). Ebenfalls auf das Menschenjunge abgesehen hat es die Schlange Kaa (Scarlett Johansson). Das Regie-, Produzenten- , Drehbuchautor- und Schauspiel-Schwergewicht Jon Favreau («Iron Man», «Cowboys and Aliens», «Chef») serviert mit seiner Version des Dschungelbuches ein Märchen, das viel näher an der Buchvorlage von Rudyard Kipling dran ist als der gezeichnete Disney-Klassiker. Das (Über-)Leben im Urwald ist schliesslich kein Sonntagsspaziergang. 

 

«Hardcore»

Henrys Frau Estelle (Haley Bennett) un die tiefgefrorenen Cyber-Soldaten.
© Impuls Pictures AG

Henrys Frau Estelle (Haley Bennett) un die tiefgefrorenen Cyber-Soldaten.

Optisch Neuland betritt auch der Actionfilm mit dem sehr passenden Titel «Hardcore». Neben dem ultrabrutalen Streifen verblassen Jason Stathams «Crank» oder die «Die Hard»-Reihe mit Bruce Willis zu harmlosen Gutenachtgeschichten. Kein Wunder, wird Autor/Regisseur Ilya Naishuller als der neue Tarantino gehandelt. So viel Blut und Blei und explizite Gewalt sind nun nicht jedermanns Sache. Spannend aber ist die neue Optik. «Hardcore» ist konsequent 90 Minuten lang aus der sogenannten Ego- oder First-Person-Perspektive erzählt. Game-Look-auf Grossleinwand. 

Henry/wir sehen Estelle (Haley Bennett) vom Schlimmfinger bedroht.
© Impuls Pictures AG

Henry/wir sehen Estelle (Haley Bennett) vom Schlimmfinger bedroht.

Die Hauptfigur Henry sind wir. Und wir sehen nur unsere Fäuste beim Dreinschlagen und unsere Füsse beim Rennen. Zehn Kameraleute und Stuntmen schlüpften in Henrys Haut, beziehungsweise trugen beim Dreinschlagen und Rennen Kopfkameras. Das ist trotz aller technischer Raffinesse anstrengend. Und weil Henry/wir nicht wissen, wer wer sind, nur, dass uns jemand zur Kampfmaschine umgebaut hat und das Sprachmodul fehlt, bleibt leider die Charakterzeichnung auf der Strecke, und vor lauter Kampf und Krawall auch die Story. Erträglich und humorig wird der Erstling aus Russland  allerdings durch den unterlegten Soundtrack von Queen («Don’t Stop me Now») über Devandra Banhart («Fur Hildegard von Bingen») und The Temptations  («My Girl») bis zu einer Cole-Porter-Revuenummer sowie hübschen Zitaten und Querverweisen. Und unser einziger Verbündeter, Jimmi, (Sharlto Copley) tritt in immer neuen Gestalten auf - ein heiterer Einfall. Zur Sicherheit nochmals: Feinfühlige Gemüter sind hier definitiv im falschen Film. Wer wissen will, wie die (oder zumindest eine mögliche) Zukunft des Kinos aussieht, muss sich «Hardcore» geben. 

 

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