Kinotipps «Loving» und «Silence» Glaube, Liebe, Hoffnung

Eben noch sahen wir die zauberhafte Ruth Negga in Feuerrot über den Oscar-Teppich schweben, schon gibt es mehr von ihr im Kino: «Loving» ist allerdings ein schwerer Brocken, ebenso «Silence» von Altmeister Martin Scorsese. Beide Filme sind schlicht eine Wucht. Man geht anders aus dem Kino als man es betreten hat. 
Mildred (grossartig: Rugh Negga) kämpft um Robert Loving, ihren Liebsten.
© Frenetic Films

Mildred (grossartig: Ruth Negga) kämpft um Robert Loving, ihren Liebsten.

«Loving» 

Zwei Menschen treffen sich, verlieben sich, heiraten, bekommen Nachwuchs – das Normalste der Welt. Nicht aber, wenn dies 1958 in Virginia/USA passiert, er weiss und sie schwarz ist.

Die häusliche Idylle von Mildred (Ruth Negga) und Robert (Joel Edgerton) trügt: ihre Ehe ist illegal.
© Frenetic Films

Die häusliche Idylle von Mildred (Ruth Negga) und Robert Loving (Joel Edgerton) trügt: ihre Ehe ist illegal.

Gemischtrassige Ehen waren im Südstaaten-Bundesstaat damals verboten. Wie Mildred (Ruth Negga, selber ein Spross eines äthiopischen Vaters und einer irischen Mutter) und Richard Loving um ihre Liebe kämpfen, hat der US-Regisseur/Drehbuchautor Jeff Nichols so eindrücklich auf die Leinwand gebracht, dass man sich gegen Gänsehaut und Tränen kaum wehren kann. Auch nicht gegen Wut über so viel Hass und Intoleranz. Das Thema und der Film in unserer intoleranten Zeit. 

Die Lovings werden aus dem Bett gezerrt und verhaftet.
© Frenetic Films

Die Lovings werden aus dem Bett gezerrt und verhaftet. 

«Silence»

Um Intoleranz und Hoffung geht es auch bei Martin Scorsese. Der in der Wolle gefärbte Katholik und ehemalige Messdiener aus Queens, New York, hat sich dem Thema Glauben und Religion jetzt aufs Alter hin, er ist 74, mit Haut und Haaren verschrieben. Seit 20 Jahren wollte er diesen Film machen, jetzt ist er vollbracht. 

Die Jesuitenmönche (Adam Driver, Andrew Garfiedl) auf ihrem Weg nach Japan.
© Ascot-Elite

Die Jesuitenmönche (Adam Driver, Andrew Garfiedl) auf ihrem Weg nach Japan. 

«Silence» erzählt die Geschichte zweier junger Jesuitenmönche (Adam Driver, Andrew Garfield), die im 17. Jahrhundert in Japan den christlichen Glauben verbreiten wollen, auch wenn das unter Todesstrafe steht und Missionare in dem abgeschotteten Land mit aller Härte verfolgt werden. Scorsese hat die Geschichte, basierend auf dem Buch von Shûsaku Endô von 1966, in traumschöne Bilder eingefangen und mit Driver, Garfield und Liam Neeson schlicht genial besetzt. Allein die Gesichter der A-Klasse-Mimen wirken uralt und wie mystische Landschaften, in die man stundenlang schauen will.

Der Jesuitenpater (Liam Neeson) ist unter Druck vom Glauben abgefallen.
© Ascot-Elite

Der Jesuitenpater (Liam Neeson) ist unter Druck vom Glauben abgefallen.

Und ja, wie immer bei Scorsese geht es grob zu und her, trotz dem Thema allerdings weniger blutig und brutal als in seinen legendären Mafia- und Gangster-Epen («Good Fellas», «Taxi Driver», «Gangs of New York», «Departed», «Wolf of Wall Street»). Eine Meditation über Gut und Böse von zweieinhalb Stunden. Ein Must auch für Ungläubige.

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