Kinotipps «Maggie’s Plan» «Captain Fantastic» & «Vor der Morgenröte» Maggie will jetzt ein Kind, Ben hat schon sechs

Lust auf eine heitere Komödie? Eine nachhaltige Tragikomödie? Oder doch lieber ein richtiges Drama? Wir haben die Wahl, diese Woche gibts in jeder Sparte ein Highlight zu entdecken.
Das erste «Baby»-Bild: Maggie (Greta Gerwig) und Guy, der Gurkenmann (Travis Fimmel).
© Impuls Pictures AG

Das erste «Baby»-Bild: Maggie (Greta Gerwig) und Guy, der Gurkenmann (Travis Fimmel).

«Maggie’s Plan»

Die Gene von Rebecca Miller, 53, müsste man haben – beneidenswert: Von ihrem Vater Arthur Miller, dem berühmten Dramatiker, hat sie neben dem grossen Namen auch die Gabe geerbt, starke Figuren und lebensnahe Geschichten zu entwickeln, von ihrer Mutter Inge Morath, der Fotografin, hat sie das Auge für Ästhetik. Seit ihren Filmen «Personal Velocity: Three Portraits» und «The Private Lives of Pipi Lee» lieben wir diese Miller, vor allem wir Frauen, weil sie uns selbstbewusste, taffe Identifikationsfiguren schenkt. Frauen, die ihr Leben anpacken und für ihre Unabhängigkeit kämpfen. So eine ist auch Maggie (toll: Greta Gerwig), die Heldin von Rebecca Millers neuem Wurf. Maggie, eine New Yorker Mittdreissigerin, Unidozentin, Single, will ein Kind. Einen Mann beziehungsweise Vater dazu? Lieber nicht.

Maggie (Greta Gerwig) will keine gurken von Guy (Travis Fimmel)...
© Impuls Pictures AG

Maggie (Greta Gerwig) will keine Gurken von Guy (Travis Fimmel)...

Zu ihrem Glück ist der ehemalige Schulkollege Guy (Travis Fimmel, der blonde Recke aus «Vikings»), heute ein erfolgreicher Essiggurken-Produzent, gern bereit, seinen Samen zu spenden. Der Zufall wills, dass sie in der Nacht der self-made-künstlichen Befruchtung Spontan-Sex mit einem Uni-Kollegen (Ethan Hawke) hat, der sich von seiner exzentrischen Frau (Julianne Moore) trennen will. So fängt die verzwickte, überaus witzige Geschichte an. Ob und wie Maggies Plan aufgeht, ziehen Sie sich jetzt im Kino rein. Wenn Sie auf kluge, dialoglastige Beziehungskomödien à la Woody Allen stehen, werden Sie sich prächtig amüsieren. Mehr über den Film lesen Sie im Magazin der Style, jetzt druckfrisch am Kiosk.

«Captain Fantastic»

Für alle, die schon Kinder haben oder solche planen, ist die Tragikomödie mit Viggo Mordensen ein Must-See! Unser Lieblings-Däne spielt einen Vater, der seine sechs Kinder abseits jeglicher Zivilisation im Wald aufzieht, ihnen das Jagen und Klettern ebenso beibringt wie Gemeinschaftssinn, das Lesen, selbstständiges Denken und philosophische Theorien. Und im Notfall auch, wie man im Supermarkt Lebensmittel klaut.

Bereit zum Trip in die Zivilisation: Bens Naturkinder.
© Impuls Pictures AG

Bereit zum Trip in die Zivilisation: Bens Naturkinder.

Als die Mutter, die schon seit langem in einer psychiatrischen Anstalt weilte, stirbt, wollen die Kinder zur Beerdigung, klar. Das bedeutet für Ben, den Vater, und seine sechs Kids einen Abstecher in die Zivilisation.

Herausgeputzt für die Abdankung: Ben und seine Sechs.
© Impuls Pictures AG

Herausgeputzt für die Abdankung: Ben und seine Sechs.

Und die Konfrontation mit den Schwieger- beziehungsweise Grosseltern, die die alternative Lebensweise der Grossfamilie komplett ablehnt. Wie sich Ben und seine Sprösslinge in der ungewohnten Umgebung zurechtfinden  oder eben nicht  zeigt «Captain Fantastic» in traumschönen Bildern, mit viel Witz und mit grossartigen schauspielerischen Leistungen. Bei diesem Off-off-Hollywoodfilm aus Amerika bekommt man viel zu staunen und lachen und noch viel mehr nachzudenken für danach. Nachhaltige Kinokost vom Feinsten  also nicht verpassen! Für uns steht der erste Oscar-Kandidat fest: Viggo Mortensen ist ja immer gut, hier ist er herausragend. Und eine Augenweide, so ganz textilfrei, wie er sich darbietet….

 

«Vor der Morgenröte»

Wer die Werke des Wieners Stefan Zweig kennt und liebt – ist ja ein und dasselbe –  findet im Film «Vor der Morgenröte» eine geistige Heimat. Die Regisseurin Maria Schrader («Liebesleben») hat sich auf die Exil-Jahre des jüdischen Gross-Autoren in Nord- und Südamerika konzentriert und erzählt in einer Handvoll Episoden vom Seelenleiden des Heimatvertriebenen. Die letzte Episode, der Doppelselbstmord der Zweigs, ist in einer einzigen Kameraeinstellung gefilmt, in der wir nichts zu sehen bekommen, aber alles erfahren – ein Geniestreich zum Finale des Meisterwerkes.

Stefan Zweig (Josef Hader) versucht auch fern der Heimat zu schreiben.
© filmcoopi

Stefan Zweig (Josef Hader) versucht auch fern der Heimat zu schreiben.

Josef Hader, vielen bekannt als abgewrackte Schnüffelnase Brenner aus den Verfilmungen der Romane von Wolf Haas, spielt den grüblerischen Zweig mit einer Melancholie, Reduktion und Präzision, dass es uns vom Kinosessel haut. Der Hader kann also auch ganz ernst  wir sind beeindruckt!

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