Kinotipps «Personal Shopper» und «Collateral Beauty» Vom Umgang mit Geistern

Das Leben ist kein Ponyhof. Und weil die Kunst das Leben imitiert, wirds manchmal auch im Kino richtig ernst. Und traurig. Oder gruselig. So diese Woche bei «Personal Shopper», wo Kristen Stewart einen Geist sucht – oder von ihm gefunden wird. Oder wo Will Smith in «Collateral Beauty» von drei guten Geistern beim Trauern begleitet wird.
War das der Wind oder der tote Bruder? Maureen (Kristen Stewart) sucht Kontakt.
© Filmcoopi

War das der Wind oder der tote Bruder? Maureen (Kristen Stewart) sucht Kontakt.

«Personal Shopper»

Nach «Clouds of Sils Maria» steht Kristen Stewart wieder vor der Kamera bei Olivier Assayas, wieder in der Rolle einer Assistentin. Diesmal ist sie die persönliche Modeeinkäuferin eines Supermodels. Was für viele wie ein Traumjob tönt – den ganzen Tag in Showrooms und Boutiquen Luxus-Kleider und -Schmuck aussuchen – ödet sie an, der Job ist nur ein Vorwand, in Paris sein zu können. In einem Landhaus in der Nähe der Metropole ist ihr Zwillingsbruder verstorben, und sie hofft auf ein Zeichen aus dem Jenseits. Spiritualität interessiert sie viel mehr als Glamour.

Zwischen Faszination und Abscheu gegenüber Glamour. Maureen (Kristen Stewart) beim Kleideraussuchen.
© Filmcoopi

Zwischen Faszination und Abscheu gegenüber Glamour. Maureen (Kristen Stewart) beim Kleideraussuchen.

Entsprechend dem ernsten Thema von Sein und Schein hastet denn Kristen Stewart auch mit verkniffener Miene, lavierend zwischen Zweifel, Angst und Überdruss, durch den Film. Die Jury in Cannes war hingerissen von Assayas Regie-Arbeit, mir war ob so viel Indifferenz nach einer halben Stunde leicht langweilig. Wer aber für die erwachsen gewordene Kristen schwärmt, kommt voll auf seine Kosten. Sie trägt den ganzen Film auf ihren schmalen Schultern.

«Collateral Beauty»

Brigitte (Helen Mirren) versucht Howard (Will Smith) aus seiner Trauer zu befreien.

Brigitte (Helen Mirren) versucht Howard (Will Smith) aus seiner Trauer zu befreien.

Tod und Trauer spielen auch bei diesem topbesetzten Film zentrale Rollen. Werbe-Guru Howard (Will Smith) wird vom Verlust seiner kleinen Tochter erdrückt, er vernachlässigt Job und Team, schreibt dafür seltsame Briefe und baut meterlange Domino-Skulpturen, die er dann einstürzen lässt. Seine Kollegen With (Edward Norton) und Claire (Kate Winslet) engagieren drei Schauspieler (Helen Mirren, Keira Knightley, Jacob Latimore), ihn als Allegorien auf die Liebe, die Zeit und den Tod aus seiner lähmenden Trauer zu reissen  mit wenig Erfolg. Auch die Selbsthilfegruppen-Leiterin Madeleine (grossartig: Naomie Harris) kommt nicht an den Verzweifelten heran.

Madeleine (Naomie Harris) kennt sich mit Verlust aus.
Warner Bros.

Madeleine (Naomie Harris) kennt sich mit Verlust aus.

Die A-Klasse-Akteure verhindern, dass das Melodram in Kitsch abgleitet. Regisseur David Frankel, eigentlich Komödien-Spezailist («The Devil Wears Prada», «Hope Springs») überrascht mit bitterem Ernst und einem verblüffenden Schluss. Ein Happy End? Lassen Sie sich überraschen!

 

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