Kinotipps «Phantom Thread» und «The Disaster Artist»

Diese Woche blicken wir in die mentalen Abgründe zweier Künstler: Daniel Day-Lewis schlüpft in «Phantom Thread» in die Haut eines so genialen wie introvertierten Nobelschneiders. James Franco rollt in «The Distater Artist» die irre Geschichte von Tommy Wiseau auf, dem zweitschlechtesten Regisseur aller Zeiten.

«Phantom Thread»

Nach Drehschluss gab Daniel Day-Lewis bekannt, dass dies sein letzter Film gewesen sei, er wolle nicht mehr Schauspieler sein. Das war die schlechte Nachricht. Die gute: «Phantom Thread» ist ein wunderbarer, bildgewaltiger Schwanengesang des Grossmimen und dreifachen Oscar-Gewinners. Für Fashion-Affine ein Must-See, spielt das Drama doch im hoch eleganten Modezirkel des Nachkriegs-London. 

Szene aus «Phantom Thread»
© Universal Pictures International Switzerland

Die Muse (Vicky Kieps) und der Meister (Daniel Day-Lewis).

Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) schneidert Roben für Adel, Königshaus und Jetset. Der eiserne Junggeselle duldet keine Ablenkung vom Job, er führt ein isoliertes, streng geregeltes Leben in seiner Londoner Residenz. Seine einzige Vertraute ist seine Schwester Cyril (Lesley Manville). Als dann die junge, bildhübsche Kellnerin Alma (Vicky Kieps) in sein Leben tritt, Model und Geliebte wird, bringt das die Routine und das Herz von Woodcock gehörig in Aufruhr. Zwischen dem verknorzten Gentleman und der sanftmütigen Schönen entspinnt sich eine amour fou, bald sind die zwei verstrickt in ein Netz von Abhängigkeiten, Aversionen und Anziehung. Das Happy End hängt an einem seidenen Faden – so auch der plumpe deutsche Titel dieser vielschichtigen, bewegenden Liebesgeschichte.

Szene aus «Phantom Thread»
© Universal Pictures International Switzerland

Ein Blick in Woodcocks Atelier.

Szene aus «Phantom Thread»
© Universal Pictures International Switzerland

Oscarnomiert als die strenge Schwester: Lesley Manville.

Daniel Day-Lewis ist für den Oscar nominiert. Er absolvierte als Vorbereitung auf die Rolle eine Schneiderlehre und fertigte für seine Frau, die Regisseurin Rebecca Miller, eine Haute-Couture-Robe an. Vielleicht bekomen wir die in der Oscar-Nacht ja zu sehen. Und eine Dankes-/Abschiedsrede von DDL zu hören, wenn er sein viertes Goldmännchen abholt.

«The Disaster Artist»

Szene aus «The Disaster Artist»
© Warner Bros Ent.

Tommy Wiseau (James Franco) mischt Hollywood auf.

James Franco gehört zu den hardest working man in Hollywood, als Schauspieler, Regisseur, Autor, Produzent und Sänger. Und er ist immer wieder für eine Überraschung gut, kann er doch ernst («127 hours») und lustig («The Interview», «Sausage Party»). Mit «The Disaster Artist» serviert er uns (als Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller) eine krasse Story: Die des grottenschlechten, aber stinkreichen Regisseurs Tommy Wiseau und die Entstehung dessen Kunstfilms «The Room». Die Komödie bietet das einmalige Vergnügen, gute Schauspieler (unter anderem James’ Bruder Dave, Seth Rogen, Brie Larson, Sharon Stone, Bob Odenkirk) richtig schlecht spielen zu sehen. Franco selber holte für seine Darstellung des schrägen Vogels Wiseau den Golden Globe als bester Schauspieler in einer Komödie – zu Recht.

Szene aus «The Disaster Artist»
© Warner Bros Ent.

James Franco als Tommy Wiseau.

 
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