Kinotipps: «The Square» & «Good Time» Kunst und Knast

Diese Woche tauchen wir ein in die abgehobene Welt des zeitgenössischen Kunstbetriebes, im hochgelobten Arthaus-Film «The Square»  – oder an der Seite von Robert Pattinson in den Hyperrealismus der New Yorker Unterwelt und überfüllter Gefängnisse in «Good Time».

«The Square»

Szene aus «The Square» – Christian (Claes Bang) erklärt seinen Töchtern den Square.
© Xenix Filmdistribution

Christian (Claes Bang) erklärt seinen Töchtern den Square. 

Der schwedische Film, der in Cannes die Goldenen Palme erhielt, behandelt zwei hochaktuelle, kontrovers diskutierte Themen: den Kunstbetrieb – und den Mann. Beide Problemzonen werden hier satirisch auf die Spitze getrieben, aufs Bizarrste überzeichnet. Oder doch nicht? Sinnfreie Sätze in Neonschrift auf Museumswänden, dekorative Dreckhaufen in Musentempeln und Brutalo-Performances an Vernissagen wirken im Film grotesk, sind aber schon lange in der Wirklichkeit des zeitgenössischen Kunst-Betriebes angekommen. Männer, die sich zwischen Anspruchshaltung (eigener und fremder), Idealen und Überforderung aufreiben ebenso. 

Szene aus «The Square» – Der Blick in die Ausstellung.
© Xenix Filmdistribution

Der Blick in die Ausstellung.

Christian (Claes Bang) ist zu Beginn der Geschichte ein erfolgsverwöhnter Kurator eines staatlichen Museums in Stockholm, der mitten in der Vorbereitung seiner nächsten Ausstellung namens «The Square» steckt. Alles läuft prima, bis ihm Trickdiebe das Handy und den Geldbeutel klauen. Christian lässt sich zu einer übertriebenen Aktion hinreissen, um seinen Besitz zurückzubekommen und halst sich damit gehörig Probleme ein. Zusehends entgleitet alles seiner Kontrolle: Die Ausstellung, die Werbung dafür (mit einem explodierenden Kleinkind), der One-Night-Stand mit der Kollegin (Elisabeth Moss), der Gala-Abend im Museum, der Shopping-Trip mit seinen kleinen Töchtern. Trotz Überlänge (145 Minuten) ist der Film ein Must-see. Für alle, die zum Thema Kunst und Männer mitreden wollen – and who wouldn’t...

«Good Time» 
 

Szene aus «Good Time» – Verzweifelt unterwegs: Robert Pattinson.
© Ascot-Elite

Verzweifelt unterwegs: Robert Pattinson in «Good Time».

Ein düsterer, harter Brocken von Film. Ein Versuch mehr von Robert Pattinson, sich vom Sweet-Boy-Image zu distanzieren, das ihm seit «Twilight» anhaftet. Im alptraumhaften Thriller spielt er einen Homie aus New Yorkers Unterwelt, der sich rührend um seinen geistig behinderten Bruder (Benny Safdie, gleichzeitig Co-Regisseur des Films, zusammen mit seinem Bruder Joshua) kümmert. Die Brothers ziehen einen Banküberfall durch – einer der coolsten der Filmgeschichte übrigens. Der misslingt, und um dem labilen Bruder den Knast zu ersparen, setzt er alle Hebel in Bewegung, nimmt Gewalt, Prügel und Demütigungen auf sich, fürchtet weder Tod noch Teufel. Ein beklemmendes, krasses Werk über die glanzlosen Seiten des big apple. 

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